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AG-TAGUNG
Von Quasaren zu bewohnten Planeten
von Stefan Deiters
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16. September 2015

Die deutschsprachigen Astronomen treffen sich in dieser Woche in Kiel zu ihrer jährlichen Herbsttagung. Am ersten Tag standen traditionell Preisverleihungen auf dem Programm: Die renommierte Karl-Schwarzschild-Medaille ging an Prof. Immo Appenzeller, der sich nicht nur in der Sternphysik, sondern auch in der Instrumentenentwicklung einen Namen gemacht hat.

AG

Immo Appenzeller (rechts) erhält von AG-Präsident Matthias Steinmetz die Karl-Schwarzschild-Medaille. Foto: Stefan Deiters [Großansicht]

Rund 250 Astronomen aus dem In- und Ausland treffen sich in dieser Woche in Kiel zur 88. Jahrestagung der Astronomischen Gesellschaft (AG). Das jeweilige Motto dieser kurz als "AG-Tagung" bezeichneten Treffen ist in der Regel so allgemein gehalten, dass sich damit praktisch alle relevanten astronomischen Forschungsbereiche irgendwie unterbringen lassen. In diesem Jahr lautet es "Von den ersten Quasaren zu bewohnten Planeten - von der Akkretionsphysik zur Astrobiologie".

Kiels Oberbürgermeister Dr. Ulf Kämpfer gab bei seinem Grußwort unumwunden zu, dass er schon beim Motto der Tagung Probleme hatte, jedes Wort zu verstehen und appellierte an die Teilnehmer mehr "Übersetzungsarbeit" für ihre Wissenschaft zu leisten. Dies sei insbesondere angesichts einiger wissenschaftsfeindlicher Tendenzen nötig, wie sie etwa in Teilen der USA zu beobachten seien. Auch würden, so Kämpfer, vermutlich mehr Menschen ihr Sternzeichen kennen, als ihre Blutgruppe, obwohl letzteres zweifelsohne deutlich wichtiger sei.

Traditionell beginnen die Tagungen der AG mit der Verleihung der höchsten Auszeichnung, die die Astronomie im deutschsprachigen Raum zu vergeben hat: der Karl-Schwarzschild-Medaille. Der Preisträger in diesem Jahr ist Prof. Dr. Immo Appenzeller, der langjährige Direktor der Landessternwarte in Heidelberg. Appenzeller studierte Physik und Astronomie in Tübingen und Göttingen, wo er auch promovierte und habilitierte.

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Ausgezeichnet wurde Appenzeller nicht nur für seine Verdienste in der Sternphysik, sondern auch für seine Arbeiten, bei denen er sich intensiv mit extragalaktischen Objekten im kosmologischen Kontext beschäftigte, wie etwa mit aktiven Galaxien und Quasaren oder Galaxien im jungen Universum. Außerdem setzte er neue Impulse bei der Entwicklung von Instrumenten für die größten heute genutzten Teleskope.

Appenzeller war beispielsweise Projektverantwortlicher für die Instrumente FORS1 und FORS2, die am Very Large Telescope der europäischen Südsternwarte ESO montiert sind. Die in Heidelberg, Göttingen und München gebauten Kameras und Spektrographen waren die ersten Instrumente am VLT und liefern bis heute wichtige Bilder und Daten für zahlreiche Beobachtungsprojekte.

AG-Präsident Prof. Dr. Matthias Steinmetz erinnerte in seiner kurzen Würdigung des Preisträgers an eine Begebenheit während der FORS-Entwicklung. So sei beim Verladen eines der Instrumente eine Kette gerissen und das Instrument aus einem Meter Höhe auf den Boden gefallen. Das ganze Team - so sei ihm berichtet worden - war geschockt und aufgeregt, nur Appenzeller selbst wäre ruhig geblieben. Er hätte gewusst, dass "sein" Instrument robust genug gebaut war, um den Sturz ohne Schaden auszuhalten. Er sollte recht behalten. Später hätte Appenzeller dann darauf hingewiesen, dass man nun ja wohl auf den eigentlich noch für das Instrument geplanten Test auf Erdbebenbeständigkeit verzichten könnte.

Ein Schwerpunkt der Tagungen der Astronomischen Gesellschaft ist traditionell die Förderung der jungen Astronomengeneration, so dass am Dienstagmorgen auch mehrere Preise an junge Wissenschaftler verliehen wurden. Der Ludwig-Biermann-Förderpreis für herausragende Nachwuchsforscher ging an Dr. Ivan Minchev aus Potsdam, der über die Dynamik von Galaxien forscht. Mit dem Doktorandenpreis für die beste Promotion wurde Dr. Cornelia Müller aus Würzburg geehrt.

Der Sonderpreis für den besten astronomischen Beitrag des Wettbewerbs "Jugend forscht" ging an Robin Heinemann und Patricia Asemann aus Kassel. Die beiden Schüler hatten am Computer Simulationen von protoplanetaren Scheiben durchgeführt und die Entstehung von Planeten untersucht. Außerdem verlieh das Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg noch den Roelin-Preis für Wissenschaftspublizistik. Dieser ging an Prof. Dr. Karl-Heinz Lotze aus Jena.

Nach dem ersten Vormittag mit den Preisverleihungen sind die kommenden Tage geprägt von Vorträgen zu aktuellen Themen. Die Jahrestagungen werden von den deutschen Astronomen jedoch praktisch nicht dazu genutzt, ganz neue Ergebnisse erstmals öffentlichkeitswirksam zu präsentieren. Damit unterscheiden sich die AG-Tagungen deutlich von ähnlichen Treffen anderer Organisationen - wie etwa den National Astronomy Meetings der britischen Royal Astronomical Society.

Auch in Kiel bieten die sogenannten Splinter-Treffen wieder den Rahmen für Vorträge zu spezielleren Themen. Sie sind vielfach auch ein Forum für junge Astronomen, die mit ihren Diplom- und Doktorarbeiten zum ersten Mal vor ein größeres Fachpublikum treten und so Erfahrungen im Präsentieren von wissenschaftlichen Ergebnissen sammeln können.

Eine weitere Tradition von AG-Tagungen ist es - praktisch als Dankeschön an die gastgebende Stadt - einen öffentlichen Abendvortrag am jeweiligen Tagungsort zu veranstalten. In diesem Jahr berichtet Prof. Dr. Robert Wimmer-Schweingruber zum Thema "Von der Kieler Förde zum Mars". Der Vortrag findet am Donnerstag, 17. September 2015, um 19.30 Uhr im Frederik-Paulsen-Hörsaal des Audimax der Universität statt.

Die Astronomische Gesellschaft wurde 1863 in Heidelberg gegründet und war bis nach dem Ersten Weltkrieg die einzige größere internationale astronomische Vereinigung.  Diese Rolle übernahm später die Internationale Astronomische Union (IAU). Heute ist die AG ein Zusammenschluss von Astronomen aus den deutschsprachigen Ländern und setzt sich verstärkt für die Förderung jüngerer Wissenschaftler, für die Vernetzung von Astronomen, die Ausbildung von Lehrern und die Öffentlichkeitsarbeit ein.

Von der AG-Tagung berichten astronews.com und andere Teilnehmer auch wieder bei Twitter. Der Hashtag ist #agtagung. astronews.com kann man bei Twitter unter @astronews folgen. Die Astronomische Gesellschaft selbst ist nicht bei Twitter aktiv.

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