Dunkle Energie durch Paarvernichtung?

mac

Registriertes Mitglied
Hallo komet,

Im Grunde wurde die Energie aus der Paarvernichtung, wie ich vermutete, tatsächlich als Lageenergie an die Expansion abgegeben, geht eigentlich auch nicht anders.
ich kann's nicht wirklich einschätzen. Was meiner Meinung nach nicht dazu passt, ist die Aussage, daß es ganz grob 10 mal mehr Baryonen geben müßte, damit die Expansion zum Stillstand/Umkehrung kommt. Die Energie dafür wäre ja dann allemal da gewesen, und umgekehrt, wenn die (zunächst kinetische) Energie 1E9 mal höher war, als die Masse, dann wäre die Frage, ob sie ausreichend für Fluchtgeschwindigkeit ist, doch nie eine ernsthafte Debatte wert gewesen? Wie es sich mit der Gravitation beim Wechsel von potentieller in kinetische Energie und umgekehrt verhält, ist mir auch nicht so wirklich klar.

Herzliche Grüße

MAC
 
Zuletzt bearbeitet:

Orbit

Registriertes Mitglied
Da soll noch vor der Baryogenese Energie aus der Paarvernichtung als 'Lageenergie' abgezweigt worden sein, die sich dann einige Milliarden Jahre später als DE bemerkbar machen wird; denn die normale Expansion braucht diese DE nicht. Die ist Bestandteil des Raumzeitkonzeptes der ART. Die DE wird nur für die beschleunigte Expansion gebraucht, und die hat vor etwa 7 Milliarden Jahren eingesetzt - wenn überhaupt. Als potentielle Energie der Lage konnte also diese Energie damals gar nicht gespeichert werden, weil sie noch gar nicht für eine beschleunigte Expansion gebraucht wurde. Nebenbei gesagt, glaube ich persönlich auch nicht, dass es da etwas gab, das hätte Lageenergie speichern können - stabile, quasi punktförmige Teilchen nämlich. Auch diese Teilchen und Antiteilchen, die sich - wie Du es Dir vorstellst, mac - immer und immer wieder bildeten, anihilierten und wieder bildeten, sind ein denkbar ungünstiges Szenario zur Speicherung von Lageenergie.

Und plötzlich soll nun diese mühsam als Lageenergie abgezweigte DE die Hintergrundstrahlung sein!
Die Hintergrundstrahlung besteht also zum überwiegenden Teil noch aus diesen Photonen der Paarvernichtung.
Eben genau dieser Photonenüberschuss ergibt sich (soweit ich herausfinden konnte) aus den Daten der Hintergrundstrahlung.
Entweder verstehe ich Dich komplett falsch, Wolfgang, oder Du hast da ein paar Dinge gründlich missverstanden.
Orbit
 

komet007

Registriertes Mitglied
Entweder verstehe ich Dich komplett falsch, Wolfgang, oder Du hast da ein paar Dinge gründlich missverstanden.

Hallo Orbit

10^-5 s nach dem Urknall soll die Baryogenese aus Strahlungsenergie lt. Modell stattgefunden haben, da das Universum aufgrund der Expansion soweit abgekühlt war, dass Materie/Antimaterie miteinander annihilieren konnten. Dabei fand die Vernichtungsschlacht zwischen Materie und Antimaterie statt, die mit einem Anteil von 1/1E9 zugunsten der Materie endete. (Es fanden soch weitere Annihilationsprozesse, z.B. e+/e- Vernichtung statt, die ich dabei mal aussen vor lasse).
Als die Annihilation abgeschlossen war, blieb zum überwiegenden Teil reine Strahlungsenergie übrig, die wir heute als Hintergrundstrahlung beobachten und augrund der Expansion auf 3K abgekühlt ist.

