Der Bergrücken, über dessen Ursprung die Wissenschaftler rätseln, verläuft
über eine Länge von 1.300 Kilometern mitten durch die dunkle Hemisphäre des
Mondes und erreicht eine Höhe von bis zu 20 Kilometern. Kein anderer Mond im
Sonnensystem verfügt über eine solch ungewöhnliche geologische Formation. An
einigen Stelle besteht der Rücken aus einzelnen Gipfeln, deren Höhe mit der von
Olympus Mons auf Mars mithalten kann, der drei Mal höher als der irdische Mount
Everest ist. Für einen Mond, der nur ein Fünftel der Größe des Mars hat, sind
diese Größenordnungen durchaus überraschend.
Die nun entdeckten Strukturen machen den Trabanten, der mit einem Durchmesser
von rund 1.400 Kilometern der drittgrößte Mond Saturns ist, noch mysteriöser.
Seit seiner Entdeckung durch Jean-Dominique Cassini im Jahr 1672 rätseln die
Astronomen über die Ursache für die so drastisch unterschiedliche Farbe der
beiden Mondhälften: Eine erscheint dunkel wie eine frisch geteerte Straße, die
andere weiß, wie von gerade gefallenem Schnee bedeckt. Auf Bildern der Sonde
Cassini sind nun filamentartige dunkle Streifen zu erkennen, die in den
Grenzregionen zwischen den beiden Hemisphären in die hellen Bereiche
hineinragen. Das deutet nach Ansicht der Forscher drauf hin, dass dunkles
Material auf Iapetus hinabgeregnet sein muss. Woher es aber stammt, ist nach wie
vor unklar.
Vielleicht bringt der nächste Vorüberflug Cassinis an dem Saturnmond
mehr Klarheit: Im September 2007 wird die Sonde deutlich dichter an Iapetus
vorüberfliegen. Die Wissenschaftler erhoffen sich dann etwa 100 Mal
detailreichere Aufnahmen als diejenigen, die sie gerade auswerten.