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Bedingungen, die deutlich lebensfreundlicher sind als die, die man heute auf dem Mars antreffen kann, könnten früher auf dem gesamten roten Planeten geherrscht haben. Im Inneren von Kratern auf der Nordhalbkugel des Mars entdeckte man nämlich Mineralien, die darauf hindeuten, dass es auch hier einmal flüssiges Wasser gegeben haben muss.
Die in der vergangenen Woche vorgestellte Untersuchung basiert auf Daten der NASA-Sonde Mars Reconnaissance Orbiter und der ESA-Sonde Mars Express. Beide Sonden konnten hydratisiertes Silikatgestein in der nördlichen Tiefebene des roten Planeten nachweisen - ein klarer Hinweis darauf, dass hier einmal Wasser geflossen sein muss. Zuvor waren unzählige Stellen auf der Südhalbkugel des Mars entdeckt worden, wo offenbar das dortige Gestein durch flüssiges Wasser verändert worden war. Als Indiz dafür gilt der Fund von Tonmineralen, die man auch als Schichtsilikate bzw. Phyllosilicate bezeichnet. Dies führte zu der Annahme, dass die Umweltbedingungen auf der Südhalbkugel einst deutlich wärmer und feuchter als heute gewesen sein müssen. Allerdings gab es bislang entsprechende Funde auf der Nordhalbkugel des roten Planeten nicht. Die Suche dort wird durch eine dicke Lavaschicht sowie Sedimentablagerungen erschwert, die das darunter liegende Gestein verdecken. Erste Hinweise darauf, dass es auch auf der Nordhalbkugel hydratisierte Silikate geben könnte, lieferte das OMEGA-Instrument an Bord von Mars Express. Allerdings fand die Sonde nur sehr kleine Vorkommen, so dass noch detailliertere Beobachtungen nötig waren, um den Fund bestätigen zu können. Diese Aufgabe übernahm der Mars Reconnaissance Orbiter. Er untersuchte 91 größere Einschlagkrater, die so tief waren, dass in ihnen verborgene Gesteinsschichten freigelegt wurden. Das Team konnte so in mindestens neun dieser Krater Schichtsilikate oder andere hydratisierte Silikate nachweisen - und zwar genau die gleichen, die man auch auf der Südhalbkugel des Mars gefunden hatte. "Wir können nun sagen, dass der gesamte Planet vor mehr als vier Milliarden Jahren durch flüssiges Wasser verändert wurde", erläutert John Carter von der Universität in Paris die Bedeutung der Ergebnisse. Die nur geringe Zahl von weit verstreut liegenden Fundstellen auf der Nordhalbkugel macht allerdings eine Aussage über die damaligen Umweltbedingungen schwierig. Art und Fundstellen der Mineralien liefern jedoch zumindest einige Hinweise. "Sie sind reich an Eisen und Magnesium, enthalten aber weniger Aluminium. Dass sie sich zudem in unmittelbarer Nähe von Olivinen fanden, das sehr leicht von Wasser verändert wird, deutet darauf hin, dass sie nur kurz, vielleicht zehn bis einige 100 Millionen Jahre Wasser ausgesetzt waren", so Jean-Pierre Bibring von der Universität in Paris, der für das OMEGA-Instrument an Bord von Mars Express verantwortlich ist. Die lebensfreundliche Periode des Mars dürfte also nur eine relativ kurze Zeit angedauert haben. Die Wissenschaftler fanden auch keine Hinweise darauf, dass anschließend ein großer flacher Ozean die von Lava überzogene nördliche Tiefebene des roten Planeten bedeckte, wie von einigen Forschern vermutet worden war. "Unsere Resultate liefern keinerlei Anzeichen dafür, dass die Lavaebenen im Norden einmal durch Wasser verändert worden sind", so Bibring. Trotzdem könnte es auch dem Mars zumindest eine Zeitlang so lebensfreundlich gewesen sein, dass primitive Organismen entstehen konnten - ein wichtiger Fingerzeig für die Auswahl einer Landestelle für künftige Missionen. "Bei diesen Untersuchungen konnten wird anhand der Mineralogie des Mars einiges über seine Geschichte erfahren", so Olivier Witasse, ESA-Projektwissenschaftler für Mars Express. "Es ist ein weiteres Beispiel für die fruchtbaren Zusammenarbeit von europäischen und amerikanischen Wissenschaftlern."
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