"Das aufregende an unserem Modell ist, dass sich das Kohlenstoffdioxid
sehr lange in der Atmosphäre halten konnte und so durch den Treibhauseffekt den
Mars für einen sehr langen Zeitraum warm halten konnte", erläutert Alberto
Fairen von der Universidad Autónoma de
Madrid. Da die amerikanischen Marssonden Global Surveyor und 2001
Mars Odyssey nur
sehr wenig kohlenstoffhaltige Karbonate auf der Oberfläche des roten
Planeten nachweisen konnten, waren die Marsforscher in letzter Zeit von
der Vorstellung lange, lebensfreundlicher Wärmeperioden in der
Geschichte des Planeten abgerückt.
In dem neuen Modell von Fairen und seinen Kollegen spielen die Ozeane
eine wichtige Rolle. Durch einen hohen Gehalt an Eisen- und
Schwefelsalzen waren die Ozeane stark übersäuert. Die Chemie in dieser
sauren Umgebung verhinderte, dass sich das in den Ozeanen gelöste
Kohlendioxid in mineralischer Form ablagern konnte. Als sich die Ozeane
später in der Geschichte des Planeten zurückbildeten, wurde das
Kohlendioxid wieder in die dünner werdende Atmosphäre freigesetzt und
entwich überwiegend ins Weltall.
Mit seiner sauren Chemie gleichen die Marsozeane im Modell von Fairen
und seinen Kollegen stark dem ungewöhnlichen Fluss Rio Tinto in Spanien.
Der Fluss verdankt seinen Namen der rötlichen Farbe seines Wassers, das
wie die frühen Marsozeane reich an gelöstem Eisen und Schwefel ist. Der
Rio Tinto ist ein reichhaltiges Reservoir exotischer Bakterien, Hefen
und Pilze, die sich auf das Überleben in dieser sauren Umgebung
spezialisiert haben.