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Ein Atlas des Saturnmonds Dione (2)
Zurück zum ersten Teil: Standardwerk für viele Jahre

Kartenblatt "Aeneas" aus dem Atlas des
Saturnmondes Dione.
Bild: DLR [Großansicht] |
Dione ist neben Tethys und Rhea einer von drei Eissatelliten annähernd
gleicher Größe, die zwischen den Bahnen von Enceladus und Titan, dem größten
Saturnmond, um den Planeten kreisen. Neben einer sehr alten, von Kratern
übersäten Oberfläche zeigen die drei Monde auch Spuren geologischer Prozesse,
wie beispielsweise viele hundert Kilometer lange Bruchstrukturen, die eine Folge
von Spannungen in der Eiskruste der Monde sind.
Die Erstellung globaler Bildmosaike und der Atlanten ist ein wichtiges
Langzeitprojekt der Cassini-Mission – und ein zeitintensives
Unterfangen dazu: Dr. Roatsch und die Mitarbeiter am DLR-Institut für
Planetenforschung mussten drei Vorbeiflüge der Saturnsonde an Dione abwarten,
ehe sie von diesem Mond ausreichend Bilddaten in der erforderlichen Auflösung
zur Verfügung hatten. Neben drei Passagen in etwas größerer Distanz in den
Jahren 2004, 2006 und 2007 bildeten die ISS-Aufnahmen von Cassini beim
Nahvorbeiflug in etwa 500 Kilometer Entfernung im Oktober 2005 die wichtigste
Grundlage für das Kartenwerk.
Trotz der scharfen und im Kontrast ausgezeichneten ISS-Bilder konnte ein
Problem von den Kartographen nicht gelöst werden, denn dieses war astronomischer
Natur: Wegen des fast 30 Erdjahre langen Saturnjahres und der Tatsache, dass es
wegen der Neigung des gesamten Saturnsystems zur Umlaufbahn um die Sonne zu
ausgeprägten Jahreszeiten auf dem Planeten und den Monden kommt, herrschte am
Nordpol von Dione, wie auf den anderen Körpern auch, in den ersten vier Jahren
der Cassini-Mission Winter. Genau wie in hohen Breiten auf der Erde
bedeutet dies, dass während dieser Zeit kein Lichtstrahl diese Gebiete erreicht
und folglich auch keine Aufnahmen möglich sind.
Dr. Roatsch und sein Team behalfen sich mit einem Griff in die Bildarchive
der NASA: "Wir hatten das Glück, dass die Nordpolregion von Dione, als 1980 die
Raumsonde Voyager 1 den Saturn passierte, von der Sonne beschienen
war". Mit den historischen Daten konnte die Lücke geschlossen werden, wenn auch
nur mit einem Bild, dessen Auflösung nicht an die der ISS-Aufnahmen herankam.
Aber auch hier ist eine Verbesserung schon in Aussicht. In den kommenden
Jahren wird auf der Nordhalbkugel von Dione das Frühjahr für Sonnenlicht am
Nordpol sorgen, und Cassini in der bereits beschlossenen Missionsverlängerung
neue, hoch auflösende Bilder machen.
In der Zwischenzeit gilt der nun veröffentlichte Atlas als Standard. Und wie
bei allen Körpern im Sonnensystem werden Oberflächenmerkmale wie Krater, Berge,
Ebenen oder Bruchstrukturen mit Namen bezeichnet, die sich in den Mythologien
der Völker finden. Bei Dione ist es die Vorgabe der Internationalen
Astronomischen Union (IAU), Gottheiten, Figuren oder bedeutende Orte aus der
griechisch-römischen Sage der Aeneis zu verwenden: Es ist die Geschichte der
epischen Reise des trojanischen Helden Aeneas, der sich aus der brennenden Stadt
retten kann und nach einer – vom römischen Dichter Vergil in Versform
festgehaltenen – Irrfahrt Latium erreicht und dort die Stadt Rom gründet.
Die DLR-Kartographen wählten aus der Aeneis zusätzlich zu den existierenden
31 Bezeichnungen für Strukturen auf Dione nun 45 neue Namen für
Landschaftsmerkmale aus, die allesamt von der IAU akzeptiert wurden und damit
Gültigkeit haben. Auch die einzelnen nummerierten Kartenblätter tragen diese
neuen Namen – wie eben Aeneas (Blatt 2), so wie Herbesus (3), Latinus (4),
Clusium Fossae (5), Romulus (6), Lagus (7), Mezentius (8), Padua Chasmata (9),
Eurotas Chasmata (10), Dido (11), Evander (12), Sabinus (13), Prytanis (14) und
Aufidus Catena (15); wegen der schlechten Bildqualität trägt das Kartenblatt vom
Nordpol (1) keine Bezeichnung. Alle Kartenblätter können als PDF-Dateien von der
Internetseite des Cassini Imaging Central Laboratory for Operations
(CICLOPS) heruntergeladen werden.
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