Kaukasus-Krieg 2008: Parallelen und Analogien zum jetzigen Ukraine-Krieg

ralfkannenberg

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Hallo zusammen,

aufgrund dieses Beitrages im Thread Gedanken betreffend der Eskalationen im Ukraine-Krieg habe ich mir den zugehörigen Wikipedia-Artikel etwas genauer angeschaut und muss leider feststellen, dass es zahlreiche Parallelen zum jetzigen Ukraine-Krieg gibt. Zumindest mir entsteht der Eindruck, dass die Russische Föderation und ganz konkret Wladimir Putin immer wieder dieselben "Methoden" der Gewalt verwendet:


Was meint Ihr dazu ?


Freundliche Grüsse, Ralf
 

ralfkannenberg

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Hallo zusammen,

ich hole mal ein paar Zitate aus dem Wikipedia-Artikel heraus, bitte ohne Anspruch auf Vollständigkeit und jederzeit gerne mit Ergänzungen von Euch:

Nach dem Rückzug Russlands und Georgiens verblieb Südossetien für lange Zeit in einem Status der De-facto-Unabhängigkeit.

2000 wurde Putin Präsident. Ab 2002 verteilte Russland Pässe an Einwohner Abchasiens und Südossetiens.

Der Europarat nannte das südossetische Referendum „ungerecht, unnötig und nicht hilfreich“, während das russische Außenministerium erklärte, man hätte es mit einer „freien Meinungsäußerung des Volkes“ von Südossetien zu tun, die durch „demokratische Prozeduren“ zustande gekommen sei.

Am 22. Januar 2006, während der Heizperiode, unterbrachen zwei Explosionen die Erdgas-Pipeline aus Nord-Ossetien nach Tiflis; zur gleichen Zeit kam es in derselben Gegend durch Sabotage an Elektrizitätsleitungen auch zu Stromausfällen in Georgien. Am 27. September 2006 verhaftete Georgien vier russische GRU-Offiziere und elf georgische Staatsangehörige wegen Spionageverdachts.[23] Am Tag darauf berief Russland seinen Botschafter Wjatscheslaw Kowalenko und weitere Mitarbeiter aus Tiflis zurück. Präsident Putin bezeichnete die Verhaftung als Geiselnahme und Staatsterrorismus.

Am 2. Oktober übergab Georgien die russischen Geheimdienstler an die OSZE; sie reisten noch am selben Tag nach Moskau. Tags darauf brach Moskau alle Bahn-, Luft- und Postverbindungen nach Georgien ab; EU und USA plädierten vergeblich gegen diese Maßnahmen.

Während es seit Jahren die teilweise bewaffneten Unabhängigkeitsbewegungen in Tschetschenien, Inguschetien und Dagestan ablehnt, unterstützte es schon früh die Sezessionisten in Südossetien und Abchasien finanziell, militärisch und personell, wenn auch eine formelle Anerkennung als unabhängige Staaten mit Blick auf die eigenen Minderheiten zunächst vermieden wurde. Russland bot den Südosseten kostenlose medizinische Versorgung und Schulbildung, die Einwohner konnten zudem russische Mobilfunknetze benutzen.

Die Vergabe von Staatsbürgerschaften in umstrittenen Gebieten durch einen der Konfliktpartner gilt als völkerrechtlich umstritten. Im Weiteren wies Russland von September 2006 bis Januar 2007 mindestens 4600 Georgier menschenrechtswidrig aus Russland aus.

Die Vereinigten Staaten sehen Georgien und Aserbaidschan, die beide zur Koalition der Willigen gehörten, als einen wichtigen Brückenkopf in der bis nach Zentralasien und Iran angrenzenden Region. In den letzten Jahren ließen die Vereinigten Staaten Georgien moderne Militärausrüstung zukommen und investierten in die Ausbildung georgischer Soldaten. Im Zeitraum von 2003 bis 2008 hatte Georgien zudem seinen Verteidigungsetat von 18 auf 900 Millionen Dollar gesteigert.

Russland sieht im amerikanischen Engagement in Georgien den Versuch, eine unipolare Welt unter der Führung der USA aufzubauen.

