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ASTEROIDEN
Erde verliert einen "Mond"
von Ulrich Knittel
für astronews.com
29. August 2006

Reicht es nicht, dass das Sonnensystem einen Planeten verloren hat? In diesen Wochen, so berichtete die NASA unlängst, verabschiedet sich auch ein kleiner Asteroid, der die Erde seit sieben Jahren begleitet hat. Doch es ist kein Abschied für immer: In etwa 60 Jahren können wir den Minimond erneut begrüßen.

Erde

Einen Begleiter weniger: die Erde. Foto: NSSDC / NASA

Bei dem Objekt, von dem die Rede ist, handelt es sich um den Asteroiden 2003 YN107, der nur einen Durchmesser von etwa 20 Metern hat. Er gehört, wie die NASA auf ihrer Webseite berichtete, in die Gruppe der erdnahen Asteroiden und erreichte die Erde 1999. Im Gegensatz zu den meisten anderen erdnahen Asteroiden flog er jedoch nicht einfach an der Erde vorbei, vielmehr wurde seine Bahn durch die Erdanziehung so verändert, dass er sich seit 1999 auf einer "Korkenzieherbahn" um die Erde schraubt.

Im Juni begann der langsame Abschied von der Erde. 2003 YN107 bekam am erdnächsten Punkt seiner Bahn um die Erde, immerhin noch 3,4 Millionen Kilometer von ihr entfernt, durch die Erdanziehung einen kleinen "Schubs", der ausreichte, die Korkenzieherbahn zu verlassen.

Es handelte sich dabei um den gleichen Effekt, den die ins äußere Sonnensystem geschickten Raumsonden ausnutzen, um in der Nähe von Planeten Geschwindigkeit aufzunehmen. Die Sonde Cassini, die seit dem Sommer 2004 den Saturn umkreist, flog beispielsweise erst zweimal an der Venus, an der Erde und am Jupiter vorbei, um die zum Erreichen ihres Ziels notwendige Geschwindigkeit zu erreichen. Diese Swing-by genannte Technik "nutzte" 2003 YN107, um die Erde zu verlassen.

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Aber es ist kein Abschied für immer; in etwa 60 Jahren wird der Miniasteroid der Erde wieder so nahe kommen, dass er wieder eine Korkenzieherbahn um unseren Planeten einschlagen wird. 2003 YN107 ist nicht der einzige Asteroid, der die Erde - zumindest zeitweise - umkreist. 2004 GU9 umkreist die Erde möglicherweise schon seit 500 oder gar 600 Jahren und wird dies vielleicht noch für weitere 500 Jahre lang tun. Mit einem Durchmesser von 200 Metern ist er deutlich größer als 2003 YN107.

Beide Asteroiden gehören in die Gruppe der "Erd-Coorbitalen-Asteroiden", kurz auch "Coorbitale" genannten Asteroiden, welche die Sonne, ebenso wie die Erde, in einem Jahr einmal umkreisen. Kommen sie dabei der Erde ausreichend nahe, so wird ihre Bahn so weit modifiziert, dass sie diese gleichsam umkreisen. Dabei werden sie aber nicht wirklich vom Gravitationsfeld der Erde eingefangen, sonst würden sie die Erde nicht so leicht wieder verlassen können. Gegenwärtig sind rund 20 Erd-Coorbitale-Asteroiden bekannt, von denen wenigstens vier zumindest zeitweilig gleichsam zum Erdtrabanten werden.

Die Herkunft dieser Asteroiden ist gegenwärtig nicht geklärt. "Einige könnten vom Mond stammen, Brocken, die bei Meteoriteneinschlägen aus der Mondoberfläche herausgesprengt worden sind. Andere stammen vermutlich aus dem Asteroidengürtel" meint Paul Chodas vom Near Earth Object Program der NASA am JPL.

Eine genauere Untersuchung der zeitweiligen Trabanten der Erde durch Raumsonden oder gar ein interplanetarer Bergbau ist indes schwieriger, als man meinen sollte: Die meisten Coorbitalen umkreisen die Sonne auf Bahnen, deren Ebene gegenüber der Bahnebene der Erde geneigt ist, so dass Raumsonden die Bahnebene der Erde verlassen müssten, was relativ energieaufwendig ist.

Coorbitale-Asteroiden sind keine Seltenheit. Jupiter verfügt über eine ganze Familie solcher Objekte, die Trojaner genannt werden. Sie umfasst knapp 1.700 einzelne Objekte, von denen die meisten dem Jupiter auf seiner Bahn rund 60 Grad voraus oder 60 Grad hinterherlaufen.

Theoretische Studien zeigen, dass auch die Erde von Trojanern begleitet werden könnte, die jedoch bislang noch nicht entdeckt wurden. Wie Martin Connors von der Athabasca Universität in Alberta, Kanada, feststellt, hängt die Existenz solcher Asteroiden davon ab, ob zur Zeit der Bildung der Erde, also vor 4,56 Milliarden Jahren, sich in dieser Region Material befand, dass seitdem die Erde auf ihrer Bahn um die Sonne begleitet.

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