Home  |  Nachrichten  | Frag astronews.com  | Bild des Tages  |  Kalender  | Glossar  |  Links  | Forum  | Über uns    
astronews.com  
Nachrichten

astronews.com
astronews.com

Der deutschsprachige Onlinedienst für Astronomie, Astrophysik und Raumfahrt

Home  : Nachrichten : Teleskope : Artikel [ Druckansicht ]

 
SUBARU
Direkter Blick auf einen Super-Jupiter
Redaktion / Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für Astronomie
astronews.com
19. November 2012

Mithilfe des Subaru-Teleskops auf Hawaii haben Astronomen einen massereichen Planeten um den Stern Kappa Andromedae direkt beobachten können. Der Gasriese hat etwa die 13-fache Masse des Jupiter und könnte damit auch ein Brauner Zwerg sein. Die Forscher glauben aber, dass Kappa Andromedae b wie ein Planet in einer protoplanetaren Scheibe um seinen Zentralstern entstanden ist.

Kappa Andromedae

Falschfarben-Nahinfrarotbild des Kappa Andromedae-Systems, aufgenommen mit dem Subaru-Teleskop auf Hawaii im Juli 2012. Bild: NAOJ / Subaru / J. Carson (College of Charleston) / T. Currie (University Toronto)  [Großansicht

Von den bislang bekannten knapp 850 extrasolaren Planeten - also Welten, die andere Sterne umkreisen als die Sonne - existieren nur von einem kleinen Teil direkte Aufnahmen. Die allermeisten Nachweise gelangen lediglich indirekt. Grund dafür ist, dass Sterne ungleich heller sind als ihre Planeten und diese schlicht überstrahlen.

Jetzt ist einem Team von Astronomen, das von Joseph Carson vom College of Charleston und dem Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg geleitet wird, eine Aufnahme eines großen "Super-Jupiter" gelungen, der den Stern Kappa Andromedae umkreist, ein Stern mit der etwa 2,5-fachen Masse der Sonne. Die Forscher nutzten für ihre Beobachtungen das Subaru-Teleskop, ein 8-Meter-Spiegelteleskop auf dem Gipfel des Mauna Kea auf Hawaii, das vom japanischen Nationalobservatorium betrieben wird.

Kappa Andromedae ist ein sehr junger Stern und rund 170 Lichtjahre von der Erde entfernt. Sein Alter schätzen die Astronomen auf rund 30 Millionen Jahre. Unsere Sonne ist hingegen etwa fünf Milliarden Jahre alt. Um die Aufnahme seines Begleiters Kappa Andromedae b überhaupt gewinnen zu können, mussten die Astronomen sowohl bei der Beobachtung als auch bei der Auswertung ausgefeilte Instrumente und Methoden anwenden.

Als besondere Herausforderung kam hinzu, dass das neuentdeckte Objekt von seinem Mutterstern weniger als doppelt soweit entfernt ist wie Neptun von der Sonne - die meisten bisherigen Aufnahmen gelangen bei extrasolaren Planeten, die noch deutlich weiter von ihrem Mutterstern entfernt sind. Mit einer Masse von rund 13 Jupitermassen könnte das Objekt Kappa Andromedae b entweder ein Planet oder ein sehr massearmer "Brauner Zwerg" sein, also eine stellares Objekt, das nicht über ausreichend Masse verfügt, um die nuklearen Fusionsprozesse im Inneren dauerhaft in Gang zu setzen. Die verfügbaren Daten sprechen aber dafür, dass es sich um einen Planeten handelt.

Werbung

Interessant ist an der Entdeckung vor allem, dass sich das Objekt um einen jungen, massereichen Stern bewegt. Zusammen mit der Information über den Abstand des Planeten von seinem Stern bedeutet das, dass sich das Objekt sehr wahrscheinlich so gebildet hat wie normale Planeten niedrigerer Masse: in einer protoplanetaren Scheibe aus Gas und Staub, die den jungen Stern während seiner frühesten Entwicklungsphasen umgeben hat.

In den vergangenen Jahren haben Beobachter und Theoretiker argumentiert, dass massereichere Sterne wie Kappa Andromedae auch mit größerer Wahrscheinlichkeit massereichere Planeten haben sollten als etwa unsere Sonne. Andererseits gab es Bedenken, dass bei besonders massereichen Sterne gar nicht die richtigen Voraussetzungen für herkömmliche Planetenentstehung vorliegen könnten: Solche Sterne senden enorme Mengen an hochenergetischer Strahlung aus, die große Teile einer in Entstehung befindlichen protoplanetaren Scheibe schlicht zersetzen und zerstreuen könnte. Damit würden die üblichen Prozesse der Planetenentstehung stark behindert, vielleicht sogar unmöglich gemacht.

Die Entdeckung des "Super-Jupiters" Kappa Andromedae b legt jetzt nahe, dass zumindest Sterne bis zum zweieinhalbfachen der Sonnenmasse in protoplanetaren Scheiben große Planeten produzieren können - eine Schlüsselinformation für Forscher, die an Modellen der Planetenentstehung arbeiten.

Ein entscheidender Vorteil des direkten Nachweises ist, dass der Exoplanet unmittelbar weiteren astronomischen Beobachtungstechniken zugänglich ist, etwa der genauen Analyse seines Lichts mit Hilfe der Spektroskopie. Entsprechende weitere Untersuchungen von Kappa Andromedae b sollen jetzt Daten zur chemischen Zusammensetzung der Atmosphäre des Gasriesen liefern sowie helfen, seine Bahndaten genauer zu bestimmen und mögliche weitere Planeten nachzuweisen.

Die Entdeckung, über die die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Astrophysical Journal Letters berichten, ist somit ein wichtiger Testfall für aktuelle Modelle der Planetenentstehung und ihre Vorhersagen zu Planeten um massereichere Sterne als unsere Sonne.

Forum
Direkter Blick auf einen Super-Jupiter. Diskutieren Sie mit anderen Lesern im astronews.com Forum.
siehe auch
Extrasolare Planeten: Planetenfunde im Hubble-Archiv - 7. Oktober 2011
Extrasolare Planeten: Kleines Teleskop fotografiert drei Exoplaneten - 15. April 2010
VLT: Erstes direktes Spektrum eines Exoplaneten - 13. Januar 2010
Keck & Gemini: Drei Exoplaneten auf einem Bild - 13. November 2008
Ferne Welten - unsere Berichterstattung über die Suche nach extrasolaren Planeten und außerirdischem Leben
Links im WWW
Preprint des Fachartikels bei arXiv.org
Max-Planck-Institut für Astronomie
In sozialen Netzwerken empfehlen
 
 
Werbung
Werbung
astronews.com 
Nachrichten Forschung | Raumfahrt | Sonnensystem | Teleskope | Amateurastronomie
Übersicht | Alle Schlagzeilen des Monats | Missionen | Archiv
Weitere Angebote Frag astronews.com | Forum | Bild des Tages | Newsletter
Kalender Sternenhimmel | Startrampe | Fernsehsendungen | Veranstaltungen
Nachschlagen AstroGlossar | AstroLinks
Info RSS-Feeds | Soziale Netzwerke | astronews.com ist mir was wert | Werbung | Kontakt | Suche
Impressum | Nutzungsbedingungen | Datenschutzerklärung
     ^ Copyright Stefan Deiters und/oder Lieferanten 1999-2017. Alle Rechte vorbehalten.  W3C

© astronews.com / Stefan Deiters und/oder Lieferanten 1999 - 2017
Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung nur mit Genehmigung.


URL dieser Seite: http://www.astronews.com/news/artikel/2012/11