Naja, ich schlage vor, wir kommen mal wieder auf das eigentliche Thema zurück. Wenn jemand über alte, weiße Männer sprechen möchte, dann kann er ja einen eigenen Thread aufmachen. Ich erzähle dann gern, wie toll das Leben mit 76 ist.
Zum eigentlichen Thema: Ich betrachte es als Glücksfall, dass ich Sigmund Jähn noch persönlich - vor allen in MRRK - kennen lernen konnte. Ein alter, weißer Mann der viel geleistet und erreicht hat, aber immer sehr bescheiden in seinem Leben auftrat.
"Wenn er etwas sagt, dann hat man das Gefühl, das Herz spricht mit. Das sind mir die liebsten Leute."
Johann-Dietrich Wörner, ehemaliger Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation ESA 2015 bis 2021, über Sigmund Jähn
Ich kann versichern, das Jähn bei weitem nicht alles gefallen hatte, wozu er benutzt wurde. Aber er hat vermittelt und unterstützt, dass viele deutsche Astronauten - die meisten durfte ich ebenfalls in MRRK erleben - im Sternenstädtchen bei Moskau ausgebildet und für einen Flug mit russ. Sojusraumschiffen zur ISS vorbereitet wurden. Als keine US-Trägermittel zur Verfügung standen, sind deutsche, amerikanische und andere Astronauten mit russ. Raketen und Raumschiffen von Baikonur zur ISS geflogen.
In einigen Jahren wird ein deutscher Astronaut (Gerst oder Maurer) als erster Europäer den Mond betreten. Gerst und Jähn waren sehr eng miteinander befreundet. Da hat Gerst einen wesentlichen Beitrag dran und es wäre im Sinne einer friedlicheren Welt sehr angebracht, wenn das gute Miteinander von Astronauten und Kosmonauten weiter bestehen würde und Taikonauten einbezogen würden. Am Ende könnnte sich die gesamte Welt ein Beispiel daran nehmen und den derzeitigen, unverzeihlichen, gefährlichen und unverantwortlichen Unsinn beenden.
Nochmals einige Jahrzehnte zurück. Der deutsche Astronaut Ulf Merbold hat Sigmund Jähn zu einem Rundflug in einer kleinen Maschine (Privatjet/Kleinflugzeug) eingeladen. Dies ereignete sich am Rande eines International Astronautical Federation (IAF)-Kongresses in Innsbruck, als die beiden trotz der Trennung durch den Eisernen Vorhang gemeinsam über Tirol und Bayern flogen.
- Der Vorfall: Merbold und Jähn kannten sich von internationalen Kongressen und trafen sich in Innsbruck.
- Der Flug: Merbold schlug Jähn spontan einen Rundflug vor. Obwohl Jähn als DDR-Bürger zunächst zögerte, willigte er ein.
- Historischer Kontext: Der Flug fand vor den strengen Sicherheitsbestimmungen des 11. Septembers statt.
Ulf Merbold war der erste westdeutsche Astronaut, während Sigmund Jähn der erste deutsche Kosmonaut der DDR war. Merbold hat nach 1990 Jähn beim Neustart geholfen. Derart hahnebüchener Unsinn, wie hier z. Teil diskutiert wird, hat ihr Wirken zum Glück nicht beeinflusst.