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Das schärfste Bild von Jupiter
von Stefan Deiters astronews.com
6. Oktober 2008
Fast zwei Stunden lang haben Astronomen mit dem Very
Large Telescope der ESO den Jupiter anvisiert und so das schärfste Bild des
Gasriesen gewonnen, das je von der Erde aus gemacht wurde. Ermöglicht hat diese
Rekordbeobachtung eine neue Technik, mit der man die durch die Atmosphäre der
Erde verursachte Unruhe aus den Bildern noch besser herausfiltern kann.

Jupiter im
Infraroten - aufgenommen mit dem
MAD-Instrument am Very Large Telescope der ESO in
Chile.
Bild: ESO / F. Marchis, M. Wong, E.
Marchetti, P. Amico, S. Tordo [Großansicht] |
Das Verfahren der sogenannten adaptiven Optik wird schon seit
längerer Zeit verwendet, um bei Beobachtungen von der Erde aus die Störungen der
Erdatmosphäre aus den Beobachtungsdaten herauszukorrigieren. Auf diese Weise
kommt man mit den großen Teleskopen schon recht nahe an die Bildqualität des
Weltraumteleskops Hubble heran. Entscheidend bei der adaptiven Optik ist, dass
man parallel zum eigentlichen Beobachtungsobjekt einen Referenzstern anvisiert,
um so eine sichere Basis für die Korrektur zu haben.
Dieses Verfahren, so zeigten zahlreiche Beobachtungen in den vergangenen Jahren, funktioniert hervorragend, stößt aber bei der Beobachtung von sehr
großen Bereichen am Himmel an seine Grenzen. Genau da setzt der neue Multi-Conjugate
Adaptive Optics Demonstrator (MAD) an: Statt eines Referenzsterns kann dieser
zwei oder noch mehr Objekte anvisieren und so auch bei Beobachtungen von 30-mal
größeren Bereichen am Himmel korrigierte Daten liefern. Die jetzt vorgestellten
Bilder des Gasriesen Jupiter zeigen eindrucksvoll die Leistungsfähigkeit des
neuen Verfahrens.
"Dieser Typ von adaptiver Optik bietet große Vorteile, wenn man große
Objekte, wie etwa Planeten, Sternhaufen oder Nebel beobachtet", erläutert Franck Marchis von der
University of California in Berkeley und dem SETI Institute.
"Herkömmliche adaptive Optiken liefern ausgezeichnete Ergebnisse bei
Beobachtungen von kleinen Bereichen, MAD liefert gute Korrekturen bei
großflächigen Beobachtungen. Und ohne MAD wären die jetzt vorgestellten Bilder
kaum möglich gewesen."
Mit MAD haben die Astronomen Mitte August für nahezu zwei Stunden den Jupiter
beobachtet. Mit einer herkömmlichen adaptiven Optik, bei der ein Jupitermond als
Referenzobjekt verwendet wird, ist diese lange Beobachtungszeit unmöglich, weil
sich der Mond in dieser Zeit zu weit vom Planeten entfernt. Auch Hubble hat mit
so langen Beobachtungen Probleme: Das Weltraumteleskop kann Jupiter nicht
länger als etwa 50 Minuten anvisieren, da es sich um die Erde dreht und diese so
regelmäßig zwischen Jupiter und Hubble gerät.
Mit MAD hat das Team nun Europa und Io, die auf entgegengesetzten Seiten des
Gasriesen standen, als Referenzobjekte genutzt und damit eine gute Korrektur der
Luftunruhe über die gesamte Planetenscheibe ermöglicht. "Es war eine der
schwierigsten Beobachtungen, die wir je mit MAD durchgeführt haben, weil wir
gleichzeitig Jupiter verfolgen und zwei seiner Monde anvisieren mussten, die
sich beide unterschiedlich schnell bewegten", erklärt MAD-Projektmanager Enrico
Marchetti.
Durch die Beobachtungen im infraroten Bereich des Lichtes entdeckten die
Astronomen, dass sich eine Art Dunstschleier, der 16.000 Kilometer breit über der
Äquatorregion liegt, im Vergleich zu Beobachtungen aus früheren Jahren deutlich
verändert und nach Süden verschoben hat. Eventuell könnte diese Verschiebung
etwas mit den planetenweiten Turbulenzen im vergangenen Jahr zu tun haben, die
auch zu Veränderungen in der Wolkenstruktur des Gasriesen geführt hatten.
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