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JAHRESRÜCKBLICK 2014
Philaes Landung, Orions Erstflug und ein Deutscher im All
von Stefan Deiters
astronews.com
31. Dezember 2014

Traditionell blickt astronews.com am Ende eines Jahres zurück auf einige herausragende Ereignisse aus Astronomie, Astrophysik und Raumfahrt aus den vergangenen zwölf Monaten, in diesem Jahr bereits zum 16. Mal. Und auch 2014 gab es einiges zu berichten - etwa von einer spektakulären Kometenlandung, dem Erstflug des Raumschiffs Orion und einem Deutschen auf der ISS.

2014

Machten 2014 Schlagzeilen: Alexander Gerst, Philae, die Explosion einer Antares-Rakete und der Beginn der Bauarbeiten für das E-ELT. Bild: ESA / ATG medialab / DLR / NASA / Joel Kowsky / ESO

Das Jahr 2014 dürfte vermutlich als ein Jahr in Erinnerung bleiben, in dem die Raumfahrt ganz im Mittelpunkt des Interesses stand. Es gab große und wichtige Erfolge, aber auch herbe Rückschläge, die einem wieder vor Augen geführt haben, dass Raumfahrt auch im 21. Jahrhundert noch immer sehr wenig mit der Hochglanzwelt zu tun hat, die man aus manchen Science-Fiction-Filmen kennt.

Wer nur ein Ereignis des vergangenen Jahres heraussuchen dürfte, das wohl den meisten Menschen weltweit in Erinnerung geblieben ist, der würde sicherlich die beeindruckende Landung des Kometenlanders Philae auf dem Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko nennen.

Die Rosetta-Mission der europäischen Weltraumagentur ESA hat praktisch das gesamte Jahr über für Schlagzeilen gesorgt: Im Januar erwachte die ESA-Kometensonde aus dem Winterschlaf und faszinierte in den Folgemonaten mit immer neuen Blicken auf den Zielkometen. Dieser ähnelt offenbar einem Quietscheentchen.

Anfang August erreichte Rosetta dann ihr Ziel, begann mit einer gründlichen Erfassung des Kometen und lieferte bald eine erste Karte von 67P/Churyumov-Gerasimenko. Auf dieser Grundlage wurde dann ein Landeplatz für den Lander Philae gesucht und gefunden und schließlich Agilkia getauft. Bei der Kometenlandung verlief nicht alles nach Plan: Philae begeisterte aber durch einen unglaublichen Flug, der nicht mit einer Landung endete, sondern gleich mit drei.

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Nach knapp drei Tagen auf der Oberfläche reichte die Energie zum Betrieb von Philae dann nicht mehr aus, man hofft aber, dass sich Philae 2015 eventuell noch einmal meldet. Dieser Teil der Rosetta-Mission wird als voller Erfolg für die ESA und die Teams in Deutschland gewertet, die den Lander maßgeblich entwickelt haben.

Ein weiteres Highlight des Jahres war - zumindest aus deutscher Sicht - die Mission des ESA-Astronauten Alexander Gerst, der sich ab Ende Mai für rund sechs Monate auf der ISS aufhielt und in dieser Zeit eindrucksvolle Bilder von der Erde machte. Natürlich war sein Aufenthalt aber meist harte Arbeit, die der Deutsche während eines Außenbordeinsatzes auch im All absolvieren musste.

Gerst führte zahlreiche Experimente durch, darunter auch ein Seifenblasen-Experiment, bei dem sich herausstellte, dass schwerelose Seifenblasen offenbar äußerst stabil sind. Im November kehrte Gerst dann wohlbehalten wieder zur Erde zurück.

Die ISS machte auch sonst Schlagzeilen: Die Bemühungen der NASA um Sicherstellung der Versorgung der Raumstation durch private Firmen schien zu Jahresbeginn mit dem ersten regulären Cygnus-Versorgungsflug der Firma Orbital Science auf gutem Weg zu sein. Im September konkretisierte die NASA dann ihre Pläne, auch den Transport von Astronauten künftig durch Privatunternehmen durchführen zu lassen und stellte SpaceX und Boeing als Partner vor. SpaceX hatte schon zuvor ihr neues bemanntes Raumschiff präsentiert.

Im letzten Quartal des Jahres allerdings gab es zwei herbe Rückschläge: Ende Oktober explodierte eine Antares-Rakete unmittelbar nach dem Start, die den dritten regulären Cygnus-Raumfrachter zur ISS hätte bringen sollen. Kurze Zeit später gab es einen Unfall bei einem Testflug des SpaceShipTwo von Virgin Galactic, mit dem eigentlich schon bald Weltraumtouristen zu einem Kurztrip ins All starten sollten. Ein Testpilot starb, der andere wurde schwer verletzt.

Die ESA startete 2014 letztmalig einen Raumfrachter zur ISS, wird ihre Technologie aber bei der Entwicklung eines Service-Moduls für das neue NASA-Raumschiff Orion einbringen, das im Dezember seinen erfolgreichen Erstflug absolvierte. Die Europäer entschieden sich zudem für die Entwicklung der Ariane 6 als künftige Trägerrakete und bestimmten im Dezember den Chef des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, Johann-Dietrich Wörner, zum neuen ESA-Generaldirektor. Er wird das Amt Mitte 2015 übernehmen.