Die Energie dafür wäre ja dann allemal da gewesen, und umgekehrt, wenn die (zunächst kinetische) Energie 1E9 mal höher war, als die Masse, dann wäre die Frage, ob sie ausreichend für Fluchtgeschwindigkeit ist, doch nie eine ernsthafte Debatte wert gewesen? Wie es sich mit der Gravitation beim Wechsel von potentieller in kinetische Energie und umgekehrt verhält, ist mir auch nicht so wirklich klar.

Hallo Mac

Vergiss das mit der kinetischen Energie, die benötigt das Urknallmodell überhaupt nicht.
Soweit ich das Modell verstehe, kann dieses Paradoxon nur mit der Annahme gelöst werden, dass Vakuumenergie zu gleichen Teilen, wie Strahlung, entstanden ist. Da das Raumvolumen damals wesendlich kleiner war, war die Expansion auch entsprechend beschleunigt. Nach einer bestimmten Ausdehnung verlangsamte diese Expansion und beschleunigt heute wieder.

Gruß allerseits
 

Orbit

Registriertes Mitglied
komet007
Was Du mir jetzt antwortest, sehe ich im Grossen Ganzen auch so, wenn ich es aus Sicht des Standardmodells betrachte. Die Gleichung 'Hintergrundstrahlung = DE', die als Frage über Deinem Thread steht, vermeidest Du jetzt. Aber im letzten Beitrag kam sie nicht nur als Frage daher, sondern als Behauptung, und diese Behauptung ist m.E. eben falsch. Dir das zu erklären war der Inhalt meines letzten Beitrages, auf den Du nun mit Deiner Antwort eigentlich gar nicht mehr eingehst.
Ich frage mich an dieser Stelle, ob das nun diplomatische Taktik ist, mit der ein Fehler entsorgt werden soll, ohne ihn eingestehen zu müssen oder ob Dir dieser Fehler in Deinen Überlegungen gar nicht bewusst ist. Falls er Dir bewusst wäre, müsstest Du nämlich jetzt einsehen, dass Deine Threadfrage 'DE durch Paarvernichtung?' bereits jetzt mit 'Nein' beantwortet werden kann.
Mir wäre es recht, wenn wir das mal festhalten könnten; denn dann könnten wir uns auf die eigentliche Frage konzentrieren, welche nun aufgetaucht ist, nämlich auf die Frage, wie man sich das Verhältnis zwischen Materie und Antimaterie erklären könnte; denn die ist mit Deinem Satz
Dabei fand die Vernichtungsschlacht zwischen Materie und Antimaterie statt, die mit einem Anteil von 1/1E9 zugunsten der Materie endete
keinesfalls geklärt, und ich warte gespannt auf die Antwort von Andreas Müller.

Gruss Orbit
 

komet007

Registriertes Mitglied
Falls er Dir bewusst wäre, müsstest Du nämlich jetzt einsehen, dass Deine Threadfrage 'DE durch Paarvernichtung?' bereits jetzt mit 'Nein' beantwortet werden kann.

Aus Sicht des Standardmodells, ja. Das wollte ich hier auch nie zur Diskussion stellen. Ich beziehe mich immer noch unverändert mit dem Titel des Threads auf die Brantheorie und ob man den Prozess "Virtuelle Teilchen/Reale Teilchen" auf den Urknall anwenden kann, wie es Fahr/Heyl tun.

Mir wäre es recht, wenn wir das mal festhalten könnten; denn dann könnten wir uns auf die eigentliche Frage konzentrieren, welche nun aufgetaucht ist, nämlich auf die Frage, wie man sich das Verhältnis zwischen Materie und Antimaterie erklären könnte; denn die ist mit Deinem Satz
keinesfalls geklärt, und ich warte gespannt auf die Antwort von Andreas Müller.

Das ist eine neue Frage, die sich im Laufe des Threads ergab, welche sicherlich essentiell für das Modell ist.

