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JAHRESRÜCKBLICK 2010
Spirit im Winterschlaf, ungewöhnliches Leben und viele neue Welten
von Stefan Deiters
astronews.com
31. Dezember 2010

Traditionell blickt astronews.com am letzten Werktag eines Jahres zurück auf einige herausragende Ereignisse aus Astronomie, Astrophysik und Raumfahrt aus den vergangenen zwölf Monaten. In diesem Jahr bereits zum zwölften Mal, denn astronews.com gibt es seit dem 1. Februar 1999. Auch in diesem Jahr gab es einiges zu berichten: von einem Rover im Winterschlaf, ungewöhnlichem Leben und zahlreichen neuen extrasolaren Planeten.

2010

Machten im Nachrichtenjahr 2010 Schlagzeilen: Der Mono Lake, der Marsrover Spirit, der Komet Hartley 2 und die amerikanischen Raumfähren. Bild: NASA / JPL-Caltech / UMD / Frank Michaux

Das neue Jahr begann mit den Sorgen des alten: Welches Schicksal würde 2010 für den im Sand festgefahrenen Mars Exploration Rover Spirit bereithalten, der sich inzwischen über sechs Jahre auf dem roten Planeten befand? Ende Januar verkündete man, aus dem Rover eine stationäre Forschungsstation machen zu wollen - sollte er denn den schwierigen Winter überstehen. Ende März fiel Spirit dann in einen Winterschlaf und seitdem wartet man auf ein Signal des Rovers - bislang erfolglos.

Anfang des Jahres versuchte man auch mehrfach, ein Signal des Marslanders Phoenix aufzufangen, der sich rein theoretisch nach dem strengen Winter am Marsnordpol wieder reaktiviert haben könnte. Entsprechende Hoffnungen erfüllten sich allerdings nicht. Doch es gab auch Positives vom Mars zu berichten: Der zweite Marsrover Opportunity stellte im Mai einen neuen Rekord auf und befindet sich weiterhin auf der Fahrt zum Endeavour-Krater. Die europäische Sonde Mars Express untersuchte den Marsmond Phobos aus der Nähe. In Moskau begann unterdessen eine simulierte Marsmission.

Auch andere Objekte des Sonnensystems standen 2010 im Visier der Astronomen: Mit Hilfe von Meteoriten wurde das Alter des Sonnensystems neu berechnet und das Weltraumteleskop Hubble entdeckte die Spuren einer Asteroidenkollision und zahlreiche Trans-Neptun-Objekte. Rosetta lieferte eindrucksvolle Bilder des Asteroiden Lutetia und IBEX machte eine überraschende Entdeckung am Rand des Sonnensystems. Dank EPOXI gelang ein eindrucksvoller Blick auf den Kometen Hartley 2. Die Saturnmission Cassini wurde von der NASA bis 2017 verlängert, im Februar lieferte die Sonde neue Bilder aus der Tigerstreifen-Region des Mondes Enceladus.

Apropos NASA: Die US-Regierung unter Präsident Obama verwarf 2010 die Pläne, die sein Vorgänger für die NASA gemacht hatte. Man bekannte sich weiter zur ISS, stoppte jedoch das Constellation-Programm. Die Planungen für eine bemannte Mondmission wurden eingestellt. Nach Obamas Willen richtet die NASA ihren Blick zukünftig auf Asteroiden, verliert aber auch den Mars nicht aus dem Visier. Am Schicksal der amerikanischen Raumfähren änderte sich dadurch nichts: Sie sollten eigentlich 2010 letztmals abheben. Allerdings schaffte dies nur die Atlantis im Mai, der letzte Start der beiden anderen Shuttle Discovery und Endeavour verschob sich in das Jahr 2011.

2010 wurde auch entschieden, dass der Weltraumcontainer Leonardo fester Bestandteil der ISS werden und diese bis mindestens 2020 betrieben werden soll. Im Sommer brachte ein Ausfall des Kühlsystems die Astronauten "ins Schwitzen". Es wurde während mehrerer Außenbordeinsätzen  repariert. Im November ging der Einsatz des deutschen Roboterarms auf der ISS zu Ende. Mit Dragon startete im Dezember der erste Prototyp eines kommerziellen Raumtransporters für die ISS.

