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EXOMARS 2018
Oxia Planum ist empfohlene Landestelle
von Stefan Deiters
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22. Oktober 2015

Oxia Planum auf der Nordhalbkugel des Mars ist die empfohlene Landeregion für den ExoMars-Rover der europäischen Weltraumagentur ESA. Das hat ein Expertengremium gestern entschieden. Zuletzt waren noch vier Stellen untersucht worden. ExoMars soll 2019 auf dem Roten Planeten landen und nach Hinweisen auf Leben suchen.

Oxia Planum

Die Region Oxia Planum mit der möglichen Landeregion für einen Start von ExoMars im Jahr 2018 und 2020. Die Lage der Landeellipse hängt vom genauen Starttermin ab. Bild: ESA / DLR / FU Berlin & NASA MGS MOLA Science Team  [Großansicht]

ExoMars ist eine Gemeinschaftsmission der europäischen Weltraumagentur ESA und der russischen Raumfahrtbehörde Roscomos und besteht aus zwei Teilen: Schon im März 2016 wird der Trace Gas Orbiter zusammen mit dem Landetestmodul Schiaparelli zum Mars starten und in rund einem Jahr den Roten Planeten erreicht haben (astronews.com berichtete).

Das Modul Schiaparelli, mit dem Technologien für eine sichere Landung auf der Oberfläche getestet werden sollen, wird in der Ebene Meridiani Planum des Mars landen. Der Orbiter wird die Atmosphäre des Planeten untersuchen und später auch als Kommunikationsverbindung für den ExoMars-Rover dienen. Dieser soll im Mai 2018 starten und im Januar 2019 landen.

Eine bevorzugte Landestelle hatte das Team bislang noch nicht festgelegt. Von einer Arbeitsgruppe waren vor rund einem Jahr vier infrage kommende Landeregionen ausgewählt (astronews.com berichtete) und in den vergangenen zwölf Monaten gründlicher untersucht worden. Dabei galt es nicht nur das wissenschaftliche Potential der einzelnen Landestellen zu bewerten, sondern auch zu berücksichtigen, welchen technischen Herausforderungen und Gefahren eine Landung in der jeweiligen Region mit sich bringen würde.

Das Ziel des ExoMars-Rovers ist die Suche nach Hinweise auf früher oder sogar heute noch vorhandenes Leben auf dem Mars. Dazu soll der Rover in einer Region Untersuchungen anstellen, in der es möglichst viel Gestein gibt, das aus einer Zeit stammt, in der Wasser auf dem Mars noch in größeren Mengen vorhanden war. Der Rover wird einen Bohrer dabei haben, mit dem Bodenproben aus bis zu zwei Metern Tiefe entnommen werden können.

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Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass man im Untergrund sehr viel eher Lebensspuren finden wird, als auf der heute lebensfeindlichen Oberfläche - sollte es denn jemals Leben auf dem Mars gegeben haben. Da man aber inzwischen immer mehr Hinweise auf ein feuchteres und damit wohl auch lebensfreundlicheres Klima auf dem Planeten vor rund 3,6 Milliarden Jahren gefunden hat, erscheint es zumindest denkbar, dass sich damals auch primitive Organismen gebildet haben.

Die vier zuletzt von dem Auswahlgremium begutachteten Landestellen Aram Dorsum, Hypanis Vallis, Mawrth Vallis und Oxia Planum scheinen in der für die Mission interessanten Epoche der Marsentwicklung von Wasser beeinflusst worden zu sein. In allen Regionen würden sich auch in einem Umkreis von einem Kilometer von der Landestelle wissenschaftlich interessante Ablagerungen erreichen lassen. Die Mission ist auf 218 Marstage ausgelegt. Der Rover soll in dieser Zeit etwa zwei Kilometer zurücklegen.

Ein weiteres wichtiges Kriterium war, dass die Landeregion auch eine möglichst sichere Landung erlauben muss. So ist es erforderlich, dass sie vergleichsweise niedrig liegt, damit das Landemodul durch ausreichend Marsatmosphäre fliegt und so abgebremst werden kann. Außerdem endet zum Zeitpunkt der Landung gerade die Saison der globalen Staubstürme auf dem Mars. Die dabei zu erwartenden Windgeschwindigkeiten mussten also auch bei der Auswahl berücksichtigt werden. Zudem spielte natürlich auch die Oberflächenbeschaffenheit des Geländes eine Rolle.

Nach Berücksichtigung aller Kriterien haben die Experten nun gestern Oxia Planum als primäre Landestelle empfohlen. Die gleiche Region wurde auch als eine von zwei möglichen Landestellen für den Fall ausgewählt, dass die Mission erst 2020 starten kann. Als zweite mögliche Landestelle für diesen Fall sind noch Aram Dorsum und Mawrth Vallis im Gespräch.

"Unsere vorläufige Analyse hat ergeben, dass Oxia Planum die sehr strengen Vorgaben der Ingenieure erfüllt und gleichzeitig die Möglichkeit bietet, Orte direkt zu untersuchen, an denen sich Biosignaturen am besten erhalten haben könnten", so Jorge Vago, Projektwissenschaftler bei der ESA. In Oxia Planum findet sich eine der größten freiliegenden Gesteinsstrukturen mit einem Alter von rund 3,9 Milliarden Jahren. Sie sind zudem tonhaltig, was auf das frühere Vorhandensein von Wasser hindeutet.

Es gibt auch Hinweise darauf, dass sehr alte, von Wasser beeinflusste Gesteinsschichten hier zunächst durch vulkanische Aktivität verdeckt wurden, was bedeuten könnte, dass sich Biosignaturen hier eventuell besser erhalten haben, als an anderen Stellen, wo sie die meiste Zeit den sehr harschen Umweltbedingungen an der Oberfläche ausgesetzt waren. Erst vor wenigen Hundert Millionen Jahren wurden diese Gesteinsschichten dann durch Erosion freigelegt.

"Es war eine schwierige Entscheidung angesichts der Qualität aller untersuchten Regionen", so Vago. "Wir freuen uns jetzt auf die nächste Phase der Untersuchungen, während wir dem Start der spannenden Mission immer näher kommen. Unser Rover wird zum ersten Mal nach molekularen Biosignaturen im Untergrund suchen."

Oxia Planum wird nun von den Experten weiter gründlich unter die Lupe genommen. Eine endgültige Entscheidung über die Landestelle werden dann ESA und Roscosmos rund sechs Monate vor dem Start treffen.

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Mission Mars, die astronews.com-Berichterstattung über die Erforschung des roten Planeten
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