Das mit der übriggebliebenen Strahlung durch Annihilation Materie/Antimaterie wird im Standardmodell soweit erklärt.
Dabei ergeben sich für Mac das Problem der Expansion, die ohne Vakuumenergie nicht stattgefunden haben müsste und für mich, dass die Asymmetrie im Universum überall gleich ablaufen hätte müssen, damit wir kein Horizontproblem bekommen.
Das Standardmodell hat dazu zwar die Inflation mit einem neuen Teilchen - das Inflaton - eingeführt. Wenn allerdings die Paarvernichtung nach der Inflation stattfand, so ist es mehr als unwahrscheinlich, dass überall im Universum die Materie zu gleichen Teilen entstand.

Gruß
 

ins#1

Registriertes Mitglied
Schade dass das Thema im Sande verlief, hab' heute durch Zufall einen Beitrag in meinem Lieblings-Blog Cosmic Variance gefunden der euch interessieren könnte: Lorentz invariance and you
Mal durchlesen und -klicken ;)

*edit on*
es ist frustrierend dass nicht zuletzt ganz aktuell ein crank-thread im "Gegen den Mainstream" Bereich in 4 Wochen mehr posts erhält, als im ganzen Rest des Forums zusammengenommen [...]
*edit off*
Gruß
ins#1
 
Zuletzt bearbeitet:

Orbit

Registriertes Mitglied
Na, ja, tönt ziemlich abenteuerlich. Was hältst Du davon? Prof. Sean Carroll ist ja auch Laie in Kosmologie wie wir. Von Hause aus ist er Mikrobiologe.
Vor allem aber möchte ich wissen, welchen Zusammenhang Du zwischen diesem Statement und unserer Diskussion hier siehst.
Orbit
 

ins#1

Registriertes Mitglied
@Orbit: du scheinst Sean B. Carroll zu meinen und nicht den Blogger Sean Carroll / Homepage
Die untere Hälfte des Posts und insbesondere das verlinkte PDF von

cv schrieb:
Mark (who is one of the world’s experts) will tell you.

dürfte mac durchaus interessieren. Da wird genau das Problem behandelt, was er zu haben scheint. Da ich mich bisher weder damit auseinandergesetzt habe, noch ein Problem darin sehe, kann ich leider nichts zum Thema beitragen.

Gruß
ins#1
 

komet007

Registriertes Mitglied
*edit on*
es ist frustrierend dass nicht zuletzt ganz aktuell ein crank-thread im "Gegen den Mainstream" Bereich in 4 Wochen mehr posts erhält, als im ganzen Rest des Forums zusammengenommen [...]


Hallo ins

ist dir das auch schon aufgefallen? :D
Das geht hier schon seit der lieben Lopez so. Es ist eben immer einfacher sich über irgendeinen Mist Gedanken zu machen, als sich mit einem Thema ernsthaft zu befassen.

Gruß
 

komet007

Registriertes Mitglied
dürfte mac durchaus interessieren. Da wird genau das Problem behandelt, was er zu haben scheint. Da ich mich bisher weder damit auseinandergesetzt habe, noch ein Problem darin sehe, kann ich leider nichts zum Thema beitragen.

Hallo Ins

im Grunde steht der Gute mit dem gleichen Problem da wie wir mittlerweil in diesem Thread.
Wie er im letzten Abschnitt schreibt, sollen wir unsere Existenz einem Umstand verdanken, der nur zum Zeitpunkt des Urknalls gegolten haben soll und heute nicht mehr zutrifft. Dabei muss das Urknallmodell ein physikalisches Gesetz aushebeln, damit es überhaupt funktioniert und eine ganze Menge Zusatzannahmen treffen wie: Symmetriebrüche, schwerere Antibosonen, Inflaton-Teilchen und eine Überlichtschnelle Ausdehnung.
Allerdings bin ich nun genauso schlau wie vorher. ;)

