Die Idee ist witzig, aber führt ins Leere:
Das DA in der 'Gott-Version' existiert seit 1993 (X = 25 Jahre). Seine wahrscheinliche Lebensdauer...
Das Problem liegt in der Annahme, das DA habe eine begrenzte Lebensdauer, womit es offensichtlich falsch wäre. Dinge, die man mit dem DA betrachten will, müssen eine begrenzte Lebensdauer haben. Ist das DA korrekt, hat es eine unbegrenzte Lebensdauer, wie etwa der Satz des Pythagoras. Ist es jedoch nicht korrekt, dauert es eine endliche Zeit, bis man dies merkt, es hat also eine begrenzte Lebensdauer, doch da es nicht korrekt ist, macht eine Wiederlegung des DA durch das DA nicht besonders viel Sinn.
Um es mit deiner gern bemühten Lottosituation zu beschreiben: Wenn ich heute im Lotto gewinne, was wird meine a posteriori Aussage sein?
Wenn ich annehme, dass ich typisch bin (was vernünftigerweise alle tun), dann würde ich die Gewinnchancen a posteriori recht gross einschätzen. Ich würde mich irren. Je stärker ich mich aber irren würde (je kleiner die Gewinnchancen aber in Wirklichkeit sind), desto grösser ist der Anteil jener, die sich nicht irren.
@Ich:
Du musst das strenger formulieren: das DA anzuwenden ist nur dann sinnvoll, wenn wirklich gar keine weiteren Informationen über das künftige Geschehen vorhanden sind.
Das ist auch der Fall - oder bist du Hellseher? Es spielt keine Rolle, ob wir seit kurzem die Möglichkeit haben, uns selbst zu zerstören, oder ob wir diese Möglichkeit schon seit langem haben, weil die Methode, nach der die Menschheit am Ende ausstirbt, egal ist.
Ich möchte nochmals etwas zu UMas Besucherbeispiel sagen. Wie man in seinem Beispiel gut sehen kann, hängt die Frage, ob die Besucher anhand des DA mehrheitlich zu einer korrekten Voraussage über die verbleibende Existenzzeit der Sehenswürdigkeit S kommt, anscheinend davon ab, wie sich die Besucher über die Existenzzeit von S verteilen. Kommen alle am Anfang, wird die Existenzzeit von S unterschätzt, kommen alle am Ende, wird sie überschätzt. Insofern könnte man nun vermuten, dass man das DA nicht auf S anwenden kann, so lange man keine Korrektur für die Besucherverteilung verwendet.
Tatsächlich kommt das Problem aber daher, dass man mal wieder Äpfel (Besucher) mit Birnen (Existenzzeiten) vermischt. Das DA sagt nicht, dass die Mehrheit der
Besucher mit dem DA, angewandt auf die Existenzzeit von S richtig liegt, sondern es sagt, dass
man bei einer täglichen DA-Durchführung auf S in 95% der Tage zum korrekten Ergebnis gekommen wäre. Will man aber die Besucher das DA durchführen lassen, kann man das nur auf die künftige Anzahl der Besucher anwenden: das heisst, ein Besucher könnte aufgrund seiner Eintrittsticket-Nummer sagen, in welchem Bereich sich die wirkliche Anzahl künftiger Besucher noch bewegen wird, und wird damit in 95% der Fälle Recht behalten. Wenn die Besucherzahl also exponentiell steigt, würde er rein qualitativ damit schon richtig liegen und schätzen, dass die künftige Anzahl Besucher nicht sehr viel grösser als bisher sein kann und die Existenzzeit von S gerade deshalb eben recht kurz angesetzt werden müsste, weil die Obergrenze der Besucher, die gerade noch kommen dürfen, damit die eigene Beobachtung nicht extrem wird, bei exponentiellem Wachstum der Besucheranzahl recht schnell erreicht sein wird!
Was heisst das, angewandt auf die Menschheit? Hätte an jedem Tag, an dem ein Mensch existiert hat, jemand auf einer Steintafel der Bereich der künftigen Existenzzeit der Menschheit gemäss DA notiert, dann würden zu dem Zeitpunkt, an dem die Menschheit ausstirbt, 95% der Steintafeln richtig liegen. Diese Aussage ist mathematisch gesehen einwandfrei. Es spielt keine Rolle, ob diese Steintafeln nun tatsächlich angefertigt wurden oder nicht (deshalb spielt die Verteilung tatsächlicher DA-Anwender auch keine Rolle). Eine imaginäre Steintafel, die am heutigen Tag geschrieben würde, enthielte also mit 95% Sicherheit den korrekten Bereich der künftigen Existenzzeit. Es ist also korrekt, zu sagen, dass die Menschheit am heutigen Tag mit 95% Sicherheit noch zwischen X/39 und 39X Jahre übrig hat, wenn X ihre bisherige Existenzzeit in Jahren ist.
Umgekehrt kann jeder Mensch selber das DA für sich durchführen, mit seiner Geburtsnummer (entspricht der Eintrittsticketnummer oben). Wenn vor mir schon Y Menschen geboren wurden, dann werden nach mir mit 95% noch zwischen Y/39 und 39Y Menschen geboren.
UMa hat diese beiden Festellungen "trivial" genannt, und sie sind es auch, mathematisch gesehen. Zum eigentlichen
Doomsday-Argument wird das ganze eigentlich nur aus der Feststellung, dass die Obergrenze 39Y recht bald erreicht sein wird, wenn die Menschheit so weitermacht wie bisher mit der Vermehrung (auch bei einer angenommenen Stabilisierung der Bevölkerung auf 10 Mrd). Das heisst, FALLS unsere eigene Position typisch (95%) ist, können nach uns nicht mehr als 39Y Menschen geboren werden. Anderseits, wenn wir wirklich typisch sind, dann lebt die Menschheit noch mindestens X/39 Jahre weiter, und das deutet eben für mich darauf hin, dass der "Doomsday" nicht unmittelbar vor der Tür steht.
(Meine persönliche, optimistische Interpretation (unter der Annahme, dass wir sowohl bezüglich X als auch bezüglich Y typisch sind) würde etwa dahin führen, dass die Menschheit noch einige 10000-100000 Jahre lang existieren wird, aber die Zahl der Geburten schon recht bald stark zurück geht und die Menschen dafür einfach sehr viel länger leben. Die pessimistische Interpretation wäre ein globaler Zivilisationskollaps in den nächsten Jahrzehnten und ein ein Verbleib auf niedrigem Bevölkerungsniveau für die nächsten paar 100000 Jahre.)