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HUBBLE
Fahndung im Supernova-Überrest
von Stefan Deiters
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13. Januar 2012

Astronomen haben mit Hilfe des Weltraumteleskops Hubble das Rätsel um eine Supernova-Explosion in der Großen Magellanschen Wolke gelöst. Die Sternexplosion wurde wahrscheinlich durch die Kollision von zwei Weißen Zwergsternen verursacht. Eine andere Möglichkeit schied nach einer gründlichen Suche rund um den Explosionsort aus.

SNR 0509-67.5

Blick auf den Supernova-Überrest SNR 0509-67.5 in der Großen Magellanschen Wolke. Bild: NASA, ESA, CXC, SAO, das Hubble Heritage Team (STScI/AURA) und J. Hughes (Rutgers University)   [Großansicht]

Der Supernova-Überrest SNR 0509-67.5 ist wunderschön anzuschauen und erinnert an das explosive Ende eines Sterns in der Großen Magellanschen Wolke, einer Satellitengalaxie der Milchstraße in 170.000 Lichtjahren Entfernung. Doch wie genau kam es zu dieser Explosion, die vor einigen hundert Jahren, zu sehen gewesen sein muss? Von früheren Beobachtungen wissen Astronomen, dass es sich um eine Supernova-Explosion von Typ Ia gehandelt hat. Zwar gibt es keine direkten Beobachtungsberichte der Supernova, doch entdeckten Wissenschaftler ein Lichtecho des damaligen Ereignisses - Licht der Supernova wurde durch interstellaren Staub reflektiert und dessen Ankunft auf der Erde so um rund 400 Jahre verzögert. Die spektrale Analyse dieses Lichts verriet den Forschern dann den Supernova-Typ.

Zu einer Supernova vom Typ Ia kommt es nach den Theorien der Astronomen durch die Explosion eines Weißen Zwergsterns, also des kompakten Überrestes eines normalen Sterns. Bei Weißen Zwergen besteht in der Regel nicht die Gefahr einer Explosion, es sei denn, sie haben einen Begleitstern, von dem sie so viel Material abziehen, dass sie eine kritische Grenzmasse erreichen.

Diese äußerst hellen Explosionen spielen in der Astronomie eine wichtige Rolle, da sie auch noch über große Distanzen zu sehen sind und als Entfernungsindikatoren verwendet werden. Sie waren auch bei der Entdeckung, dass sich unser Universum beschleunigt ausdehnt, von großer Bedeutung. Dieser Befund war im vergangenen Jahr mit dem Nobelpreis ausgezeichnet worden.

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Bei einer so jungen Supernova wie SNR 0509-67.5 hätte sich also ganz in der Nähe des Explosionsortes noch der Stern finden lassen müssen, von dem der explodierte Weiße Zwerg einmal das Material aufgenommen hat. Genauso müsste es auch bei anderen Supernova-Überresten dieses Typs sein, wenn denn die Theorie über deren Auslöser zutrifft.

Bradley Schaefer von der Louisiana State University in Baton Rouge und Doktorandin Ashley Pagnotta bereiteten daher 2010 einen Antrag auf Beobachtungszeit vor, um gezielt nach solchen ehemaligen Begleitsternen in Supernova-Überresten in der großen Magellanschen Wolke zu fahnden. Dabei fiel ihnen jedoch auf, dass Hubble bereits eines ihrer ins Auge gefassten Ziele im Rahmen des Hubble Heritage-Projektes beobachtet hatte - SNR 0509-67.5.

Mit diesen Daten suchten die Wissenschaftler nun in der Zentralregion des Supernova-Überrestes nach dem ehemaligen Begleiter des Weißen Zwergsterns. Ohne Erfolg: Zumindest bis zur Nachweisgrenze von Hubble ließ sich hier kein Stern ausmachen. "Die Logik ist dann die gleiche, wie bei dem berühmten Zitat von Sherlock Holmes", meint Schaefer. "Wenn man alles Unmögliche ausgeschlossen hat, ist das was übrig bleibt, die gesuchte Wahrheit, wie unwahrscheinlich diese auch erscheinen mag."

Die Wissenschaftler vermuten, dass SNR 0509-67.5 durch die Kollision von zwei Weißen Zwergsternen entstanden ist. Ein solches Szenario war in den vergangenen Jahren immer wieder als Alternative zum Modell mit einem Weißen Zwerg und einem Begleitstern diskutiert worden (astronews.com berichtete). Die Ergebnisse ihrer Studie veröffentlichten die Astronomen in der aktuellen Ausgabe der Wissenschaftszeitschrift Nature.  

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Links im WWW
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