Gruß
 

Orbit

Registriertes Mitglied
komet 007
Wie er im letzten Abschnitt schreibt, sollen wir unsere Existenz einem Umstand verdanken, der nur zum Zeitpunkt des Urknalls gegolten haben soll und heute nicht mehr zutrifft.
Das ist doch selbstverständlich - auch nach dem Urknallmodell: Die Grundkräfte haben sich eben nach und nach im Rahmen von Symmetriebrüchen oder Phasenübergängen abgespalten.
Dabei muss das Urknallmodell ein physikalisches Gesetz aushebeln, damit es überhaupt funktioniert
Meinst Du die Überlichtgeschwindigkeit im Zusammenhang mit der Guth-Inflation?
Die ist aber auch selbstverständlich, und wir rechnen ja auch heute noch damit, wenn wir von Bereichen ausserhalb des entsprechendn Horizontes reden. Sie ergibt sich aus der nach RT physikalisch irrelevanten Position eines ausserhalb stehenden Beobachters.
und eine ganze Menge Zusatzannahmen treffen wie: Symmetriebrüche, schwerere Antibosonen, Inflaton-Teilchen
Wie schon gesagt: Symmetriebrüche gehören nicht in diese Aufzählung.
Was meinst Du mit 'schwereren Antibosonen'?
Beim Inflaton sind wir beide uns einig, so viel ich weiss. ;-)

Herzliche Grüsse
Orbit
 

komet007

Registriertes Mitglied
Meinst Du die Überlichtgeschwindigkeit im Zusammenhang mit der Guth-Inflation?

Die Guth Inflation ist eine Erfindung, ohne die das Urknallmodell nicht laufen würde.

Wie schon gesagt: Symmetriebrüche gehören nicht in diese Aufzählung.
Was meinst Du mit 'schwereren Antibosonen'?
Beim Inflaton sind wir beide uns einig, so viel ich weiss. ;-)

Ich beziehe mich dabei auf diesen Abschnitt:

If the vector interacts with baryons in a certain way (not so hard to arrange, really), it can make antibaryons be just a bit heavier than baryons.
That means that the baryons can be more abundant, even in equilibrium, and this slight asymmetry can persist to this day — and provide the particles out of which we are all made.

Das Inflaton ist wieder ein Zusatzteilchen, das man benötigt, damit die Inflation läuft.
Anschließend benötigt man noch Dunkle Energie, damit die Expansion läuft. Dann benötigt man eine Asymmetrie, damit Materie entsteht.
Eine ganze Menge Zusatzannahmen die das Urknallmodell erfordert, findest du nicht?

Das letzte Zitat fällt dann auch, entsprechend seiner Überschrift, etwas zynisch aus:

I don’t know if the models we looked at will ultimately be judged to be very promising or not — like I said, I’m not the world’s expert.
But it’s fun to imagine that we owe our very existence to a tiny violation of a cherished symmetry of our natural world.
Quellenangabe
 

jonas

Registriertes Mitglied
komet007 schrieb:
Ich beziehe mich dabei auf diesen Abschnitt:
If the vector interacts with baryons in a certain way (not so hard to arrange, really), it can make antibaryons be just a bit heavier than baryons.
That means that the baryons can be more abundant, even in equilibrium, and this slight asymmetry can persist to this day — and provide the particles out of which we are all made.
Interessanter Aspekt. Nur, selbst wenn Teilchen und entsprechendes Antiteilchen unterschiedliche Massen hätten, so ist der Schritt dahin, dass das Teilchen mit geringerer Masse auch im gleichgewichtigen Zustand "überleben" sollte, mir unklar.
 

