Hi,
interessante Spekulationen, was ihr da treibt mit der visuellen Grenzgröße für Menschen auf dem Mars. Habt Ihr auch bedacht, daß ein Mensch durch den Helm eines Raumanzuges gucken müßte? Denn Nachts ist die (eh nicht atembare) Atmosphäre auch noch sackrisch kalt! So um die -80 bis -150°C! Die Augäpfel würden schneller vereisen, als der hypothetische Mensch auf dem Mars "Huch" sagen könnte!
Mit einem nagelneuen, noch nie abgewischten Helm würde man so viele Sterne sehen wie von der Erdoberfläche aus. Aber nach wenige Minuten auf der Marsoberfläche ists mit der Jungfräulichkeit des Helms vorbei. Dann lagert sich Staub elektrostatisch auf dem Helm ab. Und dadurch sinkt die Erkennbarkeit der Sterne. Hat man dann mal mit nem Handschuh drübergewischt, ist es vorbei mit der "Nachtsicht". Dann hat man tausende Mikrokratzer auf dem Helm. Die machen "Lichthöfe" um hellere Sterne und es ist, als ob mann insgesamt durch Nebel guckt. Fragt sich auch, welchen Teil der Erdoberfläche man da als Vergleichsstandort hernimmt.
Kennt Ihr die Staub-, Ruß- und Aerosolbelastungen von asiatischen Ballungsräumen aus dem Fernsehen? Dort ist der Himmel ockerfarben statt blau. Oder der Himmel über LA. Als ich 2012 beim Landeanflug aus dem Fenster sah, konnte ich den Smoganteil ebenfalls als pastelligen ockerfarbenen "Layer" über der Stadt bewundern.
Die CCD-Kameras der Rover sind für "Tageslichtaufnahmen" konzipiert. Und mit ein bissy Trickserei beim Programmieren können sie auch für Nachtaufnahmen hergenommen werden. Aber nur Belichtungszeiten zwischen 1, 10 und (soweit ich mich erinnere) maximal 50 Sekunden. Bei so langen Belichtungszeiten rauschen die Kameras fürchterlich.
Genau wie meine Spezialkameras, die ich für Planetenaufnahmen hernehme. Nur kann ich das Rauschen durch Darks und viele Aufnahmen (1000ende davon) samt Bildbearbeitung (Stacken) eliminieren. Diese Möglichkeit haben die NASA Mitarbeiter aber nicht. Die kriegen Einzelbilder per Richtfunk übertragen. Da kann man keine Datenströme mit mehrern GB übertragen. Das packen die internen Speicher der Kameras nicht.
Mangels Magnetfeld sind die Chips viel stärker der kosmischen Strahlung ausgesetzt. Ich finde es schon erstaunlich, daß die Kamerachips und auch die Ausleseelektronik überhaupt so lange durchhält. Konzipiert waren die Kameras von Opportunity und Spirit für 90 Tage, die von Curiosity für 2-5 Jahre. Und wie lange haben sie funktioniert? Bzw funktionieren immernoch...
Wer sich selber mal ein Bild von der Geschichte machen möchte, dem empfehle ich, sich ne billigst-Rückfahrkamera für nen Pkw und nen passenden 7" Monitor bei Ebay zu kaufen. Kostet zusammen ca. 35 - 40 Euro. Tagsüber liefern die recht brauchbare Bilder. Und dann guckt mal zu, wie sich das Bild in der Dämmerung verändert. Die Kameraautomatik versucht durch Verlängern der Belichtungszeit (Auslesegeschwindigleit von 1/10.000 s auf 1/25 s) und Hochregeln vom Verstärker die minimal notwendige Lichtstärke für den Chip so lange wie möglich zu halten...
Als langjährige Marsbeobachterin weiß ich, daß die Atmosphärenzusammensetzung von Mars innerhalb von Stunden oder Tagen stark schwankt. Manchmal gibt es Zeitfenster mit wenigen Stunden, in denen das sog. "violet clearing" eintritt. Dann wird die Atmosphäre fast durchsichtig und man erkennt wahnsinns viel an Albedostrukturen. Und am nächsten Tag guckt man wieder durch eine reichlich staub- und dampfgetrübte Atmmosphäre... Die Planetenwissenschaftler diskutieren, daß das mit dem solaren Magnetfeld zusammenhängt. Je stabiler/ungestörter, desto weniger statische Aufladung durch kosmische Strahlung. Auch Koronale Massenauswürfe, die Richtung Mars ziehen, sollen Einfluß haben. Denn auch deren Energie reicht aus, um feinste Staubpartikel am Boden aufzuladen. Und je stärker die Aufladung, desto eher werden sie vom Wind hochgehoben, reiben an anderen Körnchen, schlagen die auch lose und um so trüber die Atmosphäre...
CS
Sissy