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SPACE SHUTTLE
Der lange Weg zum Crew Exploration Vehicle (2)

Zurück zum 1. Teil: Alternde Shuttle-Flotte, neue Konzepte

Crew Transfer Vehicle

Das Crew Transfer Vehicle (CXV) beim Anflug auf die ISS. Bild: Mark Maxwell / Transformational Space Corp.

Wie die Washington Post am 9. Mai berichtete, soll ein kleines Team von NASA-Experten das Projekt leiten. Ähnliches hatte die NASA unter Wernher von Braun für das Apollo-Programm durchgeführt. Die Zeitung berichtet auch von einem Konflikt zwischen Griffin und dem Hauptarchitekten des bisherigen Plans, dem ehemaligen Marineadmiral Craig E. Steidle. Doch hat dieser die Berichte darüber in einem Telefoninterview mit der Post dementiert. Allerdings beruft sich die Zeitung auf interne Quellen, die nicht genannt werden wollen.

Nach Steidles Konzept sollten Firmen in diesem Frühjahr ihre Konzepte vorlegen. Daraus würden zwei ausgewählt, die in einem mehrjährigen Wettstreit um die Auftragsvergabe kämpfen sollten. Zum Stichtag am 2. Mai reichten zwei Konsortien – eines um Lockheed Martin und eines um Northrop Grumman und Boeing – ihre Vorschläge ein. Doch scheinen die Pläne inzwischen schon überholt zu sein.

Ursprünglich dachte die NASA an Raumschiffe mit einem Startgewicht von 20 Tonnen, ohne die Ladung und die externen Raketen. Doch auf einem Treffen in Washington hielt Griffin die Vorgabe für nicht haltbar: "Vermutlich kann das CEV nicht weniger als 30 Tonnen wiegen, um all seine Aufgaben zu erfüllen, die Versorgung der ISS und die später folgenden Mondflüge." Auf einer Internetseite von Boeing ist jedenfalls zu sehen, dass das CEV mit einer Delta 4 Rakete gestartet werden sollte. Diese kann aber nur 23 Tonnen in eine niedrige Erdumlaufbahn bringen. Auch hat Griffin immer wieder deutlich gemacht, dass er das existierende Trägersystem weiterhin nutzen möchte. Am 2. Mai erklärte er: "Als NASA-Administrator steht mir heute schon ein Schwerlastträger im Shuttle-System zur Verfügung. Ich werde dies nicht leichtfertig aufgeben und kann dies auch nicht guten Gewissens tun. Jede andere Lösung, um 100 Tonnen in eine Umlaufbahn zu bringen, wird teurer sein, als das effizient zu nutzen, was wir schon haben."

Wie die Wissenschaftszeitschrift New Scientist am 16. Mai berichtete, denkt die NASA inzwischen wohl über eine andere Möglichkeit nach. Danach könnten die Astronauten mit einem anderen Fluggerät, dem Crew Transfer Vehicle, zum CEV gebracht werden. Der Start würde von einem Flugzeug aus erfolgen. Aus zehn Kilometern Höhe würde die Rakete abgeworfen werden. Entsprechende Tests mit drei unbemannten, circa sechs Metern großen Flugkörpern hat die amerikanische Firma Transformational Space Corporation (t/Space) im Mai und Juni durchgeführt. Der Trick besteht darin, dass beim Ausklinken die Spitze der Rakete etwas länger festgehalten wird. Während sie herunter fällt, stellt sie sich senkrecht. Zur Abschwächung des Falls und der Drehung verzögert ein Fallschirm den Vorgang. Wenn die Rakete ausreichend weit genug vom Flugzeug entfernt ist, wird das Triebwerk gezündet.

Die Ingenieure sehen einen Pluspunkt für dieses System in der Treibstoffersparnis. Immerhin könnten damit bis zu vier Astronauten in eine niedrige Erdumlaufbahn und damit zum CEV gebracht werden. Außerdem wären die Sicherheitsanforderungen für das CEV geringer, die beim Start zu berücksichtigen wären. Für die Techniker wäre die Arbeit dadurch einfacher. Die NASA fördert die Entwicklung mit 3,6 Millionen Euro. Bis zum ersten richtigen Prototyp ist aber noch ein weiter Weg zurückzulegen. Die endgültige Version der Rakete soll 27,5 Meter groß sein. Dafür wird auch ein sehr großes Flugzeug benötigt, das erst noch entwickelt werden muss.

Die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA durchlebt gegenwärtig turbulente Zeiten. Noch hält sich NASA-Administrator Michael D. Griffin mehrere Optionen offen. Allerdings will er den Shuttle-Nachfolger schon 2010 fertig haben und legt ein entsprechendes Tempo vor. Letztlich ist es auch eine Frage des Geldes. Fällt der Shuttle-Nachfolger deutlich größer aus, wird der bisher veranschlagte Kostenrahmen nicht zu halten sein. Auf einem Hearing im amerikanischen Kongress am 18. Mai schloss Griffin deshalb nicht aus, dass er Gelder aus anderen Wissenschaftsprojekten der NASA abziehen könnte. Vielleicht zeichnet sich bis Ende des Jahres ein klareres Bild ab.

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