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AG-TAGUNG
Mr. Hubble Deep Field geehrt
von Stefan Deiters
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13. September 2015

Die deutschsprachigen Astronomen treffen sich in dieser Woche in Bochum zu ihrer jährlichen Herbsttagung. Am ersten Tag standen traditionell Preisverleihungen auf dem Programm: Die renommierte Karl-Schwarzschild-Medaille ging an Prof. Dr. Robert Williams, den früheren Direktor des Space Telescope Science Institute. Er war der Initiator des berühmten Hubble Deep Field.

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Prof. Robert Williams und das Hubble Deep Field. Bild/Foto: R. Williams und das Hubble Deep Field Team (STScI) und NASA / R. Williams [Großansicht]

Über 300 Astronomen aus dem In- und Ausland treffen sich in dieser Woche in Bochum zur 89. Jahrestagung der Astronomischen Gesellschaft (AG). Das jeweilige Motto dieser kurz als "AG-Tagung" bezeichneten Treffen ist in der Regel so gewählt, dass sich damit praktisch alle relevanten astronomischen Forschungsbereiche irgendwie unterbringen lassen und es gleichzeitig auch die Forschungsschwerpunkte des gastgebenden Instituts widerspiegelt. In diesem Jahr lautet es "The Many Facets of Astrophysics - Photons, Particles, and Spacetime ". Grund dafür, dass die Astronomische Gesellschaft ihre diesjährige Herbsttagung nach Bochum gelegt hat, ist der 50. Geburtstag des dortigen astronomischen Instituts der Ruhr-Universität.

Traditionell beginnen die Tagungen der AG mit der Verleihung der höchsten Auszeichnung, die die Astronomie im deutschsprachigen Raum zu vergeben hat: der Karl-Schwarzschild-Medaille. Der Preisträger in diesem Jahr ist Prof. Robert Williams, der frühere Direktor des Space Telescope Science Instituts. Als Direktor des Instituts konnte er über einen kleinen Teil der Beobachtungszeit des Weltraumteleskops Hubble frei verfügen und entschied, damit etwas zu machen, was man sich wohl nur als Direktor erlauben konnte: Er ließ Hubble über 140 Stunden lang eine scheinbar völlig uninteressante, nahezu leere Stelle des Himmels mit verschiedenen Filtern beobachten. Aus den Daten wurde eine Aufnahme zusammengestellt, die inzwischen als Hubble Deep Field berühmt wurde - auf ihr waren unzählige, bislang noch nie gesehene Galaxien zu erkennen. 

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"Mit den Daten des Hubble Deep Field lieferte Robert Williams für zahlreiche Astronomen und Kosmologen weltweit eine einzigartige, fantastische Stichprobe, um die Entwicklung von Galaxien über riesige Zeiträume zu studieren und theoretische Modelle und Vorhersagen zu überprüfen", sagt Prof. Dr. Matthias Steinmetz, der Präsident der Astronomischen Gesellschaft, der sich auch selbst mit der Galaxienentwicklung befasst.

Williams plädierte in seiner der Verleihung folgenden Karl-Schwarzschild-Vorlesung dafür, dass bei jedem Beobachtungsinstrument ein gewisser Teil der Beobachtungszeit dem Direktor frei zur Verfügung stehen sollte. Gremien, die Beobachtungszeit entsprechend der eingereichten Anträge verteilen, würden in der Regel sehr vorsichtig sein und immer die Vorschläge auswählen, die bei geringem Risiko den größten wissenschaftlichen Ertrag versprechen. Dabei sei es wichtig, manchmal auch ein Risiko einzugehen, denn dabei würden oft die größten Entdeckungen gemacht - wie ja auch das Beispiel des Hubble Deep Field zeigt.

Ein Schwerpunkt der Tagungen der Astronomischen Gesellschaft ist traditionell die Förderung der jungen Astronomengeneration, so dass am Dienstagmorgen auch mehrere Preise an junge Wissenschaftler verliehen wurden. Der Ludwig-Biermann-Förderpreis für herausragende Nachwuchsforscher ging an Dr. Karin Lind vom Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg für ihre herausragenden Leistungen im Bereich der theoretischen Modellierung astronomischer Spektren. Mit dem Doktorandenpreis für die beste Promotion wurde Dr. Nicole Reindl von der Universität Leicester ausgezeichnet, die ihre Arbeit bis 2015 am Institut für Astronomie und Astrophysik der Universität Tübingen verfasst hat.

Der Sonderpreis für den besten astronomischen Beitrag des Wettbewerbs "Jugend forscht" ging Tuan Tung Nguyen vom innerstädtischen Gymnasium in Rostock für sein Projekt "Auf der Suche nach Leben im All". Weiterhin ehrte die AG Dr. Michael Geffert vom Argelander-Institut für Astronomie der Universität Bonn mit dem Hans-Ludwig-Neumann-Preis für sein hervorragendes Engagement im Bereich der wissenschaftlichen Didaktik.

Nach dem ersten Vormittag mit den Preisverleihungen sind die kommenden Tage geprägt von Vorträgen zu aktuellen Themen. Ein Höhepunkt wird dabei morgen die Präsentation der ersten Daten des Astrometrie-Satelliten Gaia sein. Viele Mitglieder des Gaia-Teams sind in Bochum vertreten. Auch der öffentliche Abendvortrag wird sich dem Thema Gaia widmen - er findet am Donnerstag um 20 Uhr im Planetarium in Bochum statt. 

Natürlich gibt es auch in Bochum wieder die sogenannten Splinter-Treffen. Sie bieten den Rahmen für Vorträge zu spezielleren Themen. Sie sind vielfach auch ein Forum für junge Astronomen, die mit ihren Diplom- und Doktorarbeiten zum ersten Mal vor ein größeres Fachpublikum treten und so Erfahrungen im Präsentieren von wissenschaftlichen Ergebnissen sammeln können.

Die Astronomische Gesellschaft wurde 1863 in Heidelberg gegründet und war bis nach dem Ersten Weltkrieg die einzige größere internationale astronomische Vereinigung.  Diese Rolle übernahm später die Internationale Astronomische Union (IAU). Heute ist die AG ein Zusammenschluss von Astronomen aus den deutschsprachigen Ländern und setzt sich verstärkt für die Förderung jüngerer Wissenschaftler, für die Vernetzung von Astronomen, die Ausbildung von Lehrern und die Öffentlichkeitsarbeit ein.

Von der AG-Tagung berichten astronews.com und andere Teilnehmer auch wieder bei Twitter. Der Hashtag ist #ag2016. astronews.com kann man bei Twitter unter @astronews folgen. Die Astronomische Gesellschaft selbst als @GermanAstroSoc bei Twitter aktiv.

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