Laut Bohr kann die Quantenmechanik nur mit den Begriffen der klassischen Mechanik formuliert werden. Aber die Quantentheorie sollte ja die klassische Mechanik ersetzen und nur als Spezialfall enthalten. Wir müssen von geeigneten (Quanten-)Begriffen ausgehen, die den Mikrokosmos beschreiben, sonst landen wir bei "transzendenter" Physik.
Ja.
Bohr schien zu glauben, dass wegen der Kleinheit der Atome uns solche Begriffe für immer verschlossen bleiben müssen.
Ja, das glaube er. Ok, jeder ist frei darin, seine Naturphilosphie zu wählen bzw. zu entwickeln.
Schlimmer ist, dass die Kopenhagener relativ lange intensiv dafür gesorgt haben, dass niemand ihr Dogma in Frage stellt.
Die klassische Welt ist eine Welt von Objekten, die wir uns aus viel kleineren Objekten (Elementarteilchen) zusammengesetzt denken. Aber ein Elektron ist kein "Objekt", jedenfalls keines, dem wir zu jedem Zeitpunkt einen Ort zuschreiben können.
Zustimmung.
Die Quantentheorie sollte klar sagen, was Gegenstand der Theorie ist, was die Theorie eigentlich beschreibt. "Quantenfelder" ist ja nur ein Wort, und eine Synthese von Teilchen- und Wellenkonzept steht noch aus.
Der
mathematische Gegenstand sind Operatoren und Hilbertraumzustände, der
empirische Gegenstand Messergebnisse, Detektorsignale etc. sowie deren Wahrscheinlichkeiten.
Manche meinen, eine solche Synthese sei sowieso unmöglich und der Welle-Teichen-Dualismus überholt.
Ich sehe keine Notwendigkeit einer weiteren Synthese – wenn man sich abgewöhnt, krampfhaft in klassischen Analogien zu denken.
Aber wenn gesagt wird, dass ein Quantenobjekt an zwei Orten gleichzeitig sein kann, betont man den Feldcharakter, und wenn es um seine Lokalisierung (Erzeugung oder Detektion) geht, spricht man von "Anregungen" des Feldes. Der Dualismus ist also immer noch da.
Das Quantenobjekt ist streng genommen nicht an zwei Orten gleichzeitig; bzw. wir wissen es nicht. Gewisse
mathematische Objekte haben an zwei oder mehr Orten gleichzeitig nicht-verschwindende Werte.
Die Lokalisierung erfolgt dagegen im
phänomenologischene Sinne, im Zuge der Messung.
Kein einzelnes Quantenobjekt zeigt sich phänomenologisch jemals delokalisiert oder wird als Welle gemessen, sondern immer lokalisiert.
Deswegen – weil Mathematik und Phänomenologie in einen Begriff gezwungen werden, ist dieser Begriff des "Welle-Teichen-Dualismus" letztlich ein nutzloser Kategoriefehler.
Die Interpretation der Quantentheorie fokussiert sich fast immer auf die Wellenfunktion.
Weil nur sie sowie die Operatoren Gegenstand des fundamentalen Formalismus sind.
Und diese Wellenfunktion wird oft mit dem zu beschreibenden "Quantenobjekt" identifiziert.
Sagen wir, die Wellenfunktion ist die mathematische Repräsentation des Quantenobjektes, so wie ein Ortsvektor die Repräsentation eines klassischen Teilchens ist.
Dabei ist Quantentheorie mehr als die zeitabhängige Schrödinger-Gleichung.
Was denn noch?
Es ist mir ein Rätsel, warum so viele Physiker an eine kontinuierliche und deterministische Entwicklung nach der Schrödinger-Gleichung glauben, während das Sprunghafte und Zufällige doch zum "Markenkern" der Quantenphysik gehören.
Es hat noch niemand irgendwo einen dieser Sprünge beobachtet.
Das Zufällige ist tatsächlich etwas, was im Rahmen von Interpretation zu klären ist, und darum kümmern sie sich ja auch.
Unitäre Entwicklung kann nicht alles sein …
Warum?
… und oft wird "Messung" für das Sprunghafte und Zufällige verantwortlich gemacht.
Zumindest zeigt sich im Zuge der Messung eine starke und zufällig erscheinende Lokalisierung, insbs. isolierte und lokalisierte Detektorereignisse.
Das Nebeneinander von zwei verschiedenen Prozessen ist unbefriedigend. Bei der Beschreibung der Kernreaktionen im Inneren der Sonne ist seltsam, dass dabei "Messprozesse" eine Rolle spielen sollen. Dass eine mikroskopische Theorie ohne den Begriff der Messung formuliert werden sollte, hat auch John Bell gefordert.
Zustimmung.
Die mikroskopische Theorie sollte die makroskopische als einen gewissen Grenzfall enthalten, ebenso die Messung als einen Spezialfall eines quantenmechanischen Prozesses.
Das sind also die Reibungspunkte, die nach meiner Meinung eine "natürliche" Interpretation der Quantentheorie beseitigen müsste.
Zustimmung.
Aus einem anderen Beitrag:
Auf den kleinsten (atomaren) Skalen herrscht der "objektive Zufall" …
Das wissen wir nicht. Wir beschreiben diese Ebene mit einer deterministischen Gleichung, und wir beobachten diese Ebene nicht.
… und auf großen findet man dann Turbulenz ("scheinbarer Zufall").
Ja.
Die TI behauptet letztlich, dass auch auf der mikroskopischen Ebene subjektiver Zufall aufgrund von Unkenntnis vorliegt – letztlich wie in der Newtonschen Mechanik.
Ich sage nicht, dass die TI sicher recht hat. Aber es ist eine hochinteressante Idee, bei der noch niemand nachweisen konnte, dass sie falsch ist. Deswegen
Ich glaube, bei der Problemstellung sind wir sehr nahe beieinander!