Im Frühjahr 2008 verdichteten sich diese Hinweise. Eine der schon Jahre andauernden Vorbereitungen war die Vergabe von russischen Staatsbürgerschaften an Abchasier und Ossetier.

Am 21. März beschloss die russische Duma, Abchasien und Südossetien als eigenständige Staaten anzuerkennen.

Schon vor der internationalen Anerkennung des Kosovo im Februar 2008 hatte Russland angekündigt, nach einem solchen Schritt würden auch Südossetien und Abchasien ihre Unabhängigkeit erklären. Die EU erklärte dagegen ihre Unterstützung für die territoriale Integrität Georgiens und betonte den Einzelfallcharakter des Kosovo.

Im Mai 2008 schickte Russland Eisenbahntruppen, angeblich zur Erneuerung der Schienenwege, nach Abchasien. Diese Truppen waren keine zugelassenen Friedenstruppen. Georgien nahm dies zum Anlass, seine Streitkräfte in erhöhte Gefechtsbereitschaft zu versetzen.[39] Später wurden die Schienenwege verwendet, um 9000 russische Soldaten in das Land zu transportieren.

Am 9. Juli drang die russische Luftwaffe mehrfach in den georgischen Luftraum ein, gemäß russischer Erklärung, „um die Heißsporne in Tiflis abzukühlen“. Mehr als eine „Missbilligung“ durch Javier Solana als Hoher Vertreter für die Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik der EU konnte Georgien trotz diplomatischer Anstrengungen in diesem Fall nicht erreichen;

die Jamestown Foundation hatte über mehrere Jahre festgestellt, dass Scharmützel in Georgien während der Ferien der EU-Offiziellen im August stattfanden.

Am 27. Juli 2008 wurden OSZE-Beobachter durch südossetische Truppen gehindert, Berichte über Stellungsbau nahe Chorbauli zu überprüfen.

Am 31. Juli wurden sechs georgische Polizisten bei einem Bombenanschlag in Eredwi an der ossetischen Grenze verletzt. Hier führt die Straße von Georgien in den von Tiflis kontrollierten Teil Südossetiens.[28] Tags darauf begannen Einheiten der südossetischen Regierung von Eduard Kokoity, unter Missachtung des Waffenstillstandsabkommens von 1992, georgische Dörfer zu beschießen.

Beide Seiten beschuldigten sich gegenseitig, die Kämpfe begonnen zu haben. Außerdem meldete die Regierung Kokoity die Ankunft von 300 Kämpfern aus Nordossetien, die die eigenen Milizen unterstützen wollten.

Vorwürfe Georgiens, russische Friedenstruppen hätten die Südosseten in den Kämpfen in den Vortagen unterstützt, wurden von Moskau zurückgewiesen. Die russische Nachrichtenagentur Interfax meldete, dass russische Luftlandetruppen zu einem Einsatz in Südossetien bereitstünden. Südossetische Regierungsvertreter verweigerten ein georgisches Verhandlungsgesuch. Nach Angaben des Premierministers Gurgenidse anlässlich der Pressekonferenz vom 14. August hätten die russischen Medien am 3. August eine massive Propagandakampagne gestartet, welche in einem „selbst bei sowjetischen Maßstäben erstaunlichen“ Maß die eigene Bevölkerung „bombardierte“.

Am 5. August 2008 teilte der südossetische Gesandte, Dmitri Medojew, in Moskau mit, dass russische Freiwillige, überwiegend aus Nordossetien, bereits Südossetien erreicht hätten. Russische Regionen im Nordkaukasus und Vertreter der Kosaken hätten ihre Bereitschaft bekundet, Südossetien zu unterstützen. Ebenfalls am 5. August trafen elf Panzerhaubitzen 2S1 aus Russland im Gebiet ein. Am 6. August waren alle Büros und Läden in Zchinwali geschlossen; die Evakuierung der Bevölkerung wurde eiligst durchgeführt, während zusätzliche Freischärler und russische Journalisten eintrafen: 50 anwesende russische Journalisten wandten sich am 8. August an internationale Institutionen.

