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VLTI
Riesenstern in Großaufnahme
von Stefan Deiters
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18. Februar 2009

Mit Hilfe des Very Large Telescope Interferometer (VLTI) hat eine Gruppe französischer Astronomen das vermutlich schärfste Farbbild aufgenommen, das je von einem astronomischen Objekt gemacht wurde. Es zeigt den Riesenstern T Leporis in 500 Lichtjahren Entfernung. Deutlich zu erkennen ist eine sphärische Hülle aus Gas, die die ferne Sonne ins All abgestoßen hat.

T Leporis

Der Blick des VLTI auf den Stern T Leporis. Bild: ESO / J.-B. Le Bouquin et al. 

"Das ist eine der ersten Bilder, die mit Hilfe von Interferometrie im nahen Infraroten gemacht wurden", erläutert Jean-Baptiste Le Bouquin von der ESO. Bei interferometrischen Beobachtungen kombinieren Astronomen das Licht von mehreren Teleskopen und erreichen so ein Auflösungsvermögen, das vergleichbar ist mit dem eines Riesenteleskops mit einem Durchmesser, der der maximalen Entfernung der zusammengeschalteten Teleskope entspricht.

Die Technik ist allerdings recht anspruchsvoll und liefert für Laien auf den ersten Blick meist recht enttäuschende Ergebnisse: Zu sehen sind nämlich in der Regel keine prächtigen Bilder, sondern charakteristische Muster, aus denen Astronomen aber jede Menge über das beobachtete Objekt lernen können. Wiederholt man eine Beobachtung allerdings mehrere Male mit unterschiedlichen Kombinationen und Ausrichtungen der Teleskope, kann man aus diesen Einzelbeobachtungen ein wirkliches Bild des Objektes rekonstruieren. Und genau dies haben die Astronomen jetzt getan. Sie verwendeten dazu das Very Large Telescope Interferometer (VLTI) zusammen mit den 1,8-Meter-Hilfsteleskopen.

"Wir waren in der Lage ein eindrucksvolle Bild zu erzeugen", berichtet Teammitglied Antoine Mérand von der ESO. "Aus numerischen Modellen und indirekten Beobachtungen hatten wir schon vorher eine ungefähre Vorstellung vom Aussehen dieses Sterns, doch es ist schon etwas ganz anderes, ihn wirklich zu sehen und das auch noch in Farbe." 

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Das rekonstruierte Bild zeigt eine extreme Nahaufnahme von T Leporis, ein Sterns, der etwa Hundert Mal größer ist als unser Zentralgestirn. Der Durchmesser des Sterns entspricht in etwa der Entfernung der Erde von der Sonne. Umgeben ist der Stern von einer Hülle aus molekularem Gas. T Leporis liegt im Sternbild Hase und ist rund 500 Lichtjahre von der Erde entfernt. Der Stern gehört zur Familie der Mira-Sterne, die unter Amateurastronomen recht beliebt sind. Die Riesensterne, die ihre Helligkeit regelmäßig verändern, befinden sich in der letzten Phase ihres nuklearen Lebens und dürften bald zu einem Weißen Zwerg werden. Sie stoßen große Mengen an Gas und Staub ins All ab. Unsere Sonne dürfte in einigen Milliarden Jahren auch zu einem Mira-Stern werden.

Mira-Sterne gehören zu den wichtigsten Produzenten von Molekülen und Staub im Universum. T Leporis ist da keine Ausnahme: Der Stern pulsiert mit einer Periode von 380 Tagen und verliert jedes Jahr eine Masse, die in etwa der Masse der Erde entspricht. Die Hüllen aus Material, die so entstehen, würden Astronomen natürlich gerne beobachten, doch ist der Stern - trotz seiner Größe - von der Erde aus nur ein winziger Lichtfleck.

"T Leporis erscheint von der Erde aus so winzig, dass man den Stern nur mit Hilfe der Interferometrie beobachten kann", erläutert Le Bouquin. "Das VLTI auf dem Gipfel des Paranal kann Sterne auflösen, die noch 15-mal kleiner sind als solche, die gerade noch vom Weltraumteleskop Hubble aufgelöst werden können."

Um das Bild von T Leporis zu erzeugen, nutzten die Wissenschaftler alle vier beweglichen 1,8-Meter VLT-Hilfsteleskope in mehreren aufeinanderfolgenden Nächten. Durch verschiedene Kombinationen von jeweils drei Teleskopen erreichten sie schließlich eine Auflösung, die dem eines Teleskops mit einem Durchmesser von 100 Metern entspricht. "Bilder wie diese zu machen, war eines der wichtigsten Gründe das VLTI zu bauen. Jetzt hat die Phase der direkten Abbildung von Sternen wirklich begonnen", so Mérand.

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siehe auch
Mira: Hubble-Beobachtung mit Amateurhilfe - 20. September 2007
Mira: Roter Riese mit langem Schweif - 16. August 2007
Rote Riesen: Das geheime Leben eines Mira-Sterns - 6. Juni 2007
Mira: Wunderbare Einsicht in Doppelsternsystem - 4. Mai 2005
Mira-Sterne: Blick in die Zukunft unserer Sonne - 21. September 2004
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