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Astronomen haben mit dem Submillimeter Array-Radioteleskop die Existenz einer Scheibe aus molekularem Gas um das enge Doppelsternsystem V4046 Sagittarii nachgewiesen. Hier könnten nach Ansicht der Forscher gerade Gasplaneten entstehen. Der Fund würde zudem nahelegen, dass sich Planeten genauso leicht um Doppelsterne wie um Einzelsterne bilden.
"In diesem Fall mussten wir es wirklich sehen, um es auch zu
glauben", erzählt Joel Kastner vom Rochester Institute of Technology,
der die Studie leitete. "Im vergangenen Sommer hatten wir aus Radiobeobachtungen
die ersten Hinweise auf eine rotierende Scheibe um V4046 Sagittarii. Allerdings
hatten wir nicht mehr als molekulare Spektren und es gab verschiedene
Möglichkeiten diese zu interpretieren. Als wir aber die Bilder des
Submillimeter Array (SMA) sahen, gab es keinen Zweifel mehr, dass es sich
um eine rotierende Scheibe handelt." "Das ist schon ein starkes Argument dafür, dass sich Planeten auch um Doppelsterne bilden können", meint Teammitglied David Wilner vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics. "Das vergrößert die Anzahl von Objekten, bei denen wir nach extrasolaren Planeten suchen können. Irgendwo in unserer Milchstraße könnte es also eine fremde Welt geben, auf der man doppelte Sonnenaufgänge und Sonnenuntergänge verfolgen kann." Die von den Astronomen entdeckte Scheibe beginnt in etwa dort, wo in unserem Sonnensystem der Neptun seine Bahn zieht und erstreckt sich dann noch etwa zehn Mal weiter ins All. Diese Region entspricht damit in etwa dem Bereich, in dem sich in unserem Sonnensystem die Gasriesen sowie die Objekte des Kuiper-Gürtels gebildet haben könnten. "Wir sind davon überzeugt, dass wir hier das beste Beispiel für ein Scheibe mit Planetenentstehung um ein junges Sternsystem vor uns haben", so Wilner. "Und dieses System ist auch deswegen etwas ganz Besonderes, weil es aus zwei Sternen von etwa Sonnenmasse besteht, die etwa zwölf Millionen Jahre alt sind und sich in einem Abstand von gerade einmal fünf Sonnendurchmesser umrunden." "Dies könnte die älteste bekannte protoplanetare Scheibe aus molekularem Gas sein", weist Ben Zuckerman von der University of California in Los Angeles auf eine weitere Besonderheit hin. "Es macht deutlich, dass zumindest um einige Sterne, sich Jupiter-ähnliche Planeten auch noch später als nur einige Millionen Jahre nach der Entstehung des Sterns bilden können." Bislang waren die Wissenschaftler nach Zuckermans Worten davon ausgegangen, dass sich die Gasplaneten innerhalb weniger Millionen Jahre bilden müssen. "Wir hielten das molekulare Gas um diese beiden Sterne schon für einige Zeit für einen ganz deutlichen Hinweis dafür, dass um dieses Doppelsternsystem Jupiter-ähnliche Planeten vielleicht noch entstehen oder kürzlich entstanden sind", so Kastner. "Die SMA-Daten, die eine kreisende Scheibe zeigen, unterstützen diese Idee eindeutig." Der Fund könnte nach Ansicht der Astronomen darauf hindeuten, dass sich auch um zahlreiche andere Doppelsternsysteme bislang nicht entdeckte Planeten finden lassen könnten. "Die bislang erfolgreichste Methode zum Aufspüren von Planeten, die genaue Messung von Radialgeschwindigkeiten, ist für solche engen Doppelsternsysteme außerordentlich schwierig", so Teammitglied David Rodriguez, Doktorand an der University of California in Los Angeles. "Mit diesen Radiobeobachtungen erkundet man somit ein ganz neues Gebiet bei der Suche nach extrasolaren Planeten." "Mit einer Entfernung von nur 240 Lichtjahren ist das V4046 Sagittarii-System der Erde mindestens zwei Mal näher als fast alle anderen bekannten Systeme, in denen gerade Planeten entstehen. Damit könnten wir gute Chancen haben, eventuell schon entstandene Planeten auch aufzuspüren und abzubilden", hofft Rodriguez.
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