Home  |  Nachrichten  | Frag astronews.com  | Bild des Tages  |  Kalender  | Glossar  |  Links  | Forum  | Über uns    
astronews.com  
Nachrichten

astronews.com
astronews.com

Der deutschsprachige Onlinedienst für Astronomie, Astrophysik und Raumfahrt

Home  : Nachrichten : Teleskope : Artikel  [Druckansicht]

 
VLT
Der Stoff aus dem Planeten entstehen
Redaktion / MPIfR
astronews.com
24. November 2005

Astronomen haben mit dem neuen Instrument AMBER des Very Large Telescope Interferometer der Europäischen Südsternwarte (ESO) die Gas- und Staubscheibe sowie den Sternwind in der Umgebung des jungen Sterns MWC 297 untersucht und damit die Region, in der einmal Planeten entstehen könnten. Einer anderen Gruppe von Forschern gelang es erstmals, das Gas- und Staubmaterial zu analysieren, das einen Überriesen-Stern umgibt.

MWC 297

Künstlerische Darstellung der innersten Umgebung des jungen Sterns MWC 297 (Querschnitt). Die Messungen mit dem ESO Very Large Telescope Interferometer und dem AMBER-Instrument zeigen, dass die innerste Umgebung des Sterns aus einer Gas- und Staubscheibe und einem Sternwind über- und unterhalb der Scheibe besteht. In dieser Region können aus dem Material der Scheibe neue Planeten entstehen. Das gezeigte Gebiet hat etwa die Ausdehnung der Bahn des Planeten Mars. Bild: AMBER-Konsortium

Um die innerste Region des jungen Sterns MWC 297 mit bisher unerreichter Genauigkeit untersuchen zu können, wurden zwei Teleskope des Very Large Telescope Interferometer (VLTI) der ESO auf dem Berg Cerro Paranal in Chile eingesetzt. Jedes dieser beiden Riesen-Teleskope hat einen Spiegeldurchmesser von 8,2 Metern. Der Abstand der Teleskope beträgt 47 Meter. Beide Teleskope erzeugten Bilder von MWC 297 im infraroten Spektralbereich.

Die gleichzeitige Überlagerung dieser Infrarot-Bilder ermöglichte eine sehr hohe Auflösung. Dieses Verfahren wird als Infrarot-Interferometrie bezeichnet. Die Messungen von MWC 297 wurden mit dem neuen Interferometrie-Instrument AMBER des VLTI durchgeführt, das gleichzeitig interferometrische Bildüberlagerung und Zerlegung des Lichtes in einzelne Wellenlängen also Spektroskopie ermöglicht.

Die Untersuchung von MWC 297 hat ein international zusammengesetztes Team durchgeführt, das von Fabien Malbet von der Universität Grenoble geleitet wurde. Das AMBER-Interferometrie-Instrument wurde für die Europäische Südsternwarte von einem internationalen Konsortium gebaut, an dem folgende Institute beteiligt sind: Laboratoire Universitaire d’Astrophysique de Nice, Laboratoire d’Astrophysique de l’Observatoire de Grenoble, Laboratoire Gemini de l’Observatoire de la Cote d’Azur, Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn und Osservatorio Astrofisico di Arcetri in Florenz. Principle Investigator dieses Projektes ist Romain Petrov von der Universität Nizza. Für die Entwicklung der Infrarot-Kamera und die Datenerfassungssoftware war die Forschungsgruppe von Gerd Weigelt am Max-Planck-Institut für Radioastronomie verantwortlich.

Die Messung des jungen Sterns MWC 297 ist eines der ersten Forschungsergebnisse, das mit dem neuen AMBER-Instrument gewonnen wurde. Es zeigt sich, dass MWC 297 von einer riesigen Scheibe aus Staub und Gas umgeben ist, die als Akkretionsscheibe bezeichnet wird. Diese Akkretionsscheibe strahlt bei vielen unterschiedlichen Wellenlängen im infraroten Spektralbereich. Zusätzlich existiert ein intensiver Sternwind, der vom Stern mit hoher Geschwindigkeit weggeblasen wird. Dieser Sternwind strahlt im infraroten Spektralbereich nur Licht einer einzigen Wasserstoff-Emissionslinie (Brackett-Gamma-Linie) aus.

