|
DUNKELMATERIE
Dunkelmaterie-Brücke durchs Nichts?
Zwei israelische Astronomen glauben Hinweise auf Dunkelmaterie-Filamente gefunden zu haben, die sich durch einen kosmischen Leerraum ziehen. Die Wissenschaftler folgern dies aus der Beobachtung von 14 Zwerggalaxien, die alle in einer Linie stehen und vor rund 30 Millionen Jahren eine plötzliche Phase von Sternentstehung durchliefen.
![]() Rekonstruktion der relativen Position der beobachteten Zwerggalaxien. Die Galaxien sind rund 15 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt. |
Galaxien und Galaxienhaufen sind im Universum nicht gleichmäßig verteilt: Sie bilden vielmehr lang gestreckte, filamentartige Strukturen, zwischen denen sich große kosmische Leerräume, sogenannte Voids, befinden. Doch auch diese Leerräume könnten von Filamenten aus Dunkler Materie durchzogen werden, vermuten einige Forscher.
Zwei Astronomen aus Israel haben jetzt einen Hinweis auf ein solches Filament aufgespürt: Sie fanden 14 Zwerggalaxien, die in einer Linie stehend eine Art Brücke über einen kosmischen Leerraum bilden. In allen diesen Galaxien scheint es zudem vor 30 Millionen Jahren zur Bildung neuer Sterne gekommen zu sein, berichten die Forscher in ihrem demnächst im Fachblatt Monthly Notices of the Royal Astronomical Society erscheinenden Aufsatz.
"Wir vermuten, dass diese synchrone Entstehung neuer Sterne durch den Einfall kalten Gases aus dem intergalaktischen Raum in die Filamente aus Dunkler Materie ausgelöst worden ist", schreiben Adi Zitrin und Noah Brosch von der Universität Tel Aviv. Gewöhnlich sei das Gas in Leerräumen viel zu dünn verteilt, um die Entstehung neuer Sterne auslösen zu können. Doch wenn die Zwerggalaxien in ein Filament aus Dunkler Materie eingebettet sind, dann könne sich das Gas durch die Schwerkraft dieser dunklen Materie im Bereich der Zwerggalaxien ausreichend verdichten, so die Astronomen.
Rund 85 Prozent der Masse des Universum besteht nach heutigen Erkenntnissen aus Dunkler Materie, bislang unbekannten Elementarteilchen, die mit gewöhnlicher Materie nur über die Schwerkraft in Wechselwirkung treten. Ohne diese Dunkle Materie könnten Galaxienhaufen und Galaxien nicht zusammenhalten.
Dunkle Materie spielt deshalb auch eine wichtige Rolle bei der Entstehung der ersten Strukturen im jungen Universum. Nach dem Urknall bildeten sich zunächst Verdichtungen aus Dunkler Materie, in denen sich dann das Gas sammeln und verdichten konnte - ganz ähnlich wie bei der Sternentstehung in den von Zitrin und Brosch entdeckten Zwerggalaxien. Die beiden Forscher hoffen deshalb, dass sich aus dieser und ähnlichen Entdeckungen neue Erkenntnisse über die Entstehung der ersten Sterne und Galaxien nach dem Urknall gewinnen lassen.
URL des Artikels: http://www.astronews.com/news/artikel/2008/09/0809-022.shtml
Links zu Artikeln zum Thema auf astronews.com oder zu Seiten von anderen Webangeboten finden Sie - falls verfügbar - in der Online-Version unter der oben angegebenen Adresse.
|
© astronews.com / Stefan Deiters und/oder Lieferanten 1999 - 2010 Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung nur mit Genehmigung. |