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Die europäische Marssonde Mars Express hat nun neue Daten über eine der geheimnisvollsten Sedimentstrukturen auf dem Mars geliefert: die Medusae Fossae Formation. Mit Hilfe des Radarinstruments MARSIS gelang es den Wissenschaftler neue Informationen über die Schichtdicke des dortigen Materials und seine elektrischen Eigenschaften zu gewinnen. Geklärt ist der Ursprung damit allerdings noch nicht.
Die Medusae Fossae Formation sind einmalige Ablagerungen auf dem Mars, die die Forscher seit langem vor ein Rätsel stellen: Sie liegt in der Nähe des Marsäquators an der Grenze zwischen dem Hoch- und Tiefland des Mars und könnte die geologisch jüngste Struktur auf der Oberfläche des roten Planeten sein. Einschlagkrater wie in anderen Regionen finden sich hier nämlich kaum. Die Ablagerungen der Medusae Fossae Formation sind auch deswegen so geheimnisvoll, weil es in ihnen Bereiche gibt, die bestimmte Wellenlängen von Radarwellen von der Erde einfach verschlucken. Diese Gebiete wurden von den Wissenschaftlern daher auch Tarnkappen-Regionen genannt, weil von hier kein Radarecho zur Erde zurückkam. Das Radarinstrument MARSIS an Bord von Mars Express allerdings nutzt nicht den kritischen Wellenlängenbereich. Die Radarwellen durchdrangen daher das Material und wurden an der darunterliegenden Schicht reflektiert. So gelang es die Tiefe der Ablagerungen zu bestimmen. "Wir wussten zuvor gar nicht, wie dick die Ablagerungen der Medusae Fossae Formation waren", erläutert Thomas Watters vom Center for Earth and Planetary Studies der Smithsonian Institution. "Einige Wissenschaftler dachten, es könnte sich nur um eine sehr dünne Schicht handeln, die einige Erhebungen im Tiefland überzieht. Die neuen MARSIS-Daten zeigen nun aber, dass es sich um sehr dicke Ablagerungen handelt, die an einigen Stellen Tiefen von mehr als 2,5 Kilometern erreichen." Es gibt eine Reihe von Vorschlägen wie man die Ablagerungen der Medusae Fossae Formation erklären könnte: Experten halten Ablagerungen von vulkanischer Asche für möglich, könnten sich aber auch vorstellen, dass es sich um Material handelt, dass durch Erosionsprozesse entstanden ist und sich dann hier abgelagert hat. Als dritte Möglichkeit werden noch Eis-haltige Ablagerungen diskutiert, wie man sie auch in Polnähe gefunden hat. Aufgrund der neuen Beobachtungen zu entscheiden, welches der drei Modelle zutreffend ist, ist schwierig: Zwar verraten die MARSIS-Daten auch etwas über die elektrische Leitfähigkeit des Materials und deuten drauf hin, dass es sich um sehr lockeres Material mit nur geringer Dichte handelt. Doch ist es schwer zu verstehen, wie etwa Staub sich hier abgelagert haben könnte und trotz einer Kilometer-dicken Schichtung nicht zusammengedrückt und komprimiert wurde. Und obwohl die elektrischen Eigenschaften der Ablagerungen mit denen einer Wassereis-haltigen Schicht übereinstimmen würden, gibt sonst keine Hinweise darauf, dass es in der Nähe des Marsäquators Eis gibt: "Wenn es am Marsäquator Wassereis gibt, dann muss es mindestens mehrere Meter tief unter der Oberfläche begraben sein", meint auch Jeffrey Plaut, MARSIS Co-Principal Investigator am Jet Propulsion Laboratory der NASA. Dies liegt daran, dass der Wasserdampfdruck auf dem Mars so gering ist, dass Eis in der Nähe der Oberfläche sofort verdampfen würde. Das Geheimnis der Medusae Fossae Formation ist also noch nicht gelöst: "Wir sind noch ganz am Anfang", so Plaut. "Wir können eventuell unsere Analyse der Daten und die Interpretation noch verbessern oder wir werden das Rätsel erst lösen, wenn wir persönlich dort hinfahren und eine Probebohrung machen."
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