Home  |  Nachrichten  | Frag astronews.com  | Bild des Tages  |  Kalender  | Glossar  |  Links  | Forum  | Über uns    
astronews.com  
Nachrichten

astronews.com
astronews.com

Der deutschsprachige Onlinedienst für Astronomie, Astrophysik und Raumfahrt

Home  : Nachrichten : Raumfahrt : Artikel  [Druckansicht]


MARS EXPRESS
Mehr Geld für deutsche Stereo-Kamera
Redaktion
astronews.com
2. Juni 2004

Seit Anfang des Jahres begeistern die Bilder der europäischen Sonde Mars Express Wissenschaft und interessierte Öffentlichkeit. Nun stellte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) dem "Vater" der Stereokamera weitere Geldmittel zur Verfügung, um die bestmögliche Auswertung der Daten vom roten Planeten sicherzustellen.

Acheron Fossae

Die Acheron Fossae-Region, unten eine 3D-Rekonstruktion des Gebietes. Foto/Bild: ESA/DLR/FU Berlin (G. Neukum) [Großansicht]

Mit weiteren 550.000 Euro fördert das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) das Mars-Kamera-Projekt von Prof. Dr. Gerhard Neukum. Damit hat die DLR die Gesamtsumme der Projektförderung für den Planetenforscher der Freien Universität Berlin auf etwa 1,2 Millionen Euro erhöht. Das Anschlussprojekt dient der Auswertung der sensationellen Aufnahmen von der Marsoberfläche.  Gerhard Neukum ist der Erfinder der Stereo-Kamera HRSC/SRC an Bord des ersten europäischen Mars-Orbiters Mars Express. Er leitete den Bau der Kamera und trägt die primäre wissenschaftliche Verantwortung für die Datenerfassung und anschließende Auswertung zusammen mit einem international besetzten Team aus Wissenschaftlern. Die Aufnahmen, die die Kamera von der Oberfläche des roten Planeten lieferte, gehen seit Jahresbeginn um die ganze Welt.

Ein Ziel des Kameraexperiments ist die globale Abdeckung der Marsoberfläche, die in ihrer Größe der Landoberfläche aller Kontinente der Erde entspricht. Die Missionszeit beträgt zwei bis vier Jahre. Hinter der HRSC-Kamera (High Resolution Stereo Camera) verbirgt sich ein zwanzig Kilogramm schweres Gerät, das wie ein Flachbettscanner arbeitet: Neun verschiedene Zeilensensoren nehmen quer zur Flugrichtung denselben Bildstreifen auf. Weil jeder Sensor das gleiche Bild aus einem anderen Blickwinkel aufnimmt, kann daraus ein dreidimensionales Bild konstruiert werden. Der Clou ist ein zweiter Kamerakopf, der wie eine Lupe arbeitet: Das ultra hoch auflösende Teleobjektiv SRC (Super-Resolution Channel) fotografiert weitere Details von der Marsoberfläche, die in die übrigen Bilder eingebettet werden.

Beachtlich ist neben der einmaligen Stereofähigkeit zur dreidimensionalen Erfassung der Marsoberfläche die Fähigkeit der Kamera, gleichzeitig Farbbilder zu liefern und große Gebiete in hoher Auflösung aufzunehmen. Die Kamera erreicht damit einen neuen Rekord der Mars-Forschung: Aus 275 Kilometern Entfernung liefert sie 4.000 Kilometer lange und sechzig bis achtzig Kilometer breite Bildstreifen mit einer Auflösung von zwölf Metern pro Bildpunkt (Pixel). Die Bilder des Teleobjektivs haben sogar eine Auflösung von zwei bis drei Metern. Die bisher für globale Untersuchungen verfügbaren Daten noch aus den Viking-Missionen der siebziger Jahre liegen bei nur 100 bis 200 Meter pro Bildpunkt. Obwohl sich die Mars Express-Mission noch in der orbitalen Test- und Vorbereitungsphase befindet, sind mit der HRSC-Kamera bereits etwa acht Prozent der Marsoberfläche erfasst worden.

