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ISS
Russland will ISS nur bis 2020 betreiben
von Stefan Deiters
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14. Mai 2014

Im Erdorbit läuft noch alles rund: Am Morgen kehrten ein Amerikaner, ein Russe und ein Japaner an Bord einer Sojus-Kapsel von der Raumstation ISS zurück. Auf der Erde jedoch nehmen die Spannungen zu: Gestern erklärte der russische Vizepremierminister, dass Russland die ISS nur bis 2020 benötigt. Die NASA will sie mindestens bis 2024 betreiben. Und auch an anderen Stellen knirscht es.

ISS

Die ISS gerät allmählich in die Turbulenzen der Ukraine-Krise.    Foto: NASA

Nur Optimisten dürften geglaubt haben, dass die diplomatischen Verstimmungen zwischen den USA und Russland infolge der Ukraine-Krise nicht auch die Internationale Raumstation ISS erreichen werden: Nach einer Entscheidung der US-Regierung musste die NASA Anfang April den Kontakt zu offiziellen Vertretern Russlands weitgehend einstellen. Ausgenommen davon war jedoch ausdrücklich der Betrieb der Internationalen Raumstation ISS. Bei der Raumstation sind die USA und Russland die beiden wichtigsten Partner.

So lief der ISS-Betrieb in den vergangenen Wochen auch zunächst unberührt von der Ukraine-Krise weiter. Auch kurz- und mittelfristig dürfte sich daran nichts ändern. Für die längerfristige Zusammenarbeit kam aber nun eine Art Retourkutsche aus Moskau: Der Vizepremierminister Dmitrij Rogosin erklärte gestern, dass Russland kein Interesse daran habe, die ISS - wie von der NASA gewünscht - bis 2024 zu betreiben. "Wir erwarten, dass wir die ISS exakt bis 2020 benötigen werden", so Rogosin. Anschließend wolle sich Russland auf andere, vielversprechendere Projekte konzentrieren.

Die NASA hatte im Januar dieses Jahres angekündigt, die Internationale Raumstation ISS mindestens bis ins Jahr 2024 betreiben zu wollen. Zwischen den internationalen Partnern der Station, außer Russland und den USA sind dies noch die ESA, Japan und Kanada, war bislang ein Betrieb bis 2020 vereinbart gewesen. Im Januar war durch die Verlautbarungen der NASA und ihrer Vertreter der Eindruck erweckt worden, als sei eine Einigung mit Russland über eine entsprechende Verlängerung der Betriebsdauer bereits erfolgt oder nur noch eine Formsache. Die aktuellen Ereignisse zeigen nun, dass dies offenbar nicht so war. Auch die anderen ISS-Partner haben sich noch nicht auf eine Verlängerung des ISS-Betriebs festgelegt.

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Die NASA ist gegenwärtig noch von Russland abhängig: Nach Einstellung der Shuttle-Flüge verfügt nur Russland über die Möglichkeit Personen zur Internationalen Raumstation zu bringen. Eine Kooperation mit China ist der NASA nach US-Gesetzen verboten. Ein US-amerikanisches kommerzielles Raumschiff zum Transport der Besatzung dürfte wohl erst in einigen Jahren einsatzbereit sein. Die Verlängerung des ISS-Betriebs wurde von Beobachtern auch als Zeichen an US-Unternehmen gewertet, dass nach der teuren Entwicklung eines Raumschiffs zum Transport von Astronauten zur ISS auch mit einer größeren Zahl an entsprechenden Transportaufträgen gerechnet werden kann.

Auch an anderer Stelle bekommt die amerikanische Raumfahrtindustrie ihre Abhängigkeit von Russland zu spüren: So nutzen die amerikanischen Trägerraketen vom Typ Atlas 5 für die erste Raketenstufe Triebwerke, die aus russischer Produktion stammen. Der Vizepremierminister, der auch für die russische Rüstungs- und Weltraumindustrie verantwortlich ist, verbreitete über den Kurznachrichtendienst Twitter, dass Russland auch weiter die entsprechenden Triebwerke liefern würde, verlangte aber die Zusicherung, dass diese nicht im Interesse des US-Verteidigungsministeriums genutzt werden.

Allerdings scheint auch dies ein eher langfristiges Problem zu sein: Der Betreiber der Altas 5, die United Launch Alliance, hat nach eigenen Angaben noch ausreichend Triebwerke auf Lager, um mindestens die für die kommenden 24 Monate geplanten Starts durchführen zu können. Die Abhängigkeit von russischen Triebwerken dürfte aber angesichts der aktuellen Spannungen niemanden in den USA freuen.

Auch für das amerikanische Global Positioning System (GPS) könnte es bald Probleme geben: Die USA verfügen über 13 Bodenstationen für das Netz aus Navigationssatelliten auf russischem Territorium. Für das konkurrierende russische GLONASS-System möchte Russland nun auch entsprechende Einrichtungen auf US-amerikanischem Gebiet betreiben. Sollte es darüber nicht bald eine Einigung geben, so hieß es gestern von russischer Seite, würden die GPS-Bodenstationen in Russland geschlossen.

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siehe auch
NASA: NASA schränkt Kontakte zu Russland ein - 3. April 2014
ISS: NASA will Betrieb bis mindestens 2024 - 9. Januar 2014
ISS - die astronews.com Berichterstattung über die Internationale Raumstation
Links im WWW
NASA
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