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JAHRESRÜCKBLICK 2015
An Pluto vorbei, um Ceres herum und einem Kometen hinterher
von Stefan Deiters
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31. Dezember 2015

Traditionell blickt astronews.com am Ende eines Jahres zurück auf einige herausragende Ereignisse aus Astronomie, Astrophysik und Raumfahrt aus den vergangenen zwölf Monaten, in diesem Jahr bereits zum 17. Mal. Ganz im  Mittelpunkt des Interesses standen 2015 zwei Zwergplaneten: Pluto und Ceres. Und ein uns inzwischen vertrauter Komet blieb weiter in den Schlagzeilen.

2015

Machten 2015 Schlagzeilen: Der Komet 67P, die Zwergplaneten Ceres und Pluto sowie ein "Cousin" der Erde. Bild: ESA / Rosetta/NAVCAM/NASA/JPL-Caltech/UCLA/MPS/DLR/IDA / NASA/APL/SwRI/NASA/Ames/ JPL-Caltech

Das Jahr 2015 dürfte für viele Astronomiebegeisterte das Jahr gewesen sein, in dem die Erkundung des "klassischen" Sonnensystems abgeschlossen wurde. "Klassisch" soll in diesem Fall das aus neun Planeten bestehende Sonnensystem beschreiben, das viele noch in der Schule gelernt haben. Acht dieser neun Planeten waren noch im 20. Jahrhundert von einer Sonde besucht worden.

Im Jahr 2006 entschied dann die Internationale Astronomische Union (IAU), dass der neunte Planet, Pluto, kein Planet mehr ist, sondern künftig als "Zwergplanet" bezeichnet werden soll. Damit waren also plötzlich alle Planeten des Sonnensystems schon einmal aus relativer Nähe fotografiert worden.

Als die IAU ihre Entscheidung traf, war die Sonde New Horizons schon einige Monate auf dem Weg Richtung Pluto. Sie war zu einem Planeten gestartet und kam im Juli 2015 bei einem Zwergplaneten an. Das änderte jedoch nichts an der Begeisterung, die die ersten Bilder des Vorüberflugs beim New-Horizons-Team und anderen Astronomen auslösten: Pluto erwies sich als deutlich vielfältigere Welt, als es sich die meisten vorgestellt hatten.

Die Daten, die während des Vorüberflugs gesammelt wurden, sind noch immer nicht vollständig zur Erde übertragen. Dies soll erst in der zweiten Hälfte von 2016 abgeschlossen sein, so dass auch im kommenden Jahr noch mit neuen spektakulären Bildern aus dem Plutosystem zu rechnen ist. Inzwischen gibt es für New Horizons ein weiteres Ziel im Kuipergürtel.

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Doch Pluto war nicht der einzige Zwergplanet, von dem wir 2015 erstmals detailliertere Bilder zu Gesicht bekommen haben: Die NASA-Sonde Dawn war Anfang März in einen Orbit um Ceres eingeschwenkt. Der Asteroid ist das größte Objekt im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter und galt - bei seiner Entdeckung 1801 - zunächst auch als Planet. Erst als man in dieser Region in den kommenden Jahrzehnten immer mehr Objekte aufspürte, änderte sich diese Auffassung und Ceres wurde zum "Kleinplaneten", Planetoiden oder auch einfach zum Asteroiden. Seit 2006 ist auch Ceres offiziell "Zwergplanet".

Die Sonde Dawn hat als erste Sonde überhaupt zwei Objekte des Sonnensystems von einem Orbit aus untersucht: Bevor Dawn Ceres erreichte, hatte die Sonde bereits mehr als ein Jahr lang den Asteroiden Vesta erkundet. Bei Ceres faszinierten die Wissenschaftler vor allem merkwürdige weiße Flecken, deren Beschaffenheit sich erst vor wenigen Wochen aufklärte: Es handelt sich offenbar um ein Gemisch aus Mineralsalzen und Wassereis.

Und noch eine andere Raumfahrtmission hat 2015 Schlagzeilen gemacht: Die ESA-Mission Rosetta, die den Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko weiter erkundete und auf seinem Weg ins innere Sonnensystem begleitete. Der kleine Lander Philae allerdings blieb zunächst verschollen, obwohl Rosetta regelmäßig nach einem Signal von Philae lauschte. Mitte Juni gab es dann eine kleine Sensation: Philae meldete sich zurück, der Kontakt blieb allerdings unregelmäßig und instabil und erlaubte keine weiteren wissenschaftlichen Untersuchungen.

