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GALAXIEN
Zwei neue Gezeitenströme um Andromeda
Mit Hilfe des japanischen Subaru-Teleskops und des Keck II-Teleskops auf Hawaii wurden nun zwei bislang unbekannte Gezeitenströme um unsere Nachbargalaxie Andromeda entdeckt. Es handelt sich dabei um die Überreste von Zwerggalaxien, die Andromeda innerhalb der vergangenen ein bis zwei Milliarden Jahre verschluckt hat. Der Fund liefert Hinweise auf die Entstehung und Entwicklung von großen Galaxien.
![]() Falschfarben-Karte, die die Dichte von roten Riesensternen um die Andromeda-Galaxie zeigt. Die neu entdeckten Gezeitenströme E und F sind oben rechts zu sehen. In der Mitte die bekannte Ansicht der Andromeda-Galaxie. |
Nach Angaben von Puragra Guhathakurta von der University of California in Santa Cruz ist die Andromeda-Galaxie (M31) ein ideales Studienobjekt, um die Entstehung und Entwicklung von großen Galaxien zu untersuchen. Der Astronom ist Leiter des Projektes Spectroscopic and Photometric Landscape of Andromeda’s Stellar Halo (SPLASH), in dem von einem internationalen Team rote Riesensterne in unserer Nachbargalaxie kartiert werden.
Das Aufspüren von Gezeitenströmen sei wichtig, erläutert Guhathakurta, da diese ein Verbindungsglied zwischen den noch intakten Zwerggalaxien darstellen und denen, die inzwischen vollständig von einer Galaxie verschluckt wurden und deren Sterne sich mit denen des größeren Systems vermischt haben. Nach dem gegenwärtig favorisierten Modell der Astronomen entsteht der äußere Halo von größeren Galaxien wie Andromeda oder auch der Milchstraße durch Verschmelzung mit kleineren Zwerggalaxien. "Dieser galaktische Kannibalismus ist für das Wachsen einer Galaxie von großer Bedeutung." Die neu entdeckten Gezeitenströme würden nun weitere Hinweise auf diesen Prozess liefern.
Die Ströme wurden zunächst von japanischen Astronomen aufgespürt, die dabei waren, mit Hilfe der Suprime-Cam-Kamera am 8-Meter-Subaru-Teleskop die Dichte von roten Riesensternen in großen Teilen der Andromeda-Galaxie zu kartieren, darunter auch in einem Bereich im Norden, der zuvor noch nicht untersucht worden war. Im Nordwesten der Galaxie entdeckten sie dabei zwei Gezeitenströme, die etwa 200.000 und 300.000 Lichtjahre vom Zentrum Andromedas entfernt liegen.
Das SPLASH-Team hat dann die roten Riesensterne in den Strömen spektral untersucht und konnte so bestätigen, dass es sich tatsächlich um einen Strom von Sternen handelt, die sich mit einer gemeinsamen Geschwindigkeit bewegen. Als nächstes wollen die Forscher nun mit dem Keck-Teleskop die chemische Zusammensetzung der Riesensterne analysieren. Durch Vergleich dieser Daten mit denen von noch intakten Zwerggalaxien sollte man mehr Details über den galaktischen Kannibalismus erfahren.
In der Regel können sich in Zwerggalaxien schlechter schwere chemische Elemente ansammeln. Diese entstehen im Inneren von Sternen und werden dann, durch stellare Winde oder Explosionen, wieder ins All geblasen. Aus dem Gas entstehen dann neue Sterne, mit einem etwas höheren Anteil an schweren Elementen. Wegen ihrer geringeren Masse und der damit verbundenen geringeren Anziehungskraft geht das Gas in Zwerggalaxien aber leichter verloren. Durch die Verschmelzung mit einer größeren Galaxie kommt dieser Prozess dann vollständig zum Erliegen.
"Das kannibalisierte Opfer hat weniger Zeit zum Recycling seiner Elemente als überlebende Zwerggalaxien", erläutert Guhathakurta, "und dies sollte sich in den chemischen Eigenschaften der Stern widerspiegeln. Gezeitenströme sollten mit ihren chemischen Eigenschaften irgendwo zwischen Opfer und Überlebenden liegen."
Die Andromeda-Galaxie und die Milchstraße sind die größten Galaxien in unserem Heimat-Galaxienhaufen, der lokalen Gruppe. Die Andromeda-Galaxie, die auch als Messier 31 (M31) oder als Andromedanebel bekannt ist, ist rund 2,5 Millionen Lichtjahre entfernt.
URL des Artikels: http://www.astronews.com/news/artikel/2010/10/1001-018.shtml
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