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Drei Jahre im Saturnsystem (3)
Zurück zum ersten Teil:
Eisvulkane auf Enceladus

Titans Oberfläche in Farbe.
Foto: ESA / NASA / University of Arizona |
Neben der Erforschung des Saturns und seiner Ringe sowie der inzwischen auf
über 50 angewachsenen Zahl der Eismonde, gilt dem Titan das Hauptaugenmerk bei
der Cassini-Mission. Mit 5.150 Kilometern Durchmesser ist Titan der
größte Mond des Saturns und nach dem Jupiterbegleiter Ganymed der zweitgrößte
Trabant aller Planeten. Titan ist der einzige Mond im Sonnensystem, der von
einer dichten Atmosphäre umgeben ist. Dies ist aber auch die Ursache dafür, dass
bis zur Cassini-Mission über die Oberfläche des Mondes so gut wie
nichts bekannt war. Die mächtige Atmosphäre, bestehend zu 95 Prozent aus
Stickstoff und zu etwa 5 Prozent aus Methan, gestattet mit gewöhnlichen
Kamerasystemen keinen Blick auf die Oberfläche des Mondes.
Die Existenz von Gasen wie Methan, Ethan und komplexeren
Kohlenwasserstoff-Molekülen macht allerdings auch die Atmosphäre selbst zu einem
hochinteressanten Gegenstand der Planetenforschung: Wegen der an der Oberfläche
herrschenden niederen Temperaturen von minus 180 Grad Celsius verändert sich
diese "ursprüngliche" Atmosphäre im Laufe der Jahrmilliarden sehr viel langsamer
als im wärmeren inneren Sonnensystem und lässt Rückschlüsse auf atmosphärische
Prozesse aus der Frühzeit des Sonnensystems zu.
Möglicherweise könnten sich auf Titan auch molekulare Bausteine des Lebens
entwickelt haben. Auch gibt es Anzeichen von (Kryo-) Vulkanismus auf dem Mond,
was darauf hindeutet, dass auch unter der Eiskruste ausreichend große Mengen an
Energie erzeugt werden, die mehr chemische Reaktionen zwischen den vorhandenen
Molekülen und Elementen ermöglichen, als bei einem vollkommen erstarrten Körper.
Nach drei Jahren Titanforschung mit Cassini und Huygens
zeichnet sich ab, dass der Titan ein sehr dynamischer Mond ist, dessen
Oberfläche durch zahlreiche Prozesse einem ständigen Wandel unterworfen ist.
"Mit dem Spektrometer VIMS ist es möglich, in bestimmten Wellenlängen des
Infrarot die Strukturen auf der Titanoberfläche aufzulösen", erläutert Professor
Jaumann einen der Schwerpunkte seiner Arbeit. "Die verzweigten Talsysteme, die
Huygens beim Abstieg durch die Atmosphäre aufgenommen hat, sehen wir
mit dem Spektrometer auch in anderen Gebieten auf Titan: Möglicherweise gibt es
vorübergehend oder auch über längere Zeiträume Niederschlag von Methan- oder
Ethanregen aus den dichten Wolken, der sich in Bächen und Flüssen sammelt und
beim Abfließen die Oberfläche signifikant verändern. Das Radar von Cassini
entdeckte glatte Ebenen bei denen es sich um ausgedehnte
'Methan/Ethan-Seenplatten' handeln könnte. Damit ist Titan nach der Erde
derjenige Körper im Sonnensystem, dessen Oberfläche durch Flüssigkeiten, in
diesem Falle durch Methan, nachhaltig verändert wird."
Heute erfolgte während der 47. Umrundung des Saturns bereits der 33.
Nahvorbeiflug an Saturns größtem Mond, dem Titan. Während der folgenden drei
Jahre – ursprünglich sollte die Mission Cassini nur bis Ende 2008
durchgeführt werden – wird es zu weiteren 35 gezielten Vorbeiflügen an Titan
sowie zu Passagen an zahlreichen anderen Eismonden in wenigen hundert Kilometern
Distanz kommen.
Höhepunkte werden dabei sicherlich sieben gezielte Beobachtungen von
Enceladus sein. Dabei nähert sich Cassini im Jahre 2008 dem Vulkanmond
bis auf 23 Kilometer und nochmals 2010 sogar auf nur 20 Kilometer.
Cassini-Huygens ist ein gemeinsames Projekt der amerikanischen
Raumfahrtbehörde NASA, der europäischen Weltraumorganisation ESA und der
italienischen Raumfahrtagentur ASI. Die deutschen Beteiligungen wurden und
werden zum Teil von der Raumfahrt-Agentur des DLR gefördert.
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