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STERNHAUFEN
Überraschendes aus dem Orionnebel
Redaktion / idw / Pressemitteilung der Universität Wien
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14. November 2012

Der Orionnebel im prominenten Wintersternbild Orion ist ein aktives und vergleichsweise nahes Sternentstehungsgebiet und dürfte mit zu den am besten untersuchten Objekten dieser Art gehören. Eine neue Studie zeigt nun aber, dass insbesondere der Sternhaufen im Zentrum des Nebels nicht ganz das ist, was man bislang angenommen hatte.

Orion-Nebel

Hubble-Aufnahme des Orionnebels. Bild: NASA,ESA, M. Robberto (Space Telescope Science Institute/ESA) und das Hubble Space Telescope Orion Treasury Project Team [Großansicht als Bild des Tages vom 19. März 2009]

Der Orionnebel ist in klaren Winternächten bereits mit freiem Auge erkennbar. Schon vor rund 400 Jahren beschrieb ihn der französische Astronom Nicolas-Claude Fabri de Peiresc als "Nebel". Der Orionnebel ist also bereits seit der frühen teleskopischen Erforschung des Himmels bekannt - doch erst in den letzten 60 Jahren wurde die astrophysikalische Bedeutung dieses Himmelsobjekts deutlich.

Der Orionnebel ist nämlich eine sehr produktive Geburtsstätte von Sternen in unserer Milchstraße. Im Bereich dieses Gasnebels fand man eine Vielfalt an werdenden Sternen und sternähnlichen Objekten - von massereichen Exemplaren, die mehrere Dutzend Sonnenmassen in sich vereinen, bis hin zu Objekten, die als "Braune Zwerge" bezeichnet werden und die zu wenig Masse haben, um durch Fusionsprozesse dauerhaft zu leuchten.

Das Besondere am Orionnebel ist, dass er unter allen bekannten Sternentstehungsgebieten der Erde am nächsten liegt und sich in ihm damit die Geburt von Sternen ausgezeichnet untersuchen lässt. Der Nebel wurde so zum "goldenen Standard" für Studien über Sternentstehung. In seinem Zentrum befindet sich ein massereicher Sternhaufen aus jungen Sternen, deren prominenteste Vertreter vier helle junge Sonnen sind, die als Trapezsterne bezeichnet werden.

Die Auswertung von Daten aus Beobachtungen mit dem Canada-French-Hawaii Telescope (CFHT), dem 1,23-Meter-Teleskop auf dem Calar Alto und dem Infrarot-Weltraumteleskop Spitzer führte nun allerdings zu einer - für ein so gründlich untersuchtes Objekt - überraschenden Erkenntnis: "Es gibt noch einen zweiten massereichen Haufen aus etwas älteren Sternen, der von uns aus gesehen 'vor' dem Orionnebel steht", berichtet João Alves, Professor für Stellare Astrophysik der Universität Wien. Zwar war dieser zweite Haufen schon seit den 1960er-Jahren bekannt, aber die CHFT-Beobachtungen hätten erst jetzt gezeigt, wie viel Masse in ihm steckt. Diese Masse ist zudem nicht gleichförmig verteilt, sondern um den Stern Iota Orionis konzentriert, der die südliche Spitze des "Schwerts des Orion" bildet.

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Dieser Befund ist aus zwei Gründen bedeutend: Er zeigt auf, dass es sich bei dem identifizierten Sternhaufen um einen nur geringfügig älteren "Bruder" des "Trapez-Haufens" im Zentrum des Orionnebels handelt.  Außerdem verdeutlicht er, dass der "Orionnebel-Haufen" in Wirklichkeit eine komplizierte Mischung aus zwei Sternhaufen sowie einigen nicht dazugehörenden Milchstraßen-Sternen ist.

"Für mich ist das größte Rätsel, warum der etwas ältere Sternhaufen, der Iota-Orionis-Haufen, so nahe an dem jüngeren Haufen liegt, der sich im Inneren des Orionnebels noch bildet", so Alves. Es sei noch völlig offen, wie diese neuen Beobachtungsbefunde mit gängigen Modellen der Sternhaufen-Entstehung zu vereinbaren sind. "Wir scheinen etwas Fundamentales noch nicht verstanden zu haben. Die Bildung von Sternhaufen ist wahrscheinlich der dominante Weg zur Sternentstehung im Universum, aber wir sind weit entfernt davon, genau zu wissen, warum."

"Wir müssen unsere Vorstellungen von den Beobachtungsgrößen revidieren, die wir bisher für die zuverlässigsten Indikatoren der Stern- und Sternhaufen-Entstehung hielten," verdeutlicht Co-Autor Hervé Bouy vom Centro de Astrobiologia in Madrid die Bedeutung der Untersuchung. Es seien nun weitere Beobachtungen nötig, um die beiden vermischten Sternpopulationen - Stern für Stern - auseinanderhalten zu können. "Denn nur dadurch können wir die Stern- und auch die Planetenentstehung in der Region des Orionnebels verstehen."

Alves und Bouy berichten über ihre Untersuchung in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Astronomy & Astrophysics.

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siehe auch
Sternhaufen: Schwarzes Loch im Orionnebel? - 12. September 2012
VLTI: Detaillierter Blick ins Herz des Orion-Nebels - 2. April 2009
Links im WWW
Preprint des Fachartikels bei arXiv.org
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