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CERN
Forscher fangen Anti-Wasserstoff ein
von Rainer Kayser
18. November 2010

Am europäischen Kern- und Teilchenforschungszentrum CERN in Genf konnten Wissenschaftler erstmals Antimaterie einfangen. Ihnen gelang es, insgesamt 38 Anti-Wasserstoff-Atome für 0,17 Sekunden in einer speziellen Falle festzuhalten. Nun hoffen sie, den Anti-Wasserstoff bald gründlicher untersuchen zu können, um hinter das Geheimnis der fehlenden Antimaterie im Weltraum zu kommen.

Antimaterie

Dieses Bild zeigt die Signale von nicht eingefangenen Anti-Wasserstoffatomen, die gerade zerstrahlen. Bild: CERN

Im Rahmen eines Experiments am europäischen Kern- und Teilchenforschungszentrum CERN ist es erstmals gelungen, Anti-Wasserstoff-Atome einzufangen und kontrolliert wieder freizugeben. Insgesamt 38 Anti-Wasserstoff-Atome konnten für 0,17 Sekunden in einer magnetischen Falle festgehalten werden, berichtet das Forscherteam des ALPHA-Experiments in einer Online-Veröffentlichung im Fachblatt Nature. Damit öffne sich, so die Wissenschaftler, die Tür zu einer Untersuchung der Eigenschaften von Anti-Wasserstoff - und der Überprüfung fundamentaler Symmetrien im so genannten Standardmodell der Teilchenphysik.

Die Abwesenheit von Antimaterie im Kosmos ist eines der großen Rätsel der Physik. Denn Symmetrien der Naturgesetze sorgen dafür - so sagt zumindest das Standardmodell -, dass Teilchen und Antiteilchen sich gleich verhalten. Beim Urknall sollte deshalb ebenso viel Antimaterie wie Materie entstanden sein - warum ist diese Antimaterie verschwunden? Ursache könnte eine Verletzung der fundamentalen Symmetrien sein. Eine solche Symmetrie-Verletzung könnte sich beispielsweise durch Unterschiede im Strahlungsspektrum von Wasserstoff und Anti-Wasserstoff bemerkbar machen.

Die Produktion von Anti-Wasserstoff ist seit einigen Jahren am CERN Routine. Doch die Anti-Materie ist kurzlebig und wird durch den Kontakt zu normaler Materie in kürzester Zeit wieder vernichtet. Um die Eigenschaften von Anti-Wasserstoff untersuchen zu können, müssen die Physiker die Atome einfangen und vor der Vernichtung bewahren. Dies gelang nun im Rahmen des Experiments ALPHA.

Die Forscher verwendeten dazu eine spezielle magnetische Falle, die mit dem magnetischen Moment der Atome in Wechselwirkung tritt. Doch diese Falle kann nur Atome mit einer Temperatur von 0,5 Grad über dem absoluten Nullpunkt festhalten. "Die extreme experimentelle Herausforderung war, derart kalte Atome aus Plasmen geladener Teilchen mit einer Temperatur von 10 hoch 5 Kelvin zu synthetisieren", so die ALPHA-Forscher, "und das seltene Auftauchen eines solchen Atoms eindeutig von Hintergrund-Prozessen zu unterscheiden."

Insgesamt landeten nach der Wechselwirkung von zehn Millionen Antiprotonen und 700 Millionen Positronen gerade einmal 38 Anti-Wasserstoff-Atome in der Falle - aber immerhin für länger als eine Zehntel Sekunde. Lange genug, so konstatieren die Wissenschaftler, um künftig Anti-Wasserstoff eingehend untersuchen zu können. Mit weiteren Verbesserungen an dem Experiment hofft das ALPHA-Team außerdem, sowohl die Ausbeute an gefangenen Atomen als auch die Verweildauer der Atome in der Falle zu vergrößern.

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siehe auch
Teilchenphysik: Die vierte Eigenschaft des Elektrons - 19. Juli 2010
Antimaterie: Forscher werfen Blick in Gegenwelt - 30. Oktober 2002
Teilchenphysik: Der Unterschied von Materie und Antimaterie - 13. Juli 2001
Links im WWW
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