Werbung

Ein eindrucksvolles Beispiel für die Leistungsfähigkeit der Stereokamera sind auch die unlängst veröffentlichten Bilder der Spuren von starken tektonischen Spannungen in der Kruste des Roten Planeten in der so genannten Acheron Fossae-Region. Dieses Gebiet ist von tiefen Gräben durchzogen, was von einer intensiven "Zerscherung" der Oberfläche in der geologischen Vergangenheit des Mars zeugt. Die Aufnahmen, die die bogenförmigen Gräben und Bergrücken zeigen, entstanden in Orbit 37. Der Acheron ist ein Fluss im Nordosten Griechenlands. In der griechischen Mythologie fließen in ihm Trauer und Leid durch ein Felsentor in den "Hades", die Unterwelt. Die Acheron Fossae, "die Gräben des Acheron", befinden sich etwa tausend Kilometer nördlich von Olympus Mons, dem größten Vulkan auf dem Mars. Zwischen etwa 35 und 40 Grad nördlicher Breite und 220 bis 230 Grad östlicher Länge bildet hier ein mehrere Kilometer hohes, wie eine umgekehrt liegende Mondsichel geformtes Gebirgsmassiv die nördliche Grenze des Marshochlandes. Das kleine Gebirge befindet sich am Nordrand des Tharsis-Plateaus und ist Bestandteil eines sternförmig orientierten Netzes von Dehnungsstrukturen, deren Mittelpunkt sich im Zentrum der Tharsis-Aufwölbung befindet.

Vermutlich wurde die Tharsis-Erhebung durch heißes, aus dem Marsmantel emporsteigendes Material nach oben gestemmt. Die größten Vulkane des Mars finden sich in dieser Region. Als die Spannungen in der starren Gesteinskruste auf der Lithosphäre, einer elastischen Zone zwischen Kruste und Mantel, zu groß wurden, bildeten sich die hier gezeigten "Sprünge" entlang von so genannten Schwächezonen. Die Aufnahmen lassen eine stark zergliederte "Berg-und-Tal"-Landschaft erkennen. Aus dem zentralen Teil der Acheron Fossae verläuft oberhalb der Bildmitte ein 15 Kilometer breites und 1.700 Meter tiefes Tal. Das Gebiet ist ein klassisches Beispiel für eine tektonische Struktur, die in der Geologie als "Horst und Graben"-System bezeichnet wird: Durch die Dehnung der Kruste rutschen große Blöcke entlang von Abschiebungsflächen ab und bilden Gräben zwischen den stehen gebliebenen Bergrücken, den "Horsten".

Derartige tektonische Muster sind auch auf der Erde bekannt und finden sich meist entlang der Bruchlinie zweier auseinanderdriftender Kontinente und werden dann als "Riftzone" bezeichnet. Ein aktuelles Beispiel ist das Kenia-Rift in Ostafrika. In geologischer Vorzeit bildete sich auch der Oberrheingraben zwischen Basel und Karlsruhe auf diese Weise. Die Möglichkeit, mit der HRSC eine Landschaft gleichzeitig in hoher Auflösung und dreidimensional zu betrachten, versetzt die Wissenschaftler nun in die Lage, das Gebiet genauer "unter die Lupe" zu nehmen, um detaillierte Aussagen über die geologischen Prozesse zu treffen, die bei der Bildung der Acheron Fossae eine Rolle gespielt haben. Der flache Talgrund der Gräben ist von einem auffällig glatten Material bedeckt, das zudem an einigen Stellen deutlich dunkler als die Umgebung ist. Geschwungene Formen bzw. Fließstrukturen sind ein Hinweis darauf, dass sich eine zähflüssige Masse von den Hängen herab in die Täler bewegt hat. Noch ist nicht bekannt, ob Vulkanismus hier eine Rolle gespielt haben mag, oder ob sich Wasser und Eis durchmischt von Gestein über den Boden herabgeschoben hat.

siehe auch
Mars Express - Missionsseite bei astronews.com
Mission Mars
- die astronews.com-Berichterstattung über die Erforschung des roten Planeten
siehe auch
Mars Express, Homepage der ESA
DLR Mars Express, deutsche Seiten des DLR
In sozialen Netzwerken empfehlen
 
Werbung
Werbung
astronews.com 
Nachrichten Forschung | Raumfahrt | Sonnensystem | Teleskope | Amateurastronomie
Übersicht | Alle Schlagzeilen des Monats | Missionen | Archiv
Weitere Angebote Frag astronews.com | Forum | Bild des Tages | Newsletter
Kalender Sternenhimmel | Startrampe | Fernsehsendungen | Veranstaltungen
Nachschlagen AstroGlossar | AstroLinks
Info RSS-Feeds | Soziale Netzwerke | astronews.com ist mir was wert | Werbung | Kontakt | Suche
Impressum | Nutzungsbedingungen | Datenschutzerklärung
     ^ Copyright Stefan Deiters und/oder Lieferanten 1999-2017. Alle Rechte vorbehalten.  W3C

© astronews.com / Stefan Deiters und/oder Lieferanten 1999 - 2017
Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung nur mit Genehmigung.


URL dieser Seite: http://www.astronews.com/news/artikel/2004/06