Die gestern vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
veröffentlichten Bilder der Stereokamera HRSC (High Resolution Stereo Camera)
an Bord der ESA-Mission Mars Express zeigen einen Krater im
nordwestlichen Randbereich des Argyre Planitia Einschlagbeckens und wurden in
Orbit 427 aufgenommen. Auf dem Boden des Kraters befindet sich ein Dünenfeld.
Das Kraterzentrum liegt ungefähr bei 303,2 Grad östlicher Länge und 43,9 Grad
südlicher Breite.
Der Krater besitzt einen Durchmesser von ungefähr 45 Kilometer und ist bis zu
zwei Kilometer tief. Das im nordöstlichen Bereich des Kraterbodens erkennbare
Dünenfeld besteht aus dunklem, wahrscheinlich basaltischem (d.h. von
Vulkanausbrüchen stammenden) Sand und umfasst eine Fläche von ca. sieben mal
zwölf Kilometer.
Ein Hinweis auf mögliche Windrichtungen in diesem Bereich lässt sich aus der
Dünenform ableiten: Auf der Erde befinden sich solche sichelförmigen Dünen, so
genannte Barchane-Dünen, die im Luv (der dem Wind zugewandten Seite) flach und
im Lee (der dem Wind abgewandten Seite) steil sind, in sehr trockenen Gebieten.
Die Sichelenden dieser Barchane eilen der vorherrschenden Windrichtung voraus.
Der Dünenkörper in diesem Bild weist eine deutliche Übersteilung im westlichen
Bereich auf. Wenn erdähnliche Prozesse angenommen werden können, würde das auf
eine östliche Windströmung hinweisen. Die Herkunft des Dünenmaterials ist
unklar.
Das Kameraexperiment HRSC auf der Mission Mars Express der
Europäischen Weltraumorganisation ESA wird vom Principal Investigator Gerhard
Neukum (Freie Universität Berlin), der auch die technische Konzeption der
hochauflösenden Stereokamera entworfen hatte, geleitet. Das Wissenschaftsteam
besteht aus 45 Forschern aus 32 Instituten und zehn Nationen. Die Kamera wurde
am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelt und in Kooperation
mit industriellen Partnern gebaut. Sie wird vom DLR-Institut für
Planetenforschung in Berlin-Adlershof betrieben. Hier erfolgt auch die
systematische Datenprozessierung. Die Originalbilder wurden mit einer Auflösung
von ungefähr 16,2 Meter pro Bildpunkt aufgenommen.