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Nach Beobachtungen deutscher Astronomen ist das oft als zehnter Planet bezeichnete Kuiper-Gürtel-Objekt 2003 UB313 deutlich größer als Pluto. Die Forscher bestimmten durch Messung der Wärmeabstrahlung den Durchmesser von 2003 UB313 auf 3.000 Kilometer. Pluto hat einen Durchmesser von 2.300 Kilometern.
Dabei besteht unter allen Wissenschaftlern grundsätzlich Einigkeit darüber, dass Pluto und 2003 UB313 zur selben Klasse von Objekten gehören: Beide sind Mitglieder des so genannten Kuiper-Gürtels, wobei 2003 UB313 dreimal weiter von der Sonne entfernt ist als Pluto. Ein Jahr, als eine Umkreisung der Sonne, dauert auf 2003 UB313 rund 560 Erdjahre. Die Objekte des Kuiper-Gürtels waren lange Zeit nichts weiter als bloße Theorie: Erstmals gelang es Astronomen 1992, einen Kleinplaneten jenseits von Neptun und Pluto zu finden und damit eine damals 40-jährige Vorhersage der Astronomen Kenneth Edgeworth und Gerard P. Kuiper zu bestätigen. Die Wissenschaftler hatten die These aufgestellt, dass es jenseits der Bahn des Neptun einen Gürtel von Asteroiden geben muss, der von der Entstehung des Sonnensystems vor 4,5 Milliarden Jahren übrig geblieben ist. Manchmal werden diese Objekte jedoch von der Gravitationskraft des Neptun ins Innere des Sonnensystems abgelenkt, wo sie dann als Kometen erscheinen. Seit Entdeckung des ersten Kuiper-Gürtel-Objektes sind zahlreiche weitere Brocken jenseits der Neptunbahn aufgespürt worden, die allesamt jedoch nicht an die Größe Plutos heranreichten. Bei 2003 UB313 versprach dies anders zu sein: Nach seiner Entdeckung im Jahr 2005 ließ seine optische Helligkeit darauf schließen, dass das Objekt mindestens die Größe von Pluto hat, vermutlich aber sogar größer ist. Eine genauere Größenbestimmung war jedoch nicht möglich, da das Reflektionsvermögen dieses Kleinplaneten nicht bekannt war. Das heißt, die Astronomen konnten nur grob schätzen, wie viel des Lichtes, das 2003 UB 313 erreicht, von diesem auch wieder ins All reflektiert wird und nahmen einen Wert an, der dem anderer Objekte wie beispielsweise Pluto entspricht. Einem Astronomenteam der Universität Bonn und des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie um Prof. Frank Bertoldi sowie Dr. Wilhelm Altenhoff ist es nun gelungen, die Größe von 2003 UB313 deutlich besser zu bestimmen: Die Bonner Wissenschaftler benutzten dazu die wärmeempfindliche Bolometer-Kamera "MAMBO-2" am 30-Meter Radioteleskop von IRAM (Institut de Radio Astronomie Millimétrique) in Spanien, die vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie entwickelt und installiert wurde, um die Wärmestrahlung von 2003 UB313 zu messen. In diesem Wellenlängenbereich hängt die Helligkeit nur von der Größe und Oberflächentemperatur des Objekts ab. Die Temperatur kann man gut aus der Distanz zur Sonne abschätzen, so dass man die Objektgröße und das optische Reflexionsvermögen aus der von MAMBO gemessenen Helligkeit bestimmen kann. Zudem konnten die Forscher daraus schließen, dass die Oberfläche von 2003 UB313 rund 60 Prozent der einfallenden Sonnenstrahlung reflektiert, was vergleichbar mit Plutos Reflektionsvermögen ist. Mit dem so bestimmten Durchmesser von 2003 UB313 von 3.000 Kilometern dürfte die Diskussion um den Status des Objektes oder aber den Status von Pluto neuen Schwung erhalten: "Da UB313 deutlich größer ist als Pluto", so Bertoldi, "wird es zunehmend schwieriger, Pluto einen Planeten zu nennen, aber UB313 diesen Status zu verwehren." Und Altenhoff ergänzt, dass die neuen Messdaten zeigen würden, "dass Pluto, der ja eigentlich auch als Kuiper-Gürtel-Objekt gelten muss, kein so außergewöhnliches Objekt ist. Vielleicht gelingt es uns, noch weitere solch große Objekte zu finden, die uns dann Aufschlüsse über die Entstehung und Entwicklung unseres Sonnensystems erlauben." Doch ganz klar scheint die Sache noch nicht zu sein: Das Wissenschaftsmagazin Science berichtete in der letzten Woche in seiner Onlineausgabe von einem neuen Hubble-Bild von 2003 UB313, das im Dezember 2005 gemacht worden sein soll. Eine Auswertung dieser Daten hätte ergeben, dass 2003 UB313 ein Reflektionsvermögen von 92 Prozent hat - deutlich mehr als der von den Bonner Wissenschaftlern gefundene Wert. Damit wäre aber 2003 UB313 kaum größer als Pluto. Die Information stammt nach Angaben von Science vom 2003 UB313-Entdecker Michael Brown. Dieser hätte darüber im Rahmen eines öffentlichen Vortrags berichtet. Inzwischen kündigte Brown auf seiner Webseite die Ergebnisse der Hubble-Beobachtungen für Ende Februar an. Offenbar waren die sehr vorläufigen Ergebnisse gegen seinen Wunsch veröffentlicht worden. Die gründliche und genaue Analyse der Daten sei noch nicht abgeschlossen.
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