Orbit

Registriertes Mitglied
Hallo komet007
Irgendwie kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass wir immer häufiger aneinander vorbei reden.
Ich versuche Dir beispielsweise zu erklären, warum ich die im Zusammenhang mit der Inflationstheorie immer wieder beschworene Überlichtgeschwindigkeit nichts Aussergewöhnliches finde, weil die ja wie die Hubble-Geschwindigkeit pro Distanzmeter gerechnet wird. Dass dabei ja gar nicht mehr die Dimension einer Geschwindigkeit rauskommt sondern s^-1, sei hier auch einmal erwähnt. Vielleicht kann dies dazu beitragen, dass man den Begriff Expansionsgeschwindigkeit vielleicht etwas vorsichtiger handhabt.
Also, das will ich Dir erklären, Du gehst aber darauf gar nicht ein, sondern antwortest, indem Du mir erklärst, dass die Guth-Inflation ein nicht aus dem Urknallmodell weg zu denkendes Element sei.

Dann zitierst Du in einem einzigen Zitat einen Einwand von mir, eine Frage und eine Vermutung und antwortest mit einem Zitat aus dem zur Diskussion stehenden Artikel.
Die darin von Sean Carroll erwähnte Asymmetrie der Massen von Teilchen und Antiteilchen hat aber mit dem Begriff 'Symmetriebruch' in meinem Beitrag, den ich dort als Synonym für 'Phasenübergang' verwende, gar nichts zu tun. Meine Frage, was Du unter 'schwereren Antibosonen' verstehest, wird zwar beantwortet, dass Du die aber in Deinem vorangehenden Beitrag unter anderen als Zusatzannahmen des Standardmodells aufgelistet hattest, obwohl es sich lediglich um eine Annahme Carrolls handelt, die im Standardmodell überhaupt nicht gemacht wird, und dass das der eigentliche Grund meiner Frage war, das scheint Dir überhaupt nicht aufzufallen.
Kannst Du Dir vorstellen, dass ich wegen diesen verschlungenen Zusammenhängen zwischen meinen Beiträgen und Deinen Antworten letztere immer häufiger durchlesen muss, bis ich überhaupt eine Ahnung habe, was Du mir da nun wie beantwortet hast und was nicht?

Orbit
 

komet007

Registriertes Mitglied
Guten Morgen Orbit

ich habe im letzten Beitrag wohl Carrols und meine Ansichten etwas wild durcheinander gemischt. Die Annahme, dass es zu einem Ungleichgewicht zwischen Baryonen und Antibaryonen kam, führen manche Wissenschaftler wohl auf unterschiedliche Massen der Teilchen zurück. Was ich selbst auch etwas merkwürdig finde, da dadurch mehr Baryonen als Antibaryonen entstehen sollen, was letztendlich zum Ungleichgewicht führt.
Ich wollte damit zum Ausdruck bringen, dass es sich hierbei womöglich wieder um eine Zusatzannahme handelt, die das Urknallmodell erfordert.

Ich versuche Dir beispielsweise zu erklären, warum ich die im Zusammenhang mit der Inflationstheorie immer wieder beschworene Überlichtgeschwindigkeit nichts Aussergewöhnliches finde, weil die ja wie die Hubble-Geschwindigkeit pro Distanzmeter gerechnet wird. Dass dabei ja gar nicht mehr die Dimension einer Geschwindigkeit rauskommt sondern s^-1, sei hier auch einmal erwähnt.

Vielleicht kann dies dazu beitragen, dass man den Begriff Expansionsgeschwindigkeit vielleicht etwas vorsichtiger handhabt.
Also, das will ich Dir erklären, Du gehst aber darauf gar nicht ein, sondern antwortest, indem Du mir erklärst, dass die Guth-Inflation ein nicht aus dem Urknallmodell weg zu denkendes Element sei.

Natürlich ist die Inflation eine sehr elegante Lösung um zu erklären, wie es zu einem homogenen Universum kam. Dass diese Theorie nicht mit der Überlichtgeschwindigkeit bricht, sondern die Ausdehnung darauf zurückführt, dass sich das Universum von kleinen zu großen Skalen superluminal ausgedehnt hat, ist eine weitere Zusatzannahme.
Wie so etwas allerdings funktionieren soll, und wie die Inflation überhaupt wieder zum Stillstand kommt, kann bisher nicht plausibel erklärt werden.
Jedenfalls erfordert diese Theorie wieder eine Menge Zusatzannahmen wie beispielsweise das Inflaton oder bestimmte Felder, die diese enormen Energien erzeugen, worauf es allerdings experimentell keinerlei Hinweise gibt.