Werbung

Mit AMBER können nun beide Lichtbestandteile getrennt gemessen werden. Dadurch wird es erstmals möglich, sowohl die Ausdehnung der Akkretionsscheibe als auch die des Sternwindes zu bestimmen. Die Infrarot-Strahlung der Scheibe entsteht in einem Gebiet, das 1,75 Astronomische Einheiten groß ist. Eine Astronomische Einheit ist gleich der Entfernung der Erde von der Sonne (150 Millionen Kilometer). Das Wasserstofflicht des Sternwindes kommt hingegen aus einem viel größeren Gebiet mit einer Ausdehnung von 2,5 Astronomischen Einheiten.

Zur genauen Auswertung der Messdaten wurde eine neue Modellierungsmethode eingesetzt, mit deren Hilfe gleichzeitig die Akkretionsscheibe und der Sternwind interpretiert werden können. Demnach stößt der Stern das ionisierte Gas des Sternwindes in fast alle Raumrichtungen aus. Während das Gas in der Nähe der Scheibe eine Expansionsgeschwindigkeit von nur 60 Kilometern pro Sekunde hat, bewegt sich der Sternwind in polarer Richtung mit Geschwindigkeiten von bis zu 600 Kilometern pro Sekunde.

Diese Ergebnisse zeigen, dass es mit AMBER möglich ist, die physikalischen Eigenschaften des Materials in der Umgebung von jungen Sternen mit höchster Auflösung zu untersuchen. Da sich in solchen Gebieten auch Planeten bilden, können nun völlig neuartige Informationen über die Entstehung von Planeten gewonnen werden.

Beim zweiten Forschungsprojekt, das mit AMBER unter der Leitung von Armando Domiciano de Souza vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn durchgeführt wurde, konnte erstmalig Licht von drei der vier großen 8,2-Meter-Teleskope des VLTI erfolgreich überlagert werden. Im Gegensatz zu MWC 297 handelte es sich bei dem beobachteten Objekt CPD-57°2874 um keinen jungen Stern, sondern um einen massereichen Stern in einer späten Phase seiner Existenz.

Dieser Stern, ein so genannter Überriese, ist ungefähr 10.000-mal leuchtkräftiger als unsere Sonne und etwa 50-mal so groß. Mit einer Entfernung von 8.000 Lichtjahren ist er etwa 10-mal weiter von der Erde entfernt als MWC 297. Die detaillierten AMBER-Beobachtungen von CPD-57°2874 haben entscheidend dazu beigetragen, unser Verständnis vom Ursprung und den physikalischen Eigenschaften der Materie in der Umgebung von Überriesen-Sternen zu verbessern.

Forum
VLT Interferometrie.  Diskutieren Sie mit anderen Lesern im astronews.com Forum.
siehe auch
VLT: AMBER sorgt für scharfen Infrarot-Blick - 7. April 2004
Links im WWW
Max-Planck-Institut für Radioastronomie
ESO
In sozialen Netzwerken empfehlen
 
Werbung
Werbung
astronews.com 
Nachrichten Forschung | Raumfahrt | Sonnensystem | Teleskope | Amateurastronomie
Übersicht | Alle Schlagzeilen des Monats | Missionen | Archiv
Weitere Angebote Frag astronews.com | Forum | Bild des Tages | Newsletter
Kalender Sternenhimmel | Startrampe | Fernsehsendungen | Veranstaltungen
Nachschlagen AstroGlossar | AstroLinks
Info RSS-Feeds | Soziale Netzwerke | astronews.com ist mir was wert | Werbung | Kontakt | Suche
Impressum | Nutzungsbedingungen | Datenschutzerklärung
     ^ Copyright Stefan Deiters und/oder Lieferanten 1999-2017. Alle Rechte vorbehalten.  W3C

© astronews.com / Stefan Deiters und/oder Lieferanten 1999 - 2017
Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung nur mit Genehmigung.


URL dieser Seite: http://www.astronews.com/news/artikel/2005/11