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SPITZER
Planetensystem entsteht um Braunen Zwerg
von Stefan Deiters
astronews.com
7. Februar 2005

Planeten, so ergaben jetzt Beobachtungen mit dem Infrarot-Weltraumteleskop Spitzer, müssen nicht unbedingt um Sterne kreisen: Sie können auch einen so genannten Braunen Zwerg umrunden, der nicht viel größer ist als der Gasriese Jupiter. Konkret beobachteten die Astronomen ein entstehendes Planetensystem um den Brauner Zwerg OTS 44, der nur 15-mal massereicher ist als Jupiter.

OTS 44

So stellt sich ein Künstler die Staubscheibe um OTS 44 vor, in der mehrere Planeten entstehen könnten. Bild: NASA / JPL

"Es könnte eine Vielzahl von Miniatur-Sonnensystemen da draußen geben, in denen Planeten Braune Zwerge umkreisen", erläutert Dr. Kevin Luhman von Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics im amerikanischen Cambridge. "Und damit stellen sich alle möglichen Fragen, beispielsweise, ob auf solchen Planeten Leben existieren könnte oder aber wie man diese Planeten, die ein nur Planeten-großes Objekt umrunden, eigentlich korrekterweise bezeichnet. Sind es Monde oder Planeten?"

Bei Braunen Zwergen handelt es sich um Objekte, denen es nicht gelungen ist, ausreichend Masse aufzusammeln, um das nukleare Feuer in ihrem Inneren zünden zu können. Im Inneren von Braunen Zwergen laufen also keinerlei Fusionsprozesse ab. In dieser Hinsicht ähneln sie somit Planeten. Allerdings findet man Braune Zwerge häufig auch allein im Weltraum, was wieder den normalen Sternen ähnlicher ist. Die Bezeichnung "gescheiterter Stern", die gerne verwendet wird, um Braune Zwerge zu beschreiben, ist deswegen wohl recht zutreffend.

"Bei unseren Beobachtungen konnten wir alle nötigen Bestandteile für Planeten um einen Braunen Zwerg entdecken, der wirklich von der Masse her gerade an der Grenze zwischen Planet und Brauner Zwerg liegt", so Dr. Giovanni Fazio, der auch in Cambridge arbeitet. "Das wirft die interessante Frage auf, ob tatsächlich auch Planeten-große Objekte Planeten haben können.

Die entdeckte so genannte protoplanetare Scheibe ist die Vorstufe zu einem Planetensystem. Die Scheibe, die um den Braunen Zwerg OTS 44 kreist, hat nach Auffassung der Wissenschaftler genug Masse, um einen Gasriesen und mehrere erdähnliche Planeten zu produzieren. Und damit fragt man sich natürlich sofort, ob Leben auf solchen Planeten existieren könnten. "Wenn Leben dort tatsächlich existiert, müsste es in der Lage sein, sich ständig an die zurückgehenden Temperaturen des Braunen Zwerges anzupassen. Und flüssiges Wasser wäre nur in deutlich geringerer Entfernung zum Braunen Zwerg möglich als in unserem Sonnensystem," so Luhmann. "Es ist aber faszinierend, über Leben auf diesen Planeten zu spekulieren. Wir beginnen allerdings gerade erst, diese ungewöhnlichen Planeten zu verstehen."

Braune Zwerge sind relativ schwierig zu beobachten, weil sie sehr dunkel sind. Zwar wurde unlängst über ein direktes Bild eines Planeten um einen Braunen Zwerg berichtet (astronews.com berichtete), doch weiß man über die Entstehung von Planeten um diese Objekte so gut wie gar nichts - insbesondere, wenn es sich um massearme Braune Zwerge handelt.

OTS 44 wurde von Luhmann und seinen Kollegen vor sechs Monaten mit dem Gemini-Teleskop in Chile entdeckt. Der Braune Zwerg ist 500 Lichtjahre von der Erde entfernt und liegt im Sternbild Chamäleon. Später benutzten sie Spitzer, um mit dem empfindlichen Infrarot-Teleskop, den schwachen Schein der Staubscheibe um OTS 44 zu beobachten.

siehe auch
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