Dann zitierst Du in einem einzigen Zitat einen Einwand von mir, eine Frage und eine Vermutung und antwortest mit einem Zitat aus dem zur Diskussion stehenden Artikel.
Die darin von Sean Carroll erwähnte Asymmetrie der Massen von Teilchen und Antiteilchen hat aber mit dem Begriff 'Symmetriebruch' in meinem Beitrag, den ich dort als Synonym für 'Phasenübergang' verwende, gar nichts zu tun.

Stimmt!

Meine Frage, was Du unter 'schwereren Antibosonen' verstehest, wird zwar beantwortet, dass Du die aber in Deinem vorangehenden Beitrag unter anderen als Zusatzannahmen des Standardmodells aufgelistet hattest, obwohl es sich lediglich um eine Annahme Carrolls handelt, die im Standardmodell überhaupt nicht gemacht wird, und dass das der eigentliche Grund meiner Frage war, das scheint Dir überhaupt nicht aufzufallen.

Ich wollte lediglich alle Zusatzannahmen auflisten, die das Urknallmodell mittlerweile benötigt um zu funktionieren. Die Sache mit den schwereren Antibaryonen war mir selbst neu.

Kannst Du Dir vorstellen, dass ich wegen diesen verschlungenen Zusammenhängen zwischen meinen Beiträgen und Deinen Antworten letztere immer häufiger durchlesen muss, bis ich überhaupt eine Ahnung habe, was Du mir da nun wie beantwortet hast und was nicht?

Ich werde mir für meine Antworte wieder etwas mehr Zeit nehmen, versprochen. ;)

Gruß
 

Orbit

Registriertes Mitglied
Hallo komet007
Danke für Deine Antwort! Ich habe nun das Gefühl, dass wir beide schon fast wieder auf gesichertem Diskussionsgrund stehen. Fast, weil es mir in diesem Punkt
ich habe im letzten Beitrag wohl Carrols und meine Ansichten etwas wild durcheinander gemischt.
ähnlich geht wie Dir. Das Vermischen von Modellvorstellungen ist ein Grundübel in solchen Diskussionen, und auch ich bin davor nicht gefeit. So habe ich erst jetzt realisiert, dass ich, wenn ich vom Standardmodell spreche, nicht dasselbe meine wie jene, die am Anfang eine RT-Singularität sehen, die sich im Kraftakt der Guth-Inflation in beschreibbare Physik wandelt.
Mir leuchten Vorstellungen aus den Quantentheorien der Gravitation - vor allem jene der Loop-Quantengravitation - besser ein.
Allerdings kann ich auch über die kaum mehr objektiv sprechen, weil sie sich inzwischen so mit meinen eigenen Vorstellungen veremischt haben, dass es mir schwer fällt, Eigenes und Übernommenes auseinander zu halten. Der kleinste gemeinsame Nenner besteht etwa aus den Annahmen
- dass es am Anfang keine RT-Singularität gebe
- dass bereits der Anfangszustand eine gewisse Ausdehnung habe und
- dass es deshalb auch keine Guth-Inflation brauche

Singulär ist allerdings auch meine Vorstellung. Ich würde aber von einer QT-Singularität sprechen:
Ein Zustand, in dem Raum in Form einer endlichen Anzahl Raumquanten von der Grösse des Planck-Volumens und potentielle Energie in Form einer endlichen Anzahl Planckteilchen existiert.
'Existiert' ist bereits falsch, weil dies ein Zeitwort ist, und Zeitwörter ergeben nur im Kontext mit einer existierenden Zeit, einer Dauer einen Sinn. Der singuläre Anfangs-Zustand, den ich meine, ist zeitlos. Der Begriff der Raumzeit aus der ART ist auf diesen Zustand nicht anwendbar und somit kann es auch keine weiteren Zustände mit noch höherer Dichte geben, letztlich auch keine Punkt-Singularität.

