Wie soll ich denn vorgehen?
Hallo Sebastian,
idealerweise zuerst eine akademische Ausbildung absolvieren, wenigstens bis zum Vordiplom oder heutzutage Bachelor. Allerdings haben nicht alle Menschen die Möglichkeit, das zu tun - sei es mangels Abitur, oder mangels Geld oder auch ganz banal mangels Zeit.
Den Punkt "mangelnde Intelligenz" klammere ich bewusst aus, denn ich habe viele Studenten gesehen, bei denen das zuzutreffen schien, aber diese haben sich dann als geduldige und seriöse Arbeiter entpuppt und in der Regel auch - völlig zurecht ! - einen Abschluss mit guter Note erreicht.
Dann Deine Ideen sammeln und aufschreiben - das ist zweifelsohne gut richtig. Aber dann kommt eine Phase der sehr kritischen Selbstreflexion, ehe man dann die selbst-korrigierten Ideen einem näheren Bekanntenkreis anvertraut. Das kann durchaus ein Forum wie dieses oder Mahag oder früher AllTopic sein.
Da bekommt man dann meistens schon ziemlich viel Feedback. Dieses Feedback sollte man ernst nehmen und sich dann überlegen, ob man seine Ideen noch korrigieren und weiterverfolgen kann oder ob man sie - wie ich das getan habe - sie wieder verwirft.
Bei Dir vermisse ich insgesamt die kritische Selbstreflexion. Selbstverständlich sollst Du Deine Ideen zunächst verteidigen, d.h. Du sollst Dich
nicht überreden lassen, Deine Ideen zu verwerfen, sondern Du sollst Dich
überzeugen lassen. Also
ergebnisoffen bleiben. Es ist nämlich keine Schande, einen Irrtum einzugestehen, wobei Du das gelegentlich in der Vergangenheit ja auch getan hast. Darin hast Du Dich von den "Cranks" sehr angenehm abgegrenzt.
Bei Dir kommt - zumindest ich habe das so erlebt - noch etwas anderes hinzu, nämlich eine ungenaue Terminologie: nehmen wir das jüngste Beispiel der Längenkontraktion; diejenige der SRT, welche ja üblicherweise verwendet wird, ist "symmetrisch" zur Zeitdilatation der SRT. Wer das nicht bemerkt steckt sehr viel Zeit in Deine Thesen hinein und merkt dann nach etlichen Stunden, dass Du etwas ganz anderes gemeint hast, das aber nicht geschrieben hast.
Dann hast Du die Erwartungshaltung, andere möchten unbedingt die Arbeit für Dich machen. Dem ist nicht so; kommt hinzu, dass Du Deine eigene Theorie besser kennst als diejenigen, die sich Deine Theorie anschauen bzw. versuchen, das zu tun.
Des Weiteren änderst Du manchmal Deine Ideen von einem Moment auf den anderen ab und dann kann man als Leser Deiner Thesen wieder von vorn anfangen. Das ist auch nicht ideal.
Diese spontane Auflistung von mir erhebt jetzt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit, aber das ist so in etwa, was ich bei Dir erlebt habe. Ebenfalls wenig überzeugend ist der Vorwurf, den auch Du gelegentlich vorbringst, nämlich dass eine Idee nicht kommuniziert werden dürfte, weil man sich damit seine akademische Karriere kaputt macht. Damit kannst Du zwar bei Laien punkten, aber richtig wird ein solcher Vorwurf dadurch nicht. Denn eine solche Situation ist die Chance für ein junges akademisches Talent, eine neue Physik zu entdecken.
Freundliche Grüsse, Ralf