das ist wirklich interessant. Mir war nicht bewusst, dass diese Entdeckungen "fast noch gestern" stattgefunden haben.
Die
werde ich mir in Ruhe durchlesen.
Danke für die Info!
Hallo Antaris,
da wir hier in einem Astronomie-Forum sind erlaube ich mir doch einen kleinen Exkurs, der neben astronomischen Begebenheiten auch mein persönliches Leben in Teilen der Astronomie sowie psychologische Komponenten beschreibt.
Als Kind haben mich neben den bemannten Mondflügen vor allem Kometen ("ach Du Schreck, der Kohoutek" sowie der Halley'sche Komet 12 Jahre später), die Sternbilder (mussten aussen vor bleiben, weil mir die niemand erklärt hat; erst als ich 16 Jahre alt war, fand ich jemanden, der sie mir beigebracht hat - diese Person war alles andere als kompetent und ich sehe sie, wenn ich in einen Spiegel schaue ...), dann Planeten und Monde unseres Sonnensystems sowie Planetoiden am meisten interessiert. Das war also teilweise eher Theorie, aber auch (einfache) Beobachtungen. Wobei es betreffend Planetoiden fast nicht möglich war, überhaupt an Informationen zu gelangen, da fand man eigentlich nur die vier erstentdeckten sowie einige erdnahe Planetoiden, auch wenn mir damals die Entdeckung des Zentauren Chiron nicht entgangen ist; allerdings konnte ich diesen nicht einordnen, und die Rolle dieses Planetoiden ebenso wie die Rolle des damals noch Planeten Pluto als Kuipergürtel-Objekte war (nicht nur mir) damals noch mangels weiterer Entdeckungen weitgehend unbekannt.
Eines meiner Interessensgebiete waren also die Monde unseres Sonnensystems und mein "Beitrag" als Kind bestand im Wesentlichen darin, sie auswendig zu lernen, und zwar ihren Mutterplaneten, ihre Namen, ihre Grösse und die Reihenfolge des Abstandes von ihrem Mutterplaneten.
Schon während meines Lebens gab es da zahlreiche Neuentdeckungen, wobei ich im verlinkten Thread nicht erst bei meiner eigenen Geburt anfange, sondern schon früher bei der Entdeckung der ersten vom Erdmond verschiedenen Monde unseres Sonnensystems, also den vier grossen galileischen Jupitermonden, und dabei auch
alle Mond-Entdeckungen berücksichtige, also nicht nur diejenigen der irregulären Monde.
Waren in meiner Kindheit die irregulären Monde noch die totale Ausnahme, so sind von den heute bekannten Monde die überwältigende Mehrheit solche irreguläre Monde.
Wenn man also in der Presse liest, dass ein oder mehrere neue Monde entdeckt wurden, so waren das in den vergangenen Jahren
ausnahmslos irreguläre Monde.
Ganz grob kann man die Monde unseres Sonnensystems in 3 Gruppen einteilen:
- die regulären Monde
- die regulären Kleinmonde
- die irregulären Monde
Was ist ein "regulärer" bzw. ein "irregulärer" Mond ? Nun, ein regulärer Mond ist ein Mond, der eine "reguläre" Umlaufbahn hat.
Und was ist eine reguläre Umlaufbahn ? Eine reguläre Umlaufbahn ist eine "kalte" Umlaufbahn, "kalt" im Sinne von "nicht-angeregt". Ganz konkret heisst das, dass die Exzentrizität nahezu 0 ist, d.h. nahezu kreisförmig,
und die Bahnneigung gegen die Äquatorebene des Mutterplaneten ebenfalls nahezu 0° ist.
Die Monde der ersten Gruppe sind typischerweise gross und haben aufgrund ihrer Entstehungsgeschichte reguläre Umlaufbahnen, da man annimmt, dass sie aus den Überresten der Materie, aus der sich der Mutterplanet gebildet hat, entstanden sind, eigentlich ähnlich wie auch die Planeten um die Sonne. Die ersten entdeckten regulären Monde unseres Sonnensystems waren die vier grossen galileischen Jupitermonde Io, Europa, Ganymed und Kallisto. Unser Mond ist übrigens kein regulärer Mond, weil seine Umlaufbahn keineswegs in der Äquatorialebene der Erde, sondern ausgerechnet in der Ekliptik verläuft, d.h. der Erdmond ist genau genommen ein "Planet" und man nimmt ja auch an, dass er aufgrund der Kollision der noch jungen Erde mit einem Proto-Planeten auf einer ähnlichen Umlaufbahn entstanden ist.
Bei den regulären Kleinmonden und den irregulären Monden indes handelt es sich um eingefangene Planetoiden; diese haben angeregte ("heisse") Umlaufbahnen. Wenn sie aber ihre Umlaufbahn in grosser Nähe zu ihrem Mutterplaneten, der sie eingefangen hat, haben, so werden ihre Umlaufbahnen aufgrund der Gezeitenkräfte "kalt" gemacht, also regulär. Die irregulären Monde sind aber zu weit von ihrem Mutterplaneten, der sie eingefangen hat, entfernt, so dass sie nach wie vor "angeregte" Umlaufbahnen, d.h. mit grossen Bahnneigungen und grosser Elliptizität ("Exzentrizität") haben.