Schließlich brach auch dieser unregelmäßige Kontakt wieder ab - was auch damit zu tun hatte, dass 67P/Churyumov-Gerasimenko im August den sonnennächsten Punkt seiner Bahn erreichte und Rosetta wegen der starken Aktivität einen größeren Abstand vom Kometenkern halten musste. Zum Jahresende hoffte das Landerteam weiter auf einen neuen Kontakt zu Philae - bislang allerdings vergebens.

Auch extrasolare Planeten schafften es 2015 wieder in die Nachrichten. Eine "zweite Erde" war zwar noch immer nicht darunter, aber die PR-Abteilung der NASA erwies sich als kreativ und erklärte, einen "Cousin" der Erde entdeckt zu haben. Mit Kepler wurden unter anderem ein alter Stern mit fünf Planeten sowie weitere Planeten in der habitablen Zone entdeckt, zudem nahmen Astronomen von La Silla aus ein erstes Spektrum im sichtbaren Licht von 51 Pegasi b auf und bannten mit dem Large Binocular Telescope ein ganzes Exoplanetensystem auf ein Bild.

In Sachen Marsforschung begann 2015 mit einer Überraschung: Wissenschaftler spürten den verschollenen Lander Beagle 2 der Mission Mars Express nach elf Jahren auf. Der Marsrover Opportunity bewältigte die Marathon-Distanz auf dem Mars und überwintert folgerichtig gegenwärtig im Marathon Valley. Die Sonde 2001 Mars Odyssey hatte 2015 insgesamt 60.000 Mal den Roten Planeten umrundet. Und auch Curiosity war das ganze Jahr über aktiv und wies unter anderem urzeitliche Seen im Gale-Krater nach. Die nächste Marsmission der NASA muss hingegen warten: Die Raumfahrtbehörde sagte kurz vor Weihnachten den Start von InSight für März 2016 ab.

Probleme gab es auch bei der Versorgung der Internationalen Raumstation ISS, auf der gegenwärtig eine Langzeitmission mit Zwilling läuft. Ein russischer Progress-Raumfrachter verglühte Anfang Mai nach einem missglückten Start über dem Pazifik, ein Dragon-Raumfrachter explodierte Ende Juni wenige Minuten nach dem Start. Schuld war offenbar eine defekte Strebe der Falcon-9-Trägerrakete. Eine Falcon 9 hat im Dezember wieder einen erfolgreichen Start absolviert, bei dem es sogar gelungen ist, die erste Raketenstufe wieder sicher zu landen. Auch ein Cygnus-Raumfrachter erreichte Ende des Jahres wieder die ISS.

Wissenschaftler, die nach Gravitationswellen forschen, hatten 2015 gleich doppelt Grund zur Freude: In den USA wurde der neue Detektor aLIGO eingeweiht, im Dezember startete - zur Vorbereitung eines weltraumbasierten Gravitationswellendetektors - die Mission LISA Pathfinder. Ein gutes Jahr war es auch für die Neutrino-Forscher: Das Phänomen der Neutrino-Oszillation gilt seit diesem Jahr als nachgewiesen und dessen Entdeckung wurde auch prompt mit dem Physik-Nobelpreis gewürdigt.

Und auch wer gerne einmal selbst an den Himmel schaut, kam 2015 auf seine Kosten: Zu Beginn des Jahres war der Komet C/2014 Q2 (Lovejoy) zu sehen, im März dann eine partielle Sonnenfinsternis und im September schließlich eine totale Mondfinsternis

Wie in jedem Jahr stellt auch dieser Rückblick natürlich nur eine kleine Auswahl der Themen vor, die uns auf astronews.com 2015 beschäftigt haben. Jeder wird in unserem Archiv seine eigenen Highlights des Jahres finden. Diskutieren Sie doch Ihre persönlichen Höhepunkte aus Astronomie, Astrophysik und Raumfahrt im astronews.com Forum oder auch auf unseren Seiten bei Facebook oder bei Google+ oder antworten Sie bei Twitter

Sicherlich wird auch das Jahr 2016 viele interessante und auch überraschende Nachrichten für diesen Onlinedienst bereithalten. Wir berichten natürlich weiter und bedanken uns an dieser Stelle ausdrücklich bei allen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern für ihre faszinierende Arbeit, durch die eine Nachrichtenseite wie astronews.com erst möglich wird.

Ein besonderer Dank zudem auch an die Leser, die unsere Arbeit in diesem Jahr im Rahmen von "astronews.com ist mir was wert" mit einem einmaligen oder regelmäßigen Beitrag unterstützt haben. Wir wissen dies sehr zu schätzen.

Bei allen Leserinnen und Lesern bedanken wir uns für die Treue und wünschen für das Jahr 2016 alles Gute.

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