Da die Südosseten nicht erschienen, sprach er mit dem Kommandanten der Friedenstruppen, Marat Kulachmetow. Dieser gab zu, dass die südossetischen Freischärler den Beschuss aus den Stellungen der Friedenstruppen hinaus betrieben, die Friedenstruppen also als Schutzschilde benutzt würden. Iakobaschwili musste Kulachmetows Aussagen so interpretieren, wonach jener vermutlich die Kontrolle über die Freischärler verloren hätte, oder aber, dass diese von „höherer Stelle“ befohlen würden.

Aufgrund dieser Informationen verkündete der georgische Präsident in einer Fernsehansprache gegen 19:10 Uhr Ortszeit die sofortige Bereitschaft seiner Regierung für einen einseitigen Waffenstillstand, Friedensgespräche jeder Art, für eine vollständige Autonomie Südossetiens und eine Generalamnestie. Er kündigte zudem eine einseitige Waffenruhe für die georgischen Streitkräfte in Südossetien an.

Am selben späten Abend wurden georgische Regierungs-Internetseiten Opfer von Cyber-Attacken, die bis zum 13. August andauerten. Die Regierung gab bekannt, sie sehe sich gezwungen, „angemessene Maßnahmen“ zu ergreifen. Auch der amerikanische Sicherheitsexperte Richard Clarke berichtete von Cyber-Angriffen gegen Georgien, die mit dem Vorrücken russischer Truppen koordiniert waren.

Von der südossetischen und russischen Seite wurde argumentiert, dass Saakaschwili den einseitigen Waffenstillstand nur ausrief, um den Gegner in Sicherheit zu wiegen. Die ossetische Seite beschoss nach georgischen Angaben jedoch selbst überwiegend von Georgiern bewohnte Dörfer, nachdem sie deren ossetische Zivilisten evakuiert hatte.

und so weiter, und so fort ...

Die Autoren des Wikipedia-Artikels haben sich wirklich Mühe gegeben, das alles aufzulisten, mit zahlreichen Quellenangaben; es wird nicht möglich sein, dies alles abzustreiten. Und ich vermute, dass die prorussische Seite - nachdem vollendete Tatsachen geschaffen worden waren - das auch gar nicht abstreiten will.


Freundliche Grüsse, Ralf
 

ralfkannenberg

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Vielleicht aber auch deshalb, weil Russland in Abchasien und Südossetien Fakten schuf, die für weitere ähnlich gelagerte Fälle abschreckend gewirkt haben. Was Georgien 2008 betrifft, hatte Saakaschwili auch einen erheblichen Anteil an der Eskalation dieses Konflikts mit Russland.

Hallo zusammen,

auch hier gibt es noch eine offene Frage, was es mit den in Abchasien und Südossetien geschaffenen Fakten auf sich hat (Völkerrecht ?), insbesondere auch, ob das mit dem angeblich erheblichen Anteil Saakaschwilis an der Eskalation dieses Konflikts mit Russland zutreffend ist.

Der Wikipedia-Artikel zu diesem Thema zeichnet ein anderes Bild.


Freundliche Grüsse, Ralf
 

ralfkannenberg

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Hallo zusammen,


Im Wikipedia-Artikel findet sich weiter unten ein bemerkenswerter Absatz:

Als 2009 der von der Europäischen Union in Auftrag gegebenen Untersuchungsbericht zum Kaukasuskrieg 2008 veröffentlicht wurde, wurden in ihm die meisten georgischen Behauptungen widerlegt. Dies führte zu einem Imageverlust der georgischen Regierung. Der Spiegel sprach davon, dass der einstige Hoffnungsträger Saakaschwili nun öffentlich als „Lügner und Brandstifter“ dastehe. Die AG Friedensforschung der Universität Kassel schrieb auf ihrer Website, Georgien sei als Aggressor festgestellt worden.
Das passt weder richtig zu dem was vorher noch was hinterher im Wikipedia-Artikel steht und schient wesentlich von einem Artikel von Uwe Klußmann von "Der Spiegel" sowie einem (leider von meinem PC nicht einsehbaren) Artikel der AG Friedensforschung übernommen worden zu sein.



