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HUBBLE
Antennen-Galaxien näher als gedacht
von Stefan Deiters
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9. Mai 2008

Die Antennen-Galaxien gehören wohl mit zu den bekanntesten wechselwirkenden Galaxien überhaupt. Jetzt stellten Astronomen mit Hilfe des Weltraumteleskops Hubble fest, dass die beiden Galaxien uns rund 20 Millionen Lichtjahre näher sind als bislang angenommen. Manche Objekte in den beiden Galaxien erscheinen damit in einem ganz anderen Licht.

Antennen-Galaxien

Die Antennen-Galaxien. Bild: NASA, ESA & Ivo Saviane (ESO) / Robert Gendler  [Großansicht mit Vergrößerung der untersuchten Region]

Die Antennen-Galaxien mit den Katalogbezeichnungen NGC 4038 und NGC 4039 sind unter Astronomen so etwas wie ein Standardbeispiel für wechselwirkende Galaxien: Vor mehreren Hundert Millionen Jahren begannen die uns verhältnismäßig nahen Galaxien sich gegenseitig zu beeinflussen. Es entstanden eindrucksvolle Gezeitenarme und Regionen, in denen gerade mit hoher Rate neue Sterne entstehen. So bildete sich ein eindrucksvolles Galaxienpaar, das immer wieder zur Überprüfung von Theorien zur Galaxienentwicklung herhalten muss.

Ein internationales Astronomenteam unter der Leitung von Ivo Saviane von der Europäischen Südsternwarte ESO nutzte das Hubble-Weltraumteleskop nun dazu, einzelne Sterne zu beobachten, die durch die Kollision der beiden Galaxien entstanden sind. Sie visierten dazu eine relativ ruhige Region am Ende des südlichen Gezeitenarms an und suchten ältere Roten Riesensterne. Diese Sterne erreichen in dieser Phasen nach den Theorien der Sternentwickler eine bestimmte Maximalhelligkeit, aus der man dann auf die Entfernung der Riesen schließen kann.

Als die Forscher nun aber die Farben und Helligkeiten der Roten Riesensterne bestimmten und somit auch die Entfernung der Galaxien, erlebten sie eine Überraschung: Die Antennen-Galaxien sind uns deutlich näher als lange Zeit angenommen. Galten bislang 65 Millionen Lichtjahre als beste Schätzung für die Entfernung, muss dieser Wert jetzt auf 45 Millionen Lichtjahre korrigiert werden.

Die neue Entfernung ist für die Forscher von großer Bedeutung: "Alle neuen Modelle der Galaxienentwicklung müssen die Beobachtungen in den Antennen-Galaxien wiedergeben können, genauso wie jedes Modell eines Sterns, die Eigenschaften unserer Sonne reproduzieren können muss", erläutert Saviane. "Genaue Modelle aber erfordern exakte Angaben der Parameter von solchen Galaxienwechselwirkungen. Und einer der wichtigsten Parameter ist die Entfernung."

Die vorherigen Entfernungsangaben für die Antennen-Galaxien, die bis zu 100 Millionen Lichtjahren reichten, führten dazu, dass uns die beiden Galaxien extremer erschienen als sie offenbar sind: So nahmen die Astronomen an, dass es in den Antennen eine extrem hohe Sternentstehungsrate gibt, außerordentlich massereiche Sternhaufen und extrem helle Röntgen-Quellen.  Nur so konnte man nämlich die beobachteten Helligkeiten in der angenommenen Entfernung erklären.

Der neue Entfernungswert macht die Antennen-Galaxien deutlich gewöhnlicher: So stimmt etwa mit dem neuen Wert die Strahlung im Infraroten recht gut mit dem überein, was für eine solche Phase einer Galaxienkollision zu erwarten ist. Die entstehenden Sternhaufen entsprechen von der Größe her denen in anderen Galaxienkollisionen und sind nicht um das 1,5-fache größer.

Die Antennen-Galaxien haben ihren Namen von ihren gewaltigen Gezeitenarmen, die durch die Kollision der Galaxien entstanden sind. Kollisionen und Verschmelzungen von Galaxien sind in unserem lokalen Universum nicht sonderlich häufig, spielten aber nach Ansicht der Forscher im jüngeren Universum eine große Rolle bei der Entstehung von massereichen Galaxien.

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siehe auch
Hubble: Detaillierter Blick auf die Antennen-Galaxien - 18. Oktober 2006
Spitzer: Neues Leben aus der Zerstörung - 10. September 2004
Chandra: Galaxienkollision sorgt für Planetenboom - 9. Januar 2004
Chandra: Riesenblasen in den Antennen-Galaxien - 23. August 2000
Links im WWW
Pressemitteilung des Hubble European Information Centre
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