Etwas von der erfolgreichen Rosetta-Mission in den Schatten gestellt wurde die ESA-Astrometrie-Mission Gaia, die wissenschaftlich nicht weniger bedeutend ist: Im Januar erreichte der Satellit seinen Arbeitsorbit und begann - nach einer Inbetriebnahme mit Hindernissen - mit seiner wissenschaftlichen Mission. Im September wurde die erste von Gaia entdeckte Supernova präsentiert.

Grünes Licht gab es 2014 für zwei ESA-Missionen zur Erforschung von extrasolaren Planeten: Die kleine Mission CHEOPS soll bis 2017 startbereit sein, die Mission Plato soll ab Mitte des kommenden Jahrzehnts nach einer zweiter Erde suchen. In Sachen extrasolare Planeten gab es auch 2014 einige Erfolge von den aktuell laufenden Missionen zu vermelden: Bereits im Februar wurden 715 neue Exoplaneten bestätigt, die in Daten des Weltraumteleskops Kepler aufgespürt worden waren. Für Kepler selbst fand sich eine neuer Beobachtungsmodus, der eine weitere Nutzung des Teleskops - trotz zweier ausgefallener Kreiselinstrumente - erlaubt. Im Dezember wurde der erste Exoplanet dieser "neuen" Mission präsentiert.

Bei der Menge an Entdeckungen von extrasolaren Planeten schaffen es nur die wenigsten in die Nachrichten - am ehesten noch die, die man irgendwie als "erdähnlich" oder "lebensfreundlich" bezeichnen kann. Das wissen natürlich auch die PR-Strategen in den Instituten und finden bei fast jeder Neuentdeckung einen Grund, den Fund irgendwie mit diesen so schlagzeilenträchtigen Begriffen in Verbindung zu bringen.

Einige Neuentdeckungen des Jahres seien hier aber noch erwähnt: So fand man in dem Sternhaufen Messier 67 drei Planeten und entdeckte mit Kepler-186f einen erdgroßen Planeten in der habitablen Zone. Bei Gliese 832c könnte es sich zudem um eine bewohnbare Super-Erde in der Nachbarschaft handeln, bei Kepler-10c um eine "Mega-Erde" und auch um Kapteyns Stern könnte eine lebensfreundliche Welt  existieren - und damit in relativer Nähe zur Sonne.

Doch auch im Sonnensystem gab es noch einiges zu entdecken, etwa von den diversen Marssonden: Und da sind 2014 gleich zwei hinzugekommen - der indische Mars Orbiter und die NASA-Sonde MAVEN. Zusammen mit ihren "Kollegen" im Marsorbit und auf der Oberfläche des Roten Planeten verfolgten sie 2014 ein seltenes Schauspiel, nämlich den Vorüberflug des Kometen Siding Spring am Roten Planeten.

Der Marsrover Curiosity konnte im Juni sein erstes abgeschlossenes Marsjahr auf dem Roten Planeten feiern und erreichte im September die Hänge des Zentralbergs des Gale-Kraters. Unlängst lieferte Curiosity faszinierende Daten über Methan in der Marsatmosphäre.

Was sorgte noch für Schlagzeilen in diesem Jahr? Im Januar eine von Studenten zufällig entdeckte Supernova in der Galaxie M82, im März der vermeintlich erste direkte Beweis für die Inflationsphase des Universums. Die damals präsentierten Daten und ihre Auswertung sind allerdings inzwischen mehr als umstritten.

Die Sonde Venus Express beendete ihre Mission und machte zuvor noch ein "heißes Experiment". Dem Flugzeugteleskop SOFIA drohte zunächst die Einmottung , es kam dann aber doch zur Generalüberholung nach Hamburg und wird im Januar seinen Beobachtungsbetrieb wieder aufnehmen. Die ESO begann mit dem Bau des European Extremely Large Telescope.

Auch 2015 verspricht ein spannendes Jahr zu werden: Die Sonde Dawn hat bereits mit der Anflugphase auf den Zwergplaneten Ceres begonnen, den die Sonde im März erreichen wird. Mitte des Jahres dann wird New Horizons am Pluto vorüberfliegen. Für die Zeit danach wurden in diesem Jahr mithilfe des Weltraumteleskops Hubble drei mögliche Ziele im Kuipergürtel entdeckt.

Wie in jedem Jahr stellt auch dieser Rückblick nur eine kleine Auswahl der Themen vor, die uns auf astronews.com 2014 beschäftigt haben. Jeder wird in unserem Archiv seine eigenen Highlights des Jahres finden. Diskutieren Sie doch Ihre persönlichen Höhepunkte aus Astronomie, Astrophysik und Raumfahrt im astronews.com Forum oder auch auf unseren Seiten bei Facebook oder bei Google+ oder antworten Sie bei Twitter

Sicherlich wird auch das Jahr 2015 viele interessante und auch überraschende Nachrichten für diesen Onlinedienst bereithalten. Wir berichten natürlich weiter und bedanken uns an dieser Stelle ausdrücklich bei allen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern für ihre faszinierende Arbeit, durch die eine Nachrichtenseite wie astronews.com erst möglich wird.

Ein besonderer Dank zudem auch an die Leser, die unsere Arbeit in diesem Jahr im Rahmen von "astronews.com ist mir was wert" mit einem einmaligen oder regelmäßigen Beitrag unterstützt haben. Wir wissen dies sehr zu schätzen.

Bei allen Leserinnen und Lesern bedanken wir uns für die Treue und wünschen für das Jahr 2015 alles Gute.

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