Herzliche Grüsse
Orbit
 

mac

Registriertes Mitglied
Hallo,

heute hat mir Andreas Müller geantwortet.




Dr. Andreas Müller schrieb:
ich danke Ihnen herzlich für die anerkennenden Worte für mein Lexikon.



Bitte entschuldigen Sie meine verspätete Antworte auf Ihre Frage. Sie lautet:



Die Photonen aus der Rekombinationsära, ca. 400.000 Jahre nach dem Urknall, überlebten zu einem großen Teil bis heute und befinden sich in der kosmischen Hintergrundstrahlung. Pro Kubikzentimeter gibt es ca. 412 Hintergrundphotonen. Diese Photonen wurden aufgrund der starken kosmologischen Rotverschiebung infolge der kosmischen Expansion von dem Gamma- in den Mikrowellenbereich verschoben. Natürlich gilt die Energieerhaltung.



Ihre Aussage, dass „5% der vorhandenen Energie in den Baryonen“ stecke, ist nicht ganz korrekt bzw. präzise, weil nicht klar ist, auch welches Volumen die Energie bezogen wird. Der dimensionslose Dichteparameter Omega beträgt für baryonische Materie in der jetzigen Epoche etwa 5%. Wir reden hier allerdings von Energiedichten. Je nach Energieform (Materie, Strahlung, Dunkle Energie etc.), gibt es eine unterschiedliche Abhängigkeit der Energieform vom Skalenparameter a der Kosmologie. Das sieht man am besten an der Friedmann-Gleichung, die die Dynamik des Universums in Abhängigkeit von den darin enthaltenen Energieformen beschreibt (letztendlich ist es die umformulierte Einstein-Gleichung der ART).



Anhand dieser Gleichung wird klar, dass die Strahlungsdichte viel schneller mit der Expansion des Universums ausdünnt (rho_radiation geht mit a in der Potenz -4; rho_matter dagegen mit -3). Geht man zurück bis zum Urknall, muss es demnach eine Phase gegeben haben, in der die Energiedichte der Photonen bedeutsam war. Diese Epoche heißt strahlungsdominierter Kosmos. In dieser frühen Epoche war die Energiedichte der Strahlung gegenüber der von Materie nicht vernachlässigbar.



Ihr alternativer (zugegeben etwas vager) Erklärungsansatz ist daher nicht notwendig.



Beste Grüße,

Andreas Müller

Herzlichen Dank auch von hier

MAC
 

Orbit

Registriertes Mitglied
mac
Herzlichen Glückwunsch zur Antwort. Ich weiss, was es bedeutet, wenn man Wochen lang auf sowas wartet. Ich warte nämlich schon viel länger auf eine Antwort von ...

Könntest Du nochmals zu Deinem von A. Müller erwähnten Erklärungsansatz verlinken? Besten Dank.
Orbit
 

mac

Registriertes Mitglied
Hallo Orbit,

mac
Herzlichen Glückwunsch zur Antwort. Ich weiss, was es bedeutet, wenn man Wochen lang auf sowas wartet. Ich warte nämlich schon viel länger auf eine Antwort von ...
Danke! :) Dein Warten hat jetzt aber nichts mit mir zu tun, oder?


Könntest Du nochmals zu Deinem von A. Müller erwähnten Erklärungsansatz verlinken? Besten Dank.
hier bin ich mir nicht sicher, ob ich Dich richtig verstehe. In diesem Thread, vor Post 59 ?

Herzliche Grüße

MAC
 
Oben