Update vom 27.04.2026 – 18:40 Uhr:
Die Raketenphysik ist ein geduldiges Geschäft! SpaceX musste den Start heute bei
T-minus 23 Sekunden wegen des Wetters abbrechen. Die 27 Triebwerke blieben stumm.
Neuer Termin: Morgen, Dienstag (28.04.), zur fast gleichen Zeit.
Besonders spannend für die Technik-Nerds hier: SpaceX hat bestätigt, dass wir morgen eine
Weltpremiere sehen. Die simultane Landung erfolgt nicht wie gewohnt auf LZ-1/2, sondern auf
LZ-2 und dem brandneuen LZ-40. Einer der Booster ist zudem ein echter Methusalem und bestreitet morgen seinen
22. Flug!
Die beiden Seitenbooster trennen sich dazu früh genug ab, um mit ihren Reserven die spektakuläre
Doppel-Landung auf LZ-2 und LZ-40 zu absolvieren.
Warum bei dieser Mission die Zentralstufe geopfert wird...
Viele fragen sich morgen bestimmt, warum SpaceX eine so gewaltige Raketenstufe im Atlantik versenkt, statt sie wie üblich auf einem Drohnenschiff zu landen. Die Antwort liegt in der reinen Physik der Mission. Um die
6,6 Tonnen des ViaSat-3 Satelliten in einen hochelliptischen Geostationären Transferorbit (GTO) zu bringen, wird jede Sekunde Schubkraft benötigt.
Für eine Landung der Zentralstufe müsste diese enorme Mengen Treibstoff für den Rückflug und das Abbremsen (Entry- und Landing-Burn) einplanen. Da dieses Gewicht aber für den Weg nach oben fehlt, fliegt die Falcon Heavy im
„Expendable Mode“. Das heißt: Maximale Power für die Fracht, Verzicht auf die Bergung der Mitte.
Der Flugplan in Zahlen: Telemetrie & Zeitplan
Hier sieht man deutlich, welche gewaltigen Geschwindigkeiten erreicht werden müssen, damit der Satellit später seinen Zielpunkt in ca. 35.786 km Höhe erreicht:
| Zeit nach Start (T+) | Ereignis | Höhe (ca.) | Geschwindigkeit (ca.) |
| 00:01:09 | Max Q (Max. Druckbelastung) | 13 km | 1.600 km/h |
| 00:02:25 | Trennung der Seitenbooster | 70 km | 9.000 km/h |
| 00:03:54 | Trennung der Zentralstufe (MECO) | 150 km | 18.000 km/h |
| 00:27:33 | Zweites Abschalten (SECO-2) | 250 km | 35.000+ km/h |
| 04:57:31 | Aussetzen des Satelliten | — | GTO-Einschuss |
Fokus: Belastung während Max Q
Ein kritischer Punkt für jede Simulation ist
Max Q (Moment der maximalen aerodynamischen Belastung). Bei etwa T+ 01:09 Minuten erreicht die Rakete in rund 13 km Höhe den Punkt, an dem der mechanische Druck der Atmosphäre auf die Struktur am stärksten ist.
Da die Falcon Heavy mit ihren drei Boostern eine enorme Angriffsfläche bietet, müssen die Triebwerke kurzzeitig gedrosselt werden, um die strukturelle Integrität nicht zu gefährden. Wer eigene Simulationen durchführt, sollte genau hier auf die Stabilitätswerte achten – ein Fehler bei der Berechnung des dynamischen Drucks in dieser Phase ist meist fatal.
Warum Max Q schon bei 1600km/h (etwa Mach 1.3)? Die Rakete erreicht später ja über 35.000 km/h. Die Antwort liegt im Zusammenspiel von Geschwindigkeit und Luftdichte.
Warum Max Q so "langsam" eintritt
Der aerodynamische Druck (q) berechnet sich nach der Formel:
Dabei ist
(Rho) die Luftdichte und v die Geschwindigkeit.
- In Bodennähe: Die Luftdichte (
) ist sehr hoch, aber die Geschwindigkeit (v) der Rakete ist noch gering. Der Druck ist also niedrig.
- Im Weltraum Die Geschwindigkeit (v) ist extrem hoch (über 20.000 km/h), aber es gibt keine Luft mehr (
rund 0). Der Druck ist also null.
- Bei Max Q (ca. 13 km Höhe): Hier trifft das "schlimmste" Szenario zusammen. Die Rakete ist bereits schneller als der Schall, befindet sich aber noch in den dichteren Schichten der Atmosphäre.
Würde die Rakete in dieser geringen Höhe bereits 5.000 km/h fliegen, würde sie durch den gigantischen Luftwiderstand einfach zerbrechen oder verglühen. Deshalb drosselt SpaceX die Triebwerke bei T+ 01:00 min sogar kurzzeitig ab (
"Throttle down"), um die mechanische Belastung unter dem Limit zu halten, und gibt erst danach – wenn die Luft dünner wird – wieder Vollgas.
Das Ziel: Der Geostationäre Transferorbit (GTO)
Die Rakete gibt dem Satelliten im erdnahen Bereich (Perigäum) so viel Schwung mit, dass dieser durch seine reine Trägheit bis auf die Zielhöhe von fast
36.000 km "hochschwingt". Erst dort übernimmt der Satellit mit seinem eigenen Antrieb, um die Bahn zu kreisförmig zu stabilisieren.
Für die astronomische Einordnung der heutigen Mission hier die genauen Zielparameter:
- Zielorbit (GTO): Der Satellit wird in einem hochelliptischen Geostationären Transferorbit ausgesetzt. Das Apogäum liegt bei ca. 35.786 km.
- Umlaufzeit im GEO: Nach Erreichen der kreisförmigen Bahn beträgt die Umlaufzeit exakt einen siderischen Tag (23h 56m 04s). Dies entspricht der Zeit einer vollen 360°-Rotation der Erde relativ zum Fixsternhintergrund.
- Bahncharakteristik: Nur durch diese exakte Synchronisation mit der Erdrotation verbleibt der Satellit für einen Beobachter am Boden stationär auf seiner Position über dem Äquator.
Die finale Phase der Falcon Heavy
Um diese Präzision zu erreichen, führt die Oberstufe nach einer mehrstündigen Freiflugphase (Coast Phase: Da gleitet die Oberstufe antriebslos bis zum Äquator, um dort mit einer letzten, kurzen Zündung (SES-3) die Bahn perfekt zu korrigieren, bevor sie den Satelliten bei T+ 04:57:31 freigibt) eine
dritte Zündung (SES-3) durch. Erst dieser finale "Burn" im Bereich des Äquators hebt das Perigäum an und minimiert die Bahnneigung (Inklination), um den Satelliten so nah wie möglich an seinen endgültigen Arbeitsplatz zu bringen.
Drücken wir die Daumen, dass der Wettergott morgen mitspielt.