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SCHWARZE LÖCHER
Ganz schön heiß hier
von Stefan Deiters
astronews.com
14. April 2005

Einem unachtsamen Weltraumreisenden, der einem supermassereichen Schwarzen Loch zu nahe kommt,  stünde nach Ansicht vieler Astronomen ein ungemütliches Schicksal bevor: Die gewaltige Gravitationskraft würde so sehr an ihm zerren, dass sein Körper auseinander gezogen und regelrecht "spaghettisiert" werden würden. Falsch, meint jetzt ein amerikanischer Astronom: So dramatisch ist es nicht, der unglückliche Astronaut würde vermutlich eher gegrillt.

Schwarzes Loch

Künstlerische Darstellung des relativistischen Materiestroms um ein schnell rotierendes Schwarzes Loch. Bild: Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik

Schwarze Löcher faszinieren nicht nur die interessierte Öffentlichkeit, sondern halten auch für die aktuelle Forschung immer noch Überraschungen bereit. Die meisten Wissenschaftler sind fest davon überzeugt, dass Schwarze Löcher existieren, akzeptieren aber auch, dass viele ihrer Theorien unter den Extrembedingungen in der Nähe dieser Materiemonster nicht mehr so richtig funktionieren. Andrew Hamilton, Professor für Astrophysik an der Universität von Colorado, glaubt zu wissen, was man innerhalb eines Schwarzen Loches antreffen kann und ist überzeugt, dass die bisherige Annahme, man würde dort quasi "spaghettisiert", also der Länge nach auseinander gerissen, falsch ist.

Die meisten Menschen, die sich für die Physik rund um Schwarze Löcher interessieren, oder die regelmäßig ins Kino gehen, haben schon einmal vom "Ereignishorizont" gehört, dem theoretischen Punkt ohne Wiederkehr. Doch Schwarze Löcher, die in der wirklichen Welt vorkommen, sollten ein wenig komplexer sein und zwei dieser Horizonte haben: einen äußeren und einen inneren Ereignishorizont. Hat man den ersten Horizont passiert, geschehen merkwürdige Dinge: So stürzt etwa der Raum mit einer größeren Geschwindigkeit als das Licht ins Innere. Doch hinter dem zweiten Horizont im Zentrum ist die Welt wieder normal. Und genau für diesen Bereich interessiert sich Hamilton.

Ganz im Zentrum dieser Region befindet sich eine Singularität, die Masse verschlingt. Allerdings, so Hamiliton, würden die Gesetze der allgemeinen Relativitätstheorie ihren Appetit zügeln: Verschlingt die Singularität zu viel, würde sie gravitativ abstoßend werden und anstatt Materie zu verschlingen, würde sich heißes Plasma aufstauen, dass nur langsam in der Singularität verschwindet.

Je nach Größe des Schwarzen Loches könnte es dieses heiße Plasma sein, glaubt Hamilton, was letztendlich für den Tod des Weltraumreisenden sorgt. Viele Lehrbücher beschreiben das Ende eines Astronauten in einem Schwarzen Loch anders: Wegen der extremen Anziehungskraft würden die Füße des Unglücklichen stärker angezogen als sein Kopf und er so auseinander gerissen. Für ein kleines Schwarzes Loch mit nur wenigen Sonnenmassen könnte dies zutreffend sein, glaubt Hamilton, aber bei supermassereichen Schwarzen Löchern, die Millionen oder Milliarden mal mehr Masse haben als unsere Sonne, sieht das anders aus: Hier seien die Gezeitenkräfte, die für die Spaghettisierung sorgen relativ schwach, so das man eher durch die Hitze umkäme als durch diesen Effekt.

Welche Theorie nun stimmt, dürfte noch einige Zeit im Dunkeln bleiben. Und dem Weltraumreisenden wird die Aussicht gegrillt zu werden kaum willkommener sein als die, von den Gezeitenkräften zerrissen zu werden.

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siehe auch
Computersimulationen: Chaos rund ums Schwarze Loch - 8. März 2005
Schwarze Löcher: Radarfalle für Massenmonster - 25. Februar 2005
Schwarze Löcher: Kollidierende Galaxien wecken Schwarze Löcher - 10. Februar 2005
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