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Die Große und die Kleine Magellansche Wolke gehören zu den uns am nächsten gelegenen Galaxien und gelten als Begleiter der Milchstraße. Jetzt hat ein Astronomenteam die Geschwindigkeit der beiden Galaxien mit bislang unerreichter Genauigkeit gemessen und festgestellt, dass die Magellanschen Wolken deutlich schneller sind als gedacht. Fliegen sie nur an der Milchstraße vorüber?
Die Große Magellansche Wolke, oder auch Large Magellanic Cloud (LMC), und die Kleine Magellansche Wolke, Small Magellanic Cloud (SMC), gelten gemeinhin als die unserer Milchstraße am nächsten gelegenen Galaxien und sind, so kann man in allen Astronomielehrbüchern nachlesen, Begleiter derselben. Beide Galaxien sind nur von der Südhalbkugel der Erde aus zu beobachten. Durch das Studium der Bewegung von LMC und SMC können die Astronomen nicht nur eine Menge über die beiden Satellitengalaxien selbst lernen, sondern auch etwas über die Struktur der Milchstraße, die durch ihre Masse die Bewegung der beiden Wolken beeinflusst. Nitya Kallivayalil und Charles Alcock vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics sowie Roeland van der Marel vom Space Telescope Science Instutite haben nun die Geschwindigkeit der beiden Galaxien äußerst genau - und in drei Dimensionen - bestimmt. Mit überraschendem Ergebnis: "Wir haben festgestellt, dass die Geschwindigkeiten von LMC und SMC unerwartet groß sind - fast doppelt so groß wie ursprünglich angenommen", erläutert Kallivayalil. Die Forscher präsentierten ihre Ergebnisse in dieser Woche auf dem Treffen der American Astronomical Society. Die so genannten Radialgeschwindigkeiten der Galaxien zu messen (also die Geschwindigkeiten entlang der Sichtlinie) ist nicht sonderlich schwierig. Das wirkliche Problem ist die Eigenbewegung der Systeme am Himmel zu bestimmen. Nur so kann man die exakte 3-D-Geschwindigkeit ermitteln. Die Messung der Eigenbewegung erfordert äußerst genaue Messungen über einen Zeitraum von mehreren Jahren. Das Astronomenteam griff auf das Weltraumteleskop Hubble zurück und bestimmte die Eigenbewegung von LMC und SMC während zweier Beobachtungsläufe im Abstand von zwei Jahren. Durch die Kombination der Eigenbewegung mit der Radialgeschwindigkeit errechneten die Wissenschaftler, dass die LMC mit einer Geschwindigkeit von 378 Kilometern pro Sekunde und die SMC mit 302 Kilometer pro Sekunde durch das All rauscht. Für diese unerwartet hohen Geschwindigkeiten gibt es nach Ansicht der Forscher zwei mögliche Erklärungen: Die Masse der Milchstraße ist deutlich höher als bislang gedacht und diese zusätzliche Masse zieht an den beiden Satellitengalaxien, wenn diese an die Milchstraße gebunden sind. Letzteres könnte allerdings auch nicht der Fall sein: Stimmen die bisherigen Massenbestimmungen der Milchstraße hätte unsere Heimatgalaxie nicht ausreichend Masse, um die beiden Magellanschen Wolken zu halten. Sie würde somit entkommen. "Sie wären damit keine wirklichen Begleiter der Milchstraße, sondern sind vielleicht gerade auf der Durchreise", so Kallivayalil. Die Untersuchung lieferte noch ein weiteres unerwartetes Ergebnis: Auch die relative Geschwindigkeit zwischen Großer und Kleiner Magellanscher Wolke ist deutlich größer als angenommen. Das könnte darauf hindeuten, dass die beiden Wolken zur zufällige Nachbarn sind und sonst nicht miteinander in Verbindung stehen. Sind beide allerdings aneinander gebunden, würde die hohe Relativgeschwindigkeit erklären, warum die beiden Systeme nicht schon vor langer Zeit miteinander verschmolzen sind. Die Astronomen hoffen nun, dass sie mit Hilfe des Magellanschen Stroms - einer Art Wasserstoffspur, die die Wolken hinterlassen haben - mehr über den genauen Orbit der beiden Systeme sowie über ihre Beziehung zur Milchstraße erfahren werden. "Ganz egal was zukünftige Beobachtungen ergeben", fasst Kallivayalil die Arbeit zusammen, "unsere Studie macht deutlich, dass wir die Geschichte des Orbits der beiden Wolken noch einmal aufrollen müssen."
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