Die vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) betriebene,
hochauflösende Stereokamera HRSC an Bord der ESA-Mission Mars Express
fotografierte in Orbit 368 einen Teil des südlichen Hochlands des Mars mit einer
Auflösung von 14 Metern pro Bildpunkt. Die Abbildungen zeigen ein Gebiet in
Promethei Terra östlich des großen Hellas-Einschlagbeckens. Das Bildzentrum
liegt bei 42 Grad südlicher Breite und 118 Grad östlicher Länge.
Die glatte Oberfläche im Süden des Gebiets ist auf eine alles bedeckende, zum
Teil viele Meter dicke Schicht zurückzuführen, die alle Formen verhüllt. Diese
Schicht besteht vermutlich aus Staub oder vulkanischer Asche. Auch junge
Einschlagkrater verlieren schnell ihre deutlichen Konturen, da sie schnell mit
diesem lockeren Material aufgefüllt werden oder das instabile Material der
Kraterränder schnell wegbricht oder abrutscht. An den Scheiteln der Kraterränder
ist die Schicht durchbrochen. Diese Staubschicht verleiht der Bildszene einen
leicht unscharfen Eindruck, obwohl das Bild mit höchster Auflösung aufgenommen
wurde und sehr feine Details wiedergibt.
Der große Krater hat einen Durchmesser von 32 Kilometer und ist teilweise bis
zu 1200 Meter tief. Der dunkle Kraterboden entstand wahrscheinlich durch
Ausblasungen des lockeren Materials, das sich dann in südlicher Richtung zu
einer dicken Schicht ansammeln konnte.
Die zahlreichen dunklen Spuren in nordwestlicher und westlicher Richtung
stammen von so genannten Staubteufeln. Diese Luftwirbel wehen die oberste, durch
ihre Wechselwirkung mit der Atmosphäre etwas anders gefärbte Staubschicht weg
und legen den darunterliegenden Boden frei. Die von den Staubteufeln
hinterlassenen Spuren können mehr als zwanzig Kilometer lang sein und heben sich
als dunkle Linien von der Umgebung ab. Die Staubteufel sind nicht an
morphologische Grenzen gebunden, ihre Spuren gehen über die Kraterränder hinweg.
Auch in der dicken Staubschicht im südlichen Teil des Kraters können die Spuren
der Staubteufel erkannt werden; durch die Dicke der Schicht werden hier aber
keine dunkleren Materialien freigelegt. Die Spuren zeigen deutlich zwei
verschiedene Hauptzugrichtungen der Staubteufel, die in
nordwestlich-südöstlicher beziehungsweise in östlich-westlicher Richtung
verlaufen. Die Spuren der Staubteufel sind kurzlebige Zeugen der aktuellen
atmosphärischen Aktivität an der Oberfläche des Mars, die zu einem großen Teil
in der Bewegung von Staub durch Wind besteht.
Das Kameraexperiment HRSC auf der Mission Mars Express der
Europäischen Weltraumorganisation ESA wird vom Principal Investigator Prof. Dr.
Gerhard Neukum (Freie Universität Berlin), der auch die technische Konzeption
der hochauflösenden Stereokamera entworfen hat, geleitet. Das Wissenschaftsteam
besteht aus 45 Co-Investigatoren aus 32 Instituten und zehn Nationen. Die Kamera
wurde am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und in Kooperation mit
industriellen Partnern gebaut. Die Kamera wird vom DLR-Institut für
Planetenforschung in Berlin-Adlershof betrieben. Hier erfolgt auch die
systematische Datenprozessierung. Die hier gezeigten Darstellungen wurden vom
Institut für Geologische Wissenschaften der FU Berlin in Zusammenarbeit mit dem
DLR-Institut für Planetenforschung in Berlin erstellt.