Beide beziehen sich auf die Schweizer Diplomatin Heidi Tagliavini, und über diesen Suchbegriff konnte ich 3 Reports finden:


Allerdings sind die 3 Reporte sehr umfangreich und ergeben zumindest beim sehr raschen Überfliegen kein klares Bild über den Schuldigen, über "Lügner und Brandstifter" oder dass "Georgien sei als Aggressor festgestellt worden" sei, sondern vielmehr eine Vielzahl von Auflistungen der Provokationen, die vorgängig getätigt worden sind.

Die Empfehlung am Ende des 1.Reports lautet:

There is little hope, however, for a peaceful future in the conflict region unless the two main contenders, Russia and Georgia, make bilateral efforts themselves to solve their disputes. This needs to be done now.

Der Abschluss des 2.Reports fällt noch viel ernüchternder aus, da Russland die EU Behörden keinen freien Zugang in Südossetien und in Abchasien gestattete:

Additionally, Russian checkpoints remained in some areas like the Akhalgori district in the eastern part of South Ossetia, which had been administered by Georgia before the August 2008 armed conflict. Thus Russia did not follow the call to pull back its troops to the pre-war level.

Moreover the Kremlin’s recognition of the independence of Abkhazia and South Ossetia on the basis of the Kosovo precedent formula has an impact on international conflict resolution efforts. The newly-created Monitoring Mission in Georgia (EUMM) defined its area of action as “throughout Georgia” or “the whole of Georgia”, but did not obtain free access to South Ossetia and Abkhazia. It soon became clear that Russia and its protégés in Sukhumi and Tskhinvali did not grant access to international observers to both regions. This limitation had serious consequences for a mission like the EUMM. Without access to both regions it could not fulfil its task to monitor the post-war stabilisation process in Georgia and the implementation of the ceasefire accords. Limited in this way in its area of action to the “adjacent regions” around Abkhazia and South Ossetia, the EUMM would be contributing to the safeguarding of de facto borders not recognised by Europe and the rest of the world, with the exception of Russia and Nicaragua. Thus the post-war stabilisation process in Georgia was based on a rather uncertain foundation.

Dem 3.Report konnte ich auf die Schnelle keinerlei für den Moment relevante Informationen entnehmen. Alle 3 Reports zusammen umfassen mehr als 1000 Seiten.


Das ganze also primär zur Info, falls jemand Quellenarbeit leisten möchte.


Freundliche Grüsse, Ralf
 
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ralfkannenberg

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Und tatsächlich blieb der Kosowo bis heute ein Einzelfall
Vielleicht aber auch deshalb, weil Russland in Abchasien und Südossetien Fakten schuf, die für weitere ähnlich gelagerte Fälle abschreckend gewirkt haben.
Hallo Monod,

auch hierzu habe ich noch eine Frage:

der Kosovo hatte ja auch seine Vorgeschichte, wie fast immer im Jugoslawienkrieg konnte es niemand allen recht machen und die kosovarische Bevölkerung wurde Opfer massiver serbischer Angriffe - eine Arbeitskollegin von mir hat diese Angriffe in ihrer Kindheit hautnah miterleben müssen.

Und selbst wenn - was ich bezweifele - seitens Russland tatsächlich die Befürchtung bestand, dass sich ein Fall "Kosovo" entgegen der Aussage des US-Präsidenten wiederholen würde, so hat es sich gezeigt, dass sich ein solcher Fall nicht wiederholt hat.

Ganz im Gegensatz zum Fall "Abchasien" und zum Fall "Südossetien", d.h. diese russische Methodik hat sich nun schon mehrfach wiederholt.

Meine heutige Frage zielt auf etwas anderes ab: Du schreibst, dass Russland in Abchasien und Südossetien Fakten schuf. Verstehe ich das richtig, dass das nicht irgendwelche geheimnisvollen separatistische Kombattanden waren, sondern Mitglieder der russischen Armee ?

Und wenn ja: warum nahm sich Russland das Recht heraus (natürlich auch wieder völkerechtswidrig), mit seiner Armee in Abchasien und Südossetien Fakten zu schaffen ?


Freundliche Grüsse, Ralf
 
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