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Bestimmte Supernova-Explosionen dienen Astronomen als so genannte Standardkerzen, mit denen sie Entfernungen im Weltall relativ genau ermitteln können. Das dachten sie zumindest: Jetzt lässt eine ungewöhnliche Supernova bei Wissenschaftlern den Verdacht aufkommen, dass sich einige doch anderes verhalten als angenommen.
Manche Sterne sterben einen gewaltsamen Tod. Dabei sieht alles vor der
finalen Katastrophe zunächst noch friedlich aus: Im Zentrum erlischt das atomare
Feuer und der Stern verwandelt sich in einen Weißer Zwerg, der rund 60 Prozent
der Sonnenmasse besitzt. Zuvor hat er seine äußere Hülle in Form eines kräftigen
Sternwindes abgestoßen, so dass der nackte Kern aus Sauerstoff und Kohlenstoff
übrig bleibt. Auch unsere Sonnen wird eines Tages so enden. Die auf diese Weise entstehenden Supernovae vom Typ Ia sind so hell, dass sie über Milliarden Lichtjahre hinweg zu sehen sind. Auch ist seit 1993 bekannt, dass man aus dem Helligkeitsverlauf recht genau die Entfernung zur Supernova bestimmen kann. Gerade durch diese Eigenschaft wurde 1998 mit dem Supernova Cosmology Project und vom High-Z Supernova Search Team die beschleunigte Expansion des Universum entdeckt, die einer immer noch geheimnisvollen Dunklen Energie zugeschrieben wird. Doch jetzt stießen Forscher aus Kanada, Frankreich, Großbritannien und den USA um den Astrophysiker Andy Howell von der University of Toronto in den Daten des SuperNova Legacy Survey (SNLS) auf ein Ereignis, das zeigt, dass das relativ einfache Bild dieser Sternexplosionen nicht ganz stimmt. Wie sie in der aktuellen Ausgabe von Nature berichten, besaß die Supernova SNLS-03D3bb offensichtlich mehr Masse als nach der Chandrasekhar-Grenze erlaubt ist und war doppelt so hell wie üblich. "Supernovae vom Typ Ia gelten als verlässliche Entfernungsindikatoren, weil sie alle die gleiche Menge an Brennstoff besitzen – den Kohlenstoff und Sauerstoff eines Weißen Zwergs. Sie explodieren, wenn ihre Masse die Chandrasekhar-Grenze erreicht," verdeutlichte Peter Nugent, Astrophysiker am Berkeley Lab, USA, die Bedeutung dieser Sternexplosionen für die Wissenschaft. Aber trotz ihrer großen Helligkeit dehnt sich die Explosionswolke im Vergleich mit anderen Supernovae ungewöhnlich langsam aus. Helligkeitsunterschiede können sich durch unterschiedliche Mengen an Kohlenstoff und Sauerstoff ergeben oder auch durch asymmetrische Explosionen. Doch passt keine dieser Erklärungen wirklich zu den seltsamen Daten von SNLS-03D3bb. "Nur wenn wir annehmen, dass die Masse des Vorläuferstern der Supernova 50 Prozent über der Chandrasekhar-Grenze lag, können wir die Helligkeit erklären," berichtete Nugent. "Die Tatsache, dass SNLS-03D3bb über dieser Massengrenze lag, ist wie das Öffnen der Büchse der Pandora." Aber wie kann das sein? Zwei Möglichkeiten werden von den Forschern vorgeschlagen. Zum einen könnte der Weiße Zwerg extrem schnell rotiert haben. Die Zentrifugalkraft hätte dann der Schwerkraft entgegengewirkt, sodass sich mehr Masse ansammeln konnte. Eine zweite Möglichkeit wäre das Verschmelzen zweier Weißer Zwerge. Solche Ereignisse sollten in jungen Galaxien im frühen Universum häufiger stattgefunden haben als heute. Falls sich dies bewahrheitet, müssen bei der Erforschung der Dunklen Energien Supernovae hinsichtlich von Abweichungen genauer unter die Lupe genommen werden. Trotz dieser aus der Reihe tanzenden Supernova halten die Wissenschaftler die bisherigen Untersuchungen über die beschleunigte Expansion des Universums für zuverlässig. Allerdings zeigt SNLS-03D3bb, dass man zukünftig bei Entfernungsbestimmungen vorsichtiger sein muss. Ebenso muss die Theorie dieser Sternexplosionen weiter verbessert werden.
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