Rund fünf Jahre lang war die NASA-Sonde Stardust auf dem Weg und hat
nun - nach rund 3,2 Milliarden Kilometern durch den kalten Weltraum - ihr Ziel
erreicht: den Kometen Wild 2, einen schmutzigen Brocken aus Eis und Gestein mit
einem Durchmesser von 5,4 Kilometern. Er umrundet die Sonne alle 6,39 Jahre auf
einer Bahn, die ihn am sonnennächsten Punkt so nahe an unser Zentralgestirn
bringt wie den Mars, am sonnenfernsten aber so weit entfernt liegt wie der
Jupiter.
Heute ist nun endlich so weit: In einer Entfernung von rund 300 Kilometern
soll die Sonde mit einer relativen Geschwindigkeit von 21.960 Kilometern pro
Stunde an Wild 2 vorüber fliegen. "In den letzten Jahren haben Raumsonde Kometen
besucht und sind ihnen sehr nahe gekommen", erläutert Dr. Don Brownlee von der
Universität von Washington die Besonderheiten von Stardust. "Bei allen
diesen Missionen wurden wichtige Daten gesammelt. Stardust aber soll nun
erstmals Material aus der Umgebung des Kometen einsammeln und diese Probe zur
Analyse zurück zur Erde bringen."
Geschützt durch ein spezielles Schutzschild sollen zwei Instrumente an Bord
der Sonde Größe, Anzahl und Zusammensetzung der Partikel in der so genannten
Koma des Kometen untersuchen. Darüber hinaus soll die Kamera von Stardust
Aufnahmen des Kometenkerns liefern. Alle Daten erwarten die Wissenschaftler
schon bald nach dem Rendezvous.
Die heiße Phase der Annäherung begann vor neun Tagen als Stardust
seinen Tennisschläger-förmigen Staubfänger ausfuhr, der die Staubteile, die mit
hoher Geschwindigkeit auf die Sonde prallen in einem speziellen Aerogel
abbremsen und einfangen soll ohne sie aber - etwa durch Erhitzung - zu
verändern. "Die Proben, die wir einfangen wollen, sind extrem klein, nur 10 bis
300 Mikrons im Durchmesser. Man braucht ein gut ausgerüstetes Laboratorium, um
sie detailliert zu untersuchen."
Nachdem die Einfangphase abgeschlossen ist, wird der Kollektor in eine dichte
und speziell gesicherte Rückkehrkapsel verstaut, mit der er im Januar 2006 auf
die Erde zurückkehren soll. Von der Auswertung der Daten versprechen sich die
Wissenschaftler neue Erkenntnisse über die frühste Geschichte des Sonnensystems
und damit über die Zusammensetzung des Materials bei Entstehung der Planeten.