Der erst-entdeckte reguläre Kleinmond ist der 5.Jupitermond Amathea (genau genommen sind die beiden früher entdeckten Marsmonde Phobos und Deimos ebenfalls reguläre Kleinmonde), der erst-entdeckte irreguläre Mond unseres Sonnensystems ist der Saturnmond Phoebe wenige Jahre später.
In meiner frühen Kindheit habe ich also die Monde unseres Sonnensystems auswendig gelernt - so viele kannte man damals ja noch nicht, und ich habe ihren Mutterplaneten, ihre Namen, ihre Grösse und die Reihenfolge des Abstandes von ihrem Mutterplaneten gelernt. Irgendwie erschien mir diese "Ordnung" der Abstände der Monde von ihrem Mutterplaneten wichtig zu sein.
Und schon damals hatte ich ein grosses Problem, denn ich konnte mir diese kleinen Jupitermonde ab der Nummer 6 einfach nicht merken. Ein weiteres Problem trat dann auf, als ich erwachsen wurde, denn ich erinnerte mich an andere Namen dieser Monde als man sie heute findet. Heute weiss ich, dass das alles irreguläre Jupitermonde sind, und diese treten in Gruppen auf, d.h. die Mitglieder jeder Gruppe irregulärer (Jupiter-)Monde haben in etwa denselben Abstand vom Jupiter. Diese Gruppenbildung war mir damals unbekannt, wobei das damals noch sehr einfach gewesen wäre, denn damals kannte man erst 2 Gruppen solcher irregulärer Jupitermonde, d.h. ich hätte sie einfach anhand des Abstandes ihrer Gruppe und dann anhand ihrer Grösse sortieren und mir so merken können.
Ein anderes Problem waren ihre Namen: anfangs wurden die irregulären Jupitermonde nach den Geschwistern des Zeus benannt, schliesslich nahm man noch nähere Verwandte dazu, doch bald hatte der Zeus nicht genug Verwandte in seiner Familie, um allen entdeckten irregulären Jupitermonden einen Namen geben zu können. Zeus hatte aber zahlreiche Geliebte und so änderte man die Namen auf die Geliebten des Zeus, wobei prograd umlaufende irreguläre Jupitermonde den Namen einer Geliebten, der mit -a endet, bekommt, während retrograd umlaufende irreguläre Jupitermonde den Namen einer Geliebten, der mit -e endet, bekommt. Diesen Namenswechsel habe ich aber damals nicht mitbekommen.
Mitte der 1990'iger Jahre war der Kenntnisstand also der, dass man um den Jupiter 9 irreguläre Monde kannte, und um den Saturn und den Neptun je einen, nämlich Phoebe und Nereid, wobei man den grossen Neptunmond Triton gewöhnlich nicht zu den irregulären Monden zählt; zwar ist seine Exzentrizität nahezu 0 und seine Bahnneigung irgendwie auch 0°, aber eben retrograd, d.h. seine Bahnneigung beträgt "ca." 180°, genauer knapp 160°.
Noch ein Wort zur Grösse der 4 galileischen Jupitermonde: gemeinhin sagt man ja, dass Monde kleine Körper seien und für die meisten trifft das ja auch zu. Die beiden äusseren galileischen Jupitermonde Ganymed und Kallisto sowie der grosse atmoshären-behaftete Saturnmond Titan sind in etwa so gross wie der innerste Planet Merkur, während die beiden inneren galileischen Jupitermonde Io und Europa in etwa so gross wie der Erdmond sind. Somit gehören die Sonne, die Planeten (ohne Pluto und Eris, die sind deutlich kleiner) sowie die 4 galileischen Jupitermonde, der grosse Saturnmond Titan und der Erdmond zu den 15 grössten bekannten Körpern unseres Sonnensystems. Grössenmässig folgen dann der grosse Neptunmond Triton sowie die beiden grössten Zwergplaneten und ehemaligen Planeten Pluto und der im Jahre 2005 kommunizierte "10.Planet" Eris.
Noch eine abschliessende Bemerkung zu den Massen der irregulären Jupiermonde: der erst-entdeckte irreguläre Jupitermond Himalia (Hestia) hat etwa 80% der Gesamtmasse der irregulären Jupitermonde, der zweit-entdeckte irreguläre Jupitermond Elara (Hera) hat etwa 10% der Gesamtmasse der irregulären Jupitermonde und der dritt-entdeckte irreguläre Jupitermond Pasiphae (Posseidon) hat etwa 3% der Gesamtmasse der irregulären Jupitermonde. Die drei grössten haben also bereits 93% der Gesamtmasse aller irregulären Jupitermonde, und sie gehören auch zu den 10 grössten bekannten irregulären Monden unseres Sonnensystems.
Zwei von ihnen habe ich noch nicht genannt, das sind die beiden grössten irregulären Uranusmonde aus der Publikation "Uranus I". Betrachtet man die Top 15 der bekannten irregulären Monde unseres Sonnensystems, so kommen noch ein irregulärer Jupitermond, zwei irreguläre Neptunmonde sowie die beiden grösseren der drei irregulären Uranusmonde aus der Publikation "Uranus II" hinzu.
Freundliche Grüsse, Ralf