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Die beiden Forscherteams, die 1998 unabhängig voneinander festgestellt hatten, dass sich die Expansion unseres Universums beschleunigt, wurden jetzt mit dem mit einer halben Millionen Dollar dotierten Gruber Kosmologie Preis ausgezeichnet. Die damalige Entdeckung führte zu der revolutionären Erkenntnis, dass unser Universum im Wesentlichen von einer geheimnisvollen Dunklen Energie dominiert wird.
Der Kosmologie-Preis der Gruber-Stiftung wird seit sieben Jahren vergeben und ging schon an so renommierte Wissenschaftler wie Sir Martin Rees, Alan Sandage, Rashid A. Sunyaev und im letzten Jahr an John Mather und das Team des Satelliten COBE. In diesem Jahr wurden von der privaten Stiftung gleich zwei Projekte ausgezeichnet, die durch ihre Entdeckung das Weltbild der Kosmologen gründlich auf den Kopf gestellt haben: Saul Perlmutter und das Supernova Cosmology Project sowie Brian Schmidt und das High-z Supernova Search Team. 1998 hatten beide Teams unabhängig voneinander entdeckt, dass sich die Expansionsgeschwindigkeit unseres Universums nicht etwa - wie allgemein erwartet worden war - verringert, sondern vergrößert. Damit verbunden war die Erkenntnis, dass es in unserem Weltall eine bislang noch vollkommen unbekannte Dunkle Energie geben muss, die der Grund für diese beschleunigte Expansion ist. "Als mir die ersten Daten vorgelegt wurden, die darauf hindeuteten, dass sich das Weltall beschleunigt ausdehnt, war ich wirklich geschockt", erinnert sich Astronomie-Professor Alex Filippenko, der als einziger Wissenschaftler in beiden Teams mitgearbeitet hat. "Ich habe zunächst an einen Fehler in der Datenanalyse oder der Interpretation geglaubt." Auch Gerson Goldhaber, Physikprofessor an der University of California in Berkeley, Astrophysiker am Lawrence Berkeley National Laboratory (LBNL) und Mitglied des Supernova Cosmology Project erinnert sich an den Moment, an dem er begriff, was die Ergebnisse zu bedeuten hatten: "Als wir mit den Messungen begonnen haben, wollten wir eigentlich nachweisen, dass sich die Expansion des Universums verlangsamt. Und wir haben entdeckt, dass sie sich beschleunigt. Das war so ein Heureka-Moment, bei dem ich die Ehre hatte, dabei zu sein." Bis dahin war man allgemein davon ausgegangen, dass sich - bedingt durch die Anziehung der Massen im Weltall - die Expansion des Universums verlangsamen würde und die große Frage war, ob der Kosmos trotzdem immer weiter expandiert, die Expansion irgendwann zum Stillstand kommt oder das Universum vielleicht sogar wieder in sich zusammenstürzt. Mit der Entdeckung der beschleunigten Expansion wurden die bisherigen Theorien vollkommen auf den Kopf gestellt und eine neue wichtige Komponente des Weltalls postuliert, die für diese Beschleunigung verantwortlich ist: die Dunkle Energie. Heute glaubt man, dass bis zu drei Viertel des Universums aus Dunkler Energie besteht. "Ich glaube diese Entdeckungen markieren das Ende der Anfangsphase für die Kosmologie", urteilt Adam Riess, der Hauptautor der Publikationen des High-z-Supernova Search Teams war. "Die Bestandteile des Universums stehen nun fest, aber ihre Natur bleibt weiterhin ein Geheimnis." Um das Rätsel der Dunklen Energie zu lösen wird man, so die heute gängige Auffassung, wohl eine neue Theorie finden müssen, die die beiden fundamentalen Theorien der Physiker zu einer Theorie zusammenführt, nämlich Einsteins Relativitätstheorie und die Quantenphysik. Die Entdeckung der beschleunigten Expansion des Universum gelang den Teams durch Beobachtung von Supernova-Explosionen von Typ Ia in entfernten Galaxien, wodurch sie Entfernungen in großen Teilen des sichtbaren Universums recht genau bestimmen konnten. "Es war ein verrücktes Ergebnis, das schwer zu akzeptieren war", so die Gruber-Stiftung in der Begründung des Preisvergabe. "Trotzdem haben zwei konkurrierende Teams gleichzeitig das gleiche Ergebnis erhalten." Das Preisgeld von 500.000 US-Dollar wird zwischen Perlmutter und Schmidt sowie den Autoren der beiden entscheidenden wissenschaftlichen Veröffentlichungen aufgeteilt. "Der Gruber Kosmologie-Preis ist eine große Ehre für beide Teams", so Perlmutter. "Es kommt sehr selten vor, dass ein wissenschaftlicher Preis tatsächlich alle auszeichnen kann, die an der Entdeckung mitgearbeitet haben. Aber hier ist das - mit einigen Ausnahmen - tatsächlich der Fall und das ist fantastisch." Der Kosmologie-Preis wird von der Gruber-Stiftung in Zusammenarbeit mit der Internationalen Astronomischen Union (IAU) vergeben.
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