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KEPLER
NASA entdeckt "Cousin" der Erde
von Stefan Deiters
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24. Juli 2015

Bei weit über tausend entdeckten extrasolaren Planeten müssen sich Astronomen schon etwas Besonderes einfallen lassen, um es mit einer weiteren Entdeckung auf die Titelseiten der Zeitungen zu schaffen. Ein sehr erdähnlicher Planet wäre so eine Besonderheit. Deswegen bezeichnet die NASA die Neuentdeckung Kepler-452b auch als "Cousin" der Erde. Wirklich erdähnlich dürfte er wohl eher nicht sein.

Kepler-452b

Der neu entdeckte Planet Kepler-452b (rechts) im Vergleich zur Erde. Wie der Planet wirklich aussieht, wissen die Astronomen allerdings nicht. Sie kennen lediglich seinen Durchmesser.  Bild: NASA / Ames / JPL-Caltech  [Großansicht

Astronomen, die mit den Daten des NASA-Weltraumteleskops Kepler arbeiten, haben gestern die Entdeckung eines weiteren Planeten bekannt gegeben, der in der sogenannten habitablen Zone um einen sonnenähnlichen Zentralstern kreist - also in einem Abstand von seiner Sonne, in dem die Strahlung gerade so groß ist, dass Wasser auf der Oberfläche in seiner flüssigen Form existieren könnte. Für das Team ist dieser Fund - zusammen mit der Entdeckung weiterer potentieller Planeten - ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Aufspüren einer zweiten Erde - also eines Planeten, der unserer Heimatwelt in praktisch allen aus der Entfernung beobachtbaren Aspekten gleicht.

Allerdings ist auch Kepler-452b, der gestern die Schlagzeilen bestimmte, keine solche "zweite Erde", wird von dem Team aber als kleinster bislang entdeckter Planet in der habitablen Zone eines sonnenähnlichen Sterns beschrieben. "Am 20. Jahrestag der Entdeckung, die gezeigt hat, dass es auch Planeten um andere Sonnen gibt, hat Kepler einen Stern mit Planet entdeckt, der Sonne und Erde sehr ähnlich ist", so der für Wissenschaft zuständige Administrator der NASA John Grunsfeld. "Dieses faszinierende Ergebnis bringt uns der Entdeckung der Erde 2.0 einen Schritt näher." 1995 wurde mit 51 Pegasi der erste extrasolare Planet entdeckt, der um einen sonnenähnlichen Stern kreist.

Wirklich ähnlich allerdings dürften sich Kepler-452b und die Erde nicht sein: Der Durchmesser der fernen Welt ist 60 Prozent größer als der unserer Heimatwelt, was ihn zu einer "Supererde" macht. Da man die Masse und Zusammensetzung des Planeten nicht kennt, kann man über sein Aussehen nur spekulieren - es könnte sich aber um einen Gesteinsplaneten handeln. Für einen Orbit um seine Sonne benötigt Kepler-452b 385 Tage, der Stern selbst ist rund sechs Milliarden Jahre alt und damit 1,5 Milliarden Jahre älter als die Sonne.

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"Wir können uns Kepler-452b wie einen älteren und größeren Cousin der Erde vorstellen", so Jon Jenkins vom Ames Research Center der NASA. "Es ist faszinierend, dass sich dieser Planet sechs Milliarden Jahre lang in der habitablen Zone seines Sterns aufgehalten hat und damit länger als die Erde. Das wäre schon eine sehr gute Gelegenheit für die Entstehung von Leben, wenn die notwendigen Zutaten dafür vorhanden sind."

Zur Bestätigung des Planeten, der in den Daten des Weltraumteleskops Kepler aufgespürt wurde, führten die Astronomen zusätzliche Beobachtungen mit verschiedenen erdgebundenen Teleskopen durch. Diese lieferten auch neue Daten über die Größe und Helligkeit des Zentralsterns von Kepler-452b. Der Planet befindet sich in einer Entfernung von 1.400 Lichtjahren im Sternbild Schwan.

Die gestern auch vorgestellten Planetenkandidaten im Kepler-Material erhöhen die Zahl der potentiellen Planeten in den Daten um weitere 521. Diese Kandidaten erfordern noch eine gründliche Nachbeobachtung, um schließlich zu bestätigen, dass es sich bei ihnen wirklich um Planeten handelt. Auch unter diesen neuen Planetenkandidaten befinden sich Welten, die nur wenig größer sind als die Erde. Zwölf der neuen Kandidaten umkreisen ihre Sonne zudem in der habitablen Zone.

Mit dem Weltraumteleskop Kepler wird mithilfe der sogenannten Transitmethode nach Planeten gesucht: Dazu überwacht Kepler die Helligkeit zahlreicher Sterne in einem kleinen Himmelsbereich. Wandert - aus Keplers Perspektive - ein Planet vor seinem Stern vorüber, verdunkelt dieser seine Sonne. Kepler registriert dadurch einen geringfügigen Helligkeitsabfall. Ein regelmäßiger Helligkeitsabfall - entsprechend der Umlaufperiode des Planeten - könnte also ein Hinweis auf einen Planeten sein.

Doch für leichte Schwankungen der Helligkeit eines Sterns kommen auch noch verschiedene andere Gründe infrage, weswegen jeder potentielle Planet, der mit Keplers Hilfe aufgespürt wird, durch sorgfältige und oft auch langwierige Nachbeobachtungen bestätigt werden muss.

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siehe auch
Kepler: Weitere Planeten in habitabler Zone entdeckt - 7. Januar 2015
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Kepler: Erster Gesteinsplanet entdeckt - 11. Januar 2011
Kepler: NASA-Sonde findet erste fünf Exoplaneten - 5. Januar 2010
Kepler: Suche nach der zweiten Erde hat begonnen - 14. Mai 2009
Ferne Welten - die astronews.com Berichterstattung über die Suche nach extrasolaren Planeten
Links im WWW
Kepler, Seite der NASA
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