|
|
||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||
|
|
||||||||||||||||||
Auf der Kanareninsel La Palma wurde in der vergangenen Woche das weltweit größte Gammastrahlen-Teleskop offiziell eingeweiht. Mit dem neuen Großteleskop kann mit extremer Empfindlichkeit die energiereiche Gammastrahlung von fernen Galaxien und explodierenden Sternen untersucht werden. Die Astronomen stoßen mit MAGIC ein bislang verschlossenes Fenster zum Universum auf.
MAGIC, das weltweit größte Gammastrahlen-Teleskop, wurde am 10. Oktober 2003 auf dem Roque de los Muchachos, dem höchsten Berg der spanischen Insel La Palma, in 2.225 Metern Höhe, offiziell eingeweiht. Das Major Atmospheric Gamma Imaging Cherenkov-Teleskop soll die energiereiche Strahlung von fernen Galaxien, Quasaren und Supernovae-Resten untersuchen und einige der bisher noch ungelösten Probleme der Astrophysik ergründen. Dazu registriert MAGIC die Lichtblitze von "Luftschauern", die beim Eindringen kosmischer Gammaquanten in die Erdatmosphäre entstehen. Mit einem Spiegeldurchmesser von 17 Metern ist MAGIC weltweit das größte und empfindlichste Instrument seiner Art für den bisher weitgehend unerforschten Energiebereich zwischen 20 und 300 Milliarden Elektronenvolt. Mit der Einweihung von MAGIC erfolgt zugleich der "Startschuss" für das Europäische Cherenkov-Observatorium ECO, das in den kommenden Jahren auf La Palma aufgebaut wird, denn MAGIC ist das erste dieses aus mehreren verbundenen Teleskopen bestehenden Systems.
MAGIC wird in internationaler Kooperation betrieben: Nahezu einhundert
Wissenschaftler aus Deutschland, Italien, Spanien, Finnland, Polen, der Schweiz,
Armenien, Russland, Südafrika und den USA beteiligen sich an dem Projekt.
Deutschland ist durch das Münchner Max-Planck-Institut für Physik, die
Universität Siegen und die Universität Würzburg vertreten. Die
Max-Planck-Gesellschaft und das Bundesforschungsministerium tragen mehr als die
Hälfte der Investitionskosten von 4,5 Millionen Euro. Dazu nutzen die Forscher die Tatsache, dass sich ein hochenergetisches Gammateilchen in den oberen Schichten der Atmosphäre beim Vorbeiflug an einem Atomkern spontan in ein Elektron und in dessen Antiteilchen, ein Positron, umwandeln kann. Beide Teilchen erzeugen wiederum in einer Art Schneeballsystem weitere Sekundär-Teilchen: Eine Teilchenlawine, ein so genannter "Luftschauer", entsteht. Die elektrisch geladenen Teilchen des Schauers, deren Geschwindigkeit höher ist als die Lichtgeschwindigkeit in Luft, emittieren Cherenkov-Licht.
Als Cherenkov-Strahlung bezeichnet man eine elektromagnetische Strahlung, die
von schnellen elektrischen Teilchen in elektrisch nicht leitenden Medien erzeugt
wird, wenn ihre Geschwindigkeit größer ist als die Phasengeschwindigkeit der
Strahlung in diesem Medium. Die 1934 von P. A. Cherenkov entdeckte Strahlung
breitet sich in Flugrichtung des ursprünglichen Gammateilchens als blauer Blitz
aus. Auf der Erdoberfläche beleuchtet solch ein Blitz von wenigen Milliardstel
Sekunden Dauer eine Fläche von einigen hundert Metern Durchmesser. Zwar ist
seine Intensität für die Beobachtung mit bloßem Auge viel zu schwach, und selbst
die bisherigen Luft-Cherenkov-Teleskope konnten lediglich Gammateilchen mit
Energien oberhalb von etwa 300 Milliarden Elektronenvolt beobachten. Das Potential von MAGIC beruht auf dem konzertierten Einsatz neuester Technologien in den zentralen Komponenten des Teleskops, die eine effizientere Lichtsammlung ermöglichen. So war Leichtbau bei allen bewegten Teilen der Schlüssel dazu, um einen Spiegeldurchmesser von 17 Metern realisieren zu können, ohne dabei Kompromisse bei der Positionierungsgeschwindigkeit - wichtig für die Beobachtung kurzzeitiger Phänomene wie Gammastrahlungs-Ausbrüche - eingehen zu müssen. Erstmals bei einem Cherenkov-Teleskop wird eine ultraleichte Kohlefaser-Gitterrahmenstruktur als Spiegelträger eingesetzt. Auch die 934 Spiegelsegmente bestehen aus Gewichtsgründen nicht aus Glas sondern aus Aluminium, dessen Oberfläche mit diamantbestückten Werkzeugen geformt worden ist. Die Spiegelsegmente selbst sind mit einem computergesteuerten Verstellmechanismus ausgestattet, so dass kleinste Verformungen des Spiegelträgers, wie sie bei Lageänderungen auftreten, automatisch korrigiert werden können. Auf diese Weise bleibt die optische Qualität des Teleskops unabhängig von der Positionierungsrichtung stets gewährleistet.
Die vom Spiegel gesammelten Photonen werden auf eine aus 577 Lichtsensoren
bestehende elektronische Kamera fokussiert, die im Brennpunkt des Teleskops
angebracht ist und ultrakurze Belichtungszeiten von wenigen Milliardstel
Sekunden erlaubt. Für die Kamera nutzt man speziell entwickelte
Photomultiplier-Röhren, deren spektrale Empfindlichkeit an das zu beobachtende
Cherenkov-Licht angepasst ist. Der Signaltransfer geschieht über ein
ultraschnelles optisches Glasfaser-System, das eine nahezu verlustfreie
Analog-Übertragung der in der Kamera erzeugten Impulse ermöglicht. Auf diese
Weise kann in der Kamera selbst auf schwere Digitalisierungselektronik
verzichtet und die Beeinträchtigung durch ein mechanisches Nachschwingen des
Kameragehäuses minimiert werden.
|
|
|
|
Home |
Nachrichten |
Forschung |
Raumfahrt |
Sonnensystem |
Teleskope |
Amateurastronomie Forum | Frag astronews.com | Sternenhimmel | Startrampe | TV-Guide | Veranstaltungen | Bild des Tages Suche | AstroLinks | AstroGlossar | Über uns | Newsletter & RSS-Feeds | Werbung Copyright Stefan Deiters und/oder Lieferanten 1999-2012. Alle Rechte vorbehalten. [ Impressum | Nutzungsbedingungen | Datenschutzerklärung ] W3C |