Der Vorüberflug an Wild 2 war überaus erfolgreich, obwohl einige Schwierigkeiten zu
überwinden waren. Schon für die Aufnahmen des Kometen musste das 200 mm Objektiv
pro Sekunde um 1,5 Grad geschwenkt werden, um keine Bewegungsunschärfen zu
erhalten, als Stardust mit 6,1 Kilometern pro Sekunde an Wild 2 vorbei flog. Auch wenn die
Aufnahmen nur von untergeordnetem wissenschaftlichem Interesse waren, sind sie
die bislang besten Bilder eines Kometen. Die Fotos wurden in Intervallen
gemacht, so dass sich aus jeweils zweien ein Stereobild erzeugen lässt.
Außerdem wurden immer wieder lang belichtete Fotos aufgenommen, auf denen der
Kern zwar überbelichtet ist, aber auf denen von der Kometenoberfläche ausgehende Jets zu
erkennen sind. Jeweils ein halbes Dutzend von ihnen sind auf jedem dieser Bilder
zu sehen - auf kontrastverstärkten Aufnahmen sogar noch mehr. Viele der Jets sind offensichtlich
stark gebündelt und scheinen aus kleinen Depressionen auf der Oberfläche zu
kommen, deren Durchmesser weniger als einen Kilometer beträgt.
Die Oberfläche des Kometenkerns zeigt die unterschiedlichsten Strukturen,
einige
bis zu zwei Kilometer groß. Der Kern selbst besitzt einen Durchmesser von
fünf Kilometern. Obwohl die Bildauswertung noch andauert, zeigt sich, dass sich die
Oberfläche von Wild 2 deutlich von den beiden anderen bisher fotografierten
Kometen – Halley und Borrelly – unterscheidet. Auch sieht sie anders aus als die
der auf Nahaufnahmen festgehaltenen Asteroiden und eisbedeckten Jupitermonde
Callisto und Ganymed. Wild 2 besitzt eine ausgesprochen raue Oberfläche, die mit
flachen Depressionen überzogen ist, deren Ränder aber steil und schroff sind.
Bei einigen dürfte es sich um Einschlagskrater handeln, bei anderen scheidet ein
Einschlag als Ursache aus, da sie eckig und nicht rund sind. Die steilen Ränder
bedeuten aber, dass das Material relativ fest ist. Bei einer lockeren,
schneeartigen Substanz müssten die Oberflächenstrukturen weicher und runder
sein. Eine Oberflächenöffnung, aus der vermutlich ein Gasjet austritt, besitzt
sogar nahezu senkrechte Wände. Die meisten Einsenkungen sind groß. Dagegen
scheinen kleinere Krater, wie man sie auf anderen eisigen Himmelskörpern findet,
zu fehlen.
Vermutlich beruht die komplexere Natur von Wild 2 auf seiner Bahngeschichte. Der
Komet gehört zur Jupiter-Familie. In seine gegenwärtige Bahn, auf der er sich
der Sonne bis auf den eineinhalbfachen Erdabstand (also 1,5 astronomische Einheiten) nähert und sich bis zu 5,24
Astronomische Einheiten entfernt, gelangte er am 9. September 1974,
als er nahe am Gasriesen Jupiter vorbei flog. Nur rund 13 Planetendurchmesser trennten
Wild 2
damals von ihm. Davor bewegte er sich in Abständen von 5 bis 25 astronomischen
Einheiten um die Sonne. Wie die Bahn noch früher aussah, ist nicht bekannt. Innerhalb von 2,5
Astronomischen Einheiten
verdampfen große Teile der Kometenoberfläche. Vermutlich überleben Kometen dort
nur wenige tausend Jahre, bevor sie inaktiv werden oder sich auflösen. Deshalb
dürfte Wild 2 in der Vergangenheit nicht allzu sehr der Sonneneinstrahlung
ausgesetzt gewesen sein. Wie andere Kometen der Jupiterfamilie stammt er vermutlich aus dem Kuiper-Gürtel und verbrachte dort mehrere Milliarden Jahre.
Pro Umlauf verliert der Komet 10 Millionen Tonnen Wasser. Unter der Annahme,
dass es von verdampfendem, porösem Eis stammt, verringert sich sein Radius um 25
Zentimeter pro Umlauf. Da sich die Aktivität aber auf wenige Regionen
konzentriert, wird Wild 2 dort jedes Mal fünf Meter dünner.
Die von Stardust gemessenen Staubraten waren zum Teil höher als zuvor vermutet wurde. Der Staubdetektor
wurde 15 Minuten vor der größten Annäherung aktiviert. Die ersten Staubteilchen
registrierte er wenige Minuten vor dem Rendezvous-Zeitpunkt. Als sich die Sonde
wieder von dem Kometen entfernte, durchflog sie in den 2 bis 12 Minuten nach dem
kürzesten Abstand mehrere Jets. In dieser Zeit schwankten die Einschlagsraten
deutlich. Insgesamt registrierte der Staubdetektor mehrere tausend
Staubteilchen. Eine erste Datenanalyse zeigt, dass mindestens ein halbes Dutzend
größerer Teilchen die erste Ebene des "Whipple"-Schutzschilds durchschlagen
hatten. Diese Schutzvorrichtung sollte Staubkörner des Kometen bis zu einer
Größe von einem Zentimeter abhalten.
Die Beobachtungen an Wild 2 weichen
deutlich von denen der Sonde Giotto am Kometen Halley aus dem Jahr 1986 ab. Dort
nahm die Teilchendichte relativ gleichmäßig während der Annäherung an den
Kometenkern zu und bei der Entfernung wieder ab. Auch wurden dort meist nur
kleine Teilchen gefunden. Die Beobachtungen am Komet Wild 2 deuten darauf hin,
dass das Material sich in größeren Brocken von der Oberfläche löst und erst unterwegs zu kleineren Klumpen
zerfällt.
Laborversuche mit künstlichem Kometenmaterial und Modellrechnungen lassen
vermuten, dass durch die Wärmeeinstrahlung der Sonne sich in der Kometenoberfläche
Spannungen aufbauen, weil leichtflüchtiges, gefrorenes Material verdampft, aber
im Inneren der Kruste gefangen ist. Schließlich steigt der Druck so stark an,
dass das umgebende Material explosionsartig abgesprengt wird.
Nur 29 Teilchen konnte auf Ihre Zusammensetzung untersucht werden. Überwiegend
bestanden sie aus organischem Material, während Mineralien kaum vorhanden waren.