Die deutsche Raumfahrt konnte sich 2010 über einige Erfolge freuen: Der Kleinsatellit CHAMP feierte noch sein zehnjähriges Jubiläum im All, bevor er zwei Monate später in der Atmosphäre verglühte. Mit TanDEM-X startete ein zweiter deutscher Radarsatellit, der erste Bilder in Rekordzeit lieferte und zusammen mit dem Satelliten TerraSAR-X auch die Erstellung erster 3D-Bilder erlaubte. 

Natürlich waren auch extrasolare Planeten 2010 wieder ein Thema. Die NASA-Sonde Kepler entdeckte ihre ersten fünf Exoplaneten, am VLT wurde das erstes direkte Spektrum einer fernen Welt aufgenommen und auch ansonsten wurden zahlreiche weitere Beobachtungen gemacht, die manchmal überraschend waren und nicht immer ins Bild der Astronomen passten. Die "zweite Erde" war wieder nicht darunter, was dazu führte, dass der Begriff "bislang erdähnlichster Planet" immer wieder in den Pressemitteilungen auftauchte, um sich auch angesichts von mehr als 500 entdeckten Exoplaneten die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit zu sichern.

Auch mehrere Teleskope sorgten 2010 für Schlagzeilen: Das Infrarotteleskop WISE begann mit dem regulären Betrieb, die ESO legte den Standort für ihr 42 Meter-Teleskop fest, SOFIA, das Teleskop im Jumbojet, feierte das "First Light" und in den Niederlanden fiel der königlicher Startschuss für das Radioteleskop LOFAR. In der Antarktis wurde mit IceCube das weltgrößtes Neutrino-Teleskop fertiggestellt, das Solar Dynamics Observatory lieferte erste Bilder und das Weltraumteleskop Hubble feierte seinen 20. "Geburtstag". Das Neutrino-Teleskop ANTARES machte die wohl ungewöhnlichste Entdeckung: Es spürte nämlich Pottwale im Mittelmeer auf.

Anfang Dezember lieferte die NASA noch einmal einen Beweis dafür, dass sie das Spiel der PR wie wohl keine andere Weltraumagentur beherrscht. In einer geschickt formulierten Presseeinladung wurde der Eindruck erweckt, dass man quasi "außerirdisches Leben" auf der Erde entdeckt hatte. Tatsächlich gab die NASA dann bekannt, dass es gelungen war, Organismen aufzuspüren, die statt Phosphor hochgiftiges Arsen für den Stoffwechsel verwenden können. Dieser PR-Coup der NASA wurde anschließend oft recht kritisch kommentiert - auch von anderen Wissenschaftlern, die der Ansicht sind, dass die Daten der NASA-Forscher etwas überinterpretiert worden sind.

Und was passierte sonst noch im Jahr 2010? Am Large Hadron Collider freuten sich die Wissenschaftler über erste Resultate,, Astronomen fanden eine unabhängige Bestätigung für die dunkle Energie und stellten fest, dass die Relativitätstheorie auch auf großen Skalen stimmt. Mit Hilfe von Gravitationslinsen berechneten sie zudem das Alter des Universums neu. Für die LISA-Mission zur Suche nach Gravitationswellen gab es eine wichtige Empfehlung aus Amerika und am CERN fingen Forscher Anti-Wasserstoff ein.. Die Mission der japanischen Sonde Hayabusa endete erfolgreich mit der Rückkehr zur Erde. Mit Akatsuki starteten die Japaner 2010 auch eine Sonde zur Venus, deren Einschwenken in einen Venusorbit allerdings nicht gelang.

Jeder wird in unserem Archiv seine eigenen Highlights des Jahres 2010 finden. Diskutieren Sie doch Ihre persönlichen Höhepunkte aus Astronomie, Astrophysik und Raumfahrt im astronews.com Forum oder auch auf unserer Seite bei Facebook. Sicherlich wird auch das Jahr 2011 viele interessante Nachrichten für diesen Online-Dienst bereithalten. Wir werden weiter berichten und bedanken uns an an dieser Stelle ausdrücklich bei allen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern für ihre faszinierende Arbeit, durch die eine Nachrichtenseite wie astronews.com erst möglich wird.

Unseren Leserinnen und Lesern danken wir für die Treue und wünschen für das Jahr 2011 alles Gute.

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