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CHANDRA
Eine Galaxie mit zwei Gasschweifen
von Stefan Deiters
astronews.com
22. Januar 2010

Im Spätsommer 2007 entdeckten Astronomen einen langen Gasschweif, den die Galaxie ESO 137-001 hinter sich herzieht. Zu ihrer Überraschung entstanden in diesem Gasschweif neue Sterne. Jetzt gelang es mit dem NASA-Röntgenteleskop Chandra einen weiteren Gasschweif der Galaxie aufzuspüren. Die Wissenschaftler sind verblüfft.

Abell 3627

Ein Blick auf den Galaxienhaufen Abell 3627. In blau die von Chandra entdeckte Röntgenstrahlung von zwei langen Gasschweifen, die von der Galaxie ESO 137-001 ausgehen. Bild: NASA / CXC / UVa / M. Sun, et al (Röntgen), SOAR (UVa / NOAO / UNC / CNPq-Brazil) / M.Sun et al. (optisch/H-alpha) [Großansicht]

"Dieser doppelte Schweif ist schon wirklich cool", meint Megan Donahue, die an den Beobachtungen beteiligt war und als Professorin für Physik und Astronomie an der Michigan State University arbeitet. "Das bedeutet, er ist äußerst interessant und nur sehr schwer zu erklären. Es könnte zwei verschiedene Quellen für das Gas geben oder aber das ganze hat etwas mit Magnetfeldern zu tun, wir wissen es einfach nicht."

Der entdeckte Gasschweif ragt über 200.000 Lichtjahre ins All hinaus und befindet sich damit schon weit außerhalb der Galaxie. Dass in Ansammlungen von Gas neue Sterne entstehen ist nicht ungewöhnlich, doch ist die Sternentstehung in der Regel auf Regionen innerhalb von Galaxien beschränkt. Im September 2007 entdeckte man aber, dass in einem Gasschweif neue Sterne entstehen (astronews.com berichtete).

"Dieses System ist wirklich verrückt, weil wie hier Sternentstehung sehen, die sich weit entfernt von jeder Galaxie abspielt", so Donahue. "Sterne entstehen meist in den Scheiben von Galaxien. Was wir hier sehen ist vollkommen unerwartet."

Unerwartet war auch der Nachweis eines zweiten Gasschweifs, der jetzt bei langen Beobachtungen mit dem NASA-Röntgenteleskop Chandra entdeckt wurde. Die beiden Schweife gehen von der Galaxie ESO 137-001 aus, die Teil des Galaxienhaufens Abell 3627 ist. Die im Röntgenbereich (blau) sichtbaren Schweife entstehen durch die Bewegung der Galaxie auf das Zentrum des Haufens zu. Dabei wird kühles Gas (mit einer Temperatur von etwa zehn Grad über dem absoluten Nullpunkt) von dem heißem Gas im Haufen (mit Temperaturen von etwa 100 Millionen Grad Celsius) aus der Galaxie gerissen.

Eventuell handelt es sich bei den beiden Gasschweifen also um Material, das aus den beiden Spiralarmen von ESO 137-001 stammt. Dieses Herausreißen von kühlem Gas aus der Galaxie dürfte einen erheblichen Einfluss auf ihre Entwicklung haben, da kaltes Gas unerlässlich für die Entstehung neuer Sterne ist. Dass sich die Temperatur des Gases in den Schweifen und auch die Breite der Schweife mit zunehmender Entfernung von ESO 137-001 kaum ändert, dürfte manchem Theoretiker noch Kopfzerbrechen bereiten.

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siehe auch
Chandra: Die einsamen Sterne von ESO 137-001 - 21. September 2007
Links im WWW
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