Hallo Mondlicht,
der etwas kompliziertere Teil bei der eigenen Meinungsbildung ist das Lernen über ziemlich lange Zeiträume, um solche Beiträge wie hier von der Tagesschau wirklich zu verstehen - sprich die Zwischentöne zu erfassen, hinter die Kulissen zu schauen und raus zu bekommen, was nicht gesagt wurde. Dazu braucht es ein Modell des betrachteten Systems. Da gibt es kein einheitliches Modell. Eigentlich hat jeder, der versucht diese Nachrichten zu verstehen und zu interpretieren, sein eigenes Modell. Klingt alles etwas verworren und ist im Detail schwer zu erklären.
Ich habe damit begonnen, zu versuchen, die Welt zu verstehen, als ich 11 Jahre alt war. Anlaß war die Kubakrise und dort hatten viele Menschen große Angst vor einem neuen großen Krieg und vor allen vor einem Atomkrieg. Es gab Hamsterkäufe etc.
Mit 11 Jahren versteht man nur wenig und man findet auch niemanden, der einem das warum und wie erklären kann und der überhaupt sagen kann, welche Fragen man stellen soll und an wen oder woher man die Antworten bekommt. Das lernt man mit den Jahren, wenn man sich immer wieder und wieder mit diesen Fragen beschäftigt. Man lernt auch die Enttäuschungen zu bewältigen, wenn man falsch abgebogen ist und früher oder später merkt, dass man auf dem Holzweg ist. Irrtum gehört dort ständig dazu wie auch immer wieder vieles Nachdenken.
Grundfrage ist und bleibt für mich immer wieder:
Warum?
Weitere wichtige Frage ist:
Wozu oder
wem hilft (nutzt)
das wozu?
Oder was will der oder die
damit erreichen?
Ich habe mir angewöhnt - aus gutem Grunde - nach und nach soviel wie möglich und verkraftbar ist - mit dem eigenen Kopf zu denken. Ich lese, höre und sehe natürlich die Nachrichten. Ich versuche unterschiedliche Quellen zu lesen und am Ende mit dem tatsächlichen Geschehen zu vergleichen und dann zu bewerten, um mir mein eigenes Bild von etwas zu machen und das ist dann auch meine eigene Meinung. Eine vollständige Unabhängigkeit von seiner Umwelt erreicht man damit nicht. Ich komme auch nicht immer zu den richtigen Schlußfolgerungen. Aber ich kann mir ein Bild machen, womit ich vieles bewerten und einordnen kann und auch darauß schlußfolgern kann, was mich wahrscheinlich in Zukunft erwartet.
Damit habe ich meine Meinung. Die anderer ist sehr oft ganz anders. Das ist aber kein generelles Problem - denn auch das hat seine Ursachen.
In Praxi ist es so, dass ich die Ergebnisse meiner Überlegungen kundtue. Nicht oder wenig, wie ich dazu gekommen bin. Nicht unbedingt alles. Mehr den Teil, der zu einer Frage oder einem Problem passend ist. Man muss auch niemals alles kundtun.
Wichtig ist auch, einigermaßen Klarheit zu haben, was der Gesprächspartner verstehen kann. Klingt jetzt überheblich, doch ist ein Erfahrungswert. Wenn ich merke, dass ich für jemanden "Chinesisch" rede, dann korrigiere ich das bei mir, verkürze das Gespräch oder breche komplett ab. Zuvor versuche ich natürlich einen gemeinsamen "Gesprächskanal" zu finden.
Soweit die trockene Theorie. Ich habe das nie studiert. Sind einfach viele Erfahrungen, über viele Jahrzehnte gesammelt. Ich wende das auch ohne tiefgreifende Überlegungen im Moment des Antwortens an. Ich spreche ja auch nicht, indem ich jedes Wort vorher irgendwo nachschlage.
Ich hoffe, ich konnte mich etwas zu meiner Denkweise verständlich machen. Ist aber überhaupt keine Katastrophe, wenn es nicht oder nur wenig verstanden wird. Ich wollte damit nur zeigen, dass ich versuche, durchdachte und begründete Dinge zu schreiben oder zu sagen.
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Zu Deinen letzten Beiträgen und den ARD-Meinungen kann ich kurz und knapp sagen: Zur Kenntnis nehmen, versuchen zu verstehen, warum die handelnden Personenn das eine oder andere sagen könnten. Was also ihre Interessen sind, was sie mit ihren Aussagen erreichen wollen oder wo sie bestimmte Dinge sagen müssen. Wen das nur wenig oder gar nicht gelingt, gelassen bleiben. Halt immer wieder mal versuchen, so die taglichen Dinge zu bewerten, die auf uns alle einströmen. Möglichst kritisch bewerten.
Es wird immer wieder Dinge geben, wo man es nicht schafft, die vollständig zu bewerten. Man hat einfach zu wenig Informationen und kommt auch heute und morgen da nicht ran. Dann gibt es auch Dinge, wo man abwarten muss, wie sie sich in Zukunft entwickeln. Daher meine lustige Randbemerung zum Thema Prognosen. Kaffeesatzleserei erlebe ich nahezu jeden Tag genug. Mich interessieren am Ende Fakten. Die gibt es nicht immer sofort. Da kann Geduld angesagt sein. Aber anders kommt man zu keinem Ergebnis.
In Zukunft kommen meine Antworten wieder ohne diesen ganzen Überbau - versprochen.